Peshawar-Massaker
Taliban stürmen pakistanische Schule – über 140 Tote

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban haben in einer Schule in der pakistanischen Millionenstadt Peshawar ein Blutbad angerichtet. 141 Menschen - die meisten Kinder und Jugendliche - kamen ums Leben, mindestens ebenso viele wurden verletzt.

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Ein verwundeter Schüler wird weggebracht.
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Die Schüler sind zwischen zehn und achtzehn Jahre alt.
Überfall auf Militärschule in Pakistan
Dutzende wurden verwundet.
Die Armee hat das Schulgelände umstellt
Die Armee hat das Schulgelände umstellt
Die Armee hat das Schulgelände umstellt
Die Armee hat das Schulgelände umstellt

Ein verwundeter Schüler wird weggebracht.

Keystone

Etwa 130 weitere Menschen wurden bei der Attacke auf die Schule verletzt, wie der Informationsminister der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa, Mushtaq Ghan, mitteilte. Andere offizielle Quellen berichteten von über 250 Verletzten.

In Peshawar starben über 140 Menschen bei einem Taliban-Überfall auf eine Schule.

In Peshawar starben über 140 Menschen bei einem Taliban-Überfall auf eine Schule.

Keystone

Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Mehrere Dutzend Menschen erlitten Schussverletzungen; ihr Gesundheitszustand war kritisch.

Die Schule gehört zu einem landesweiten Netzwerk aus Bildungseinrichtungen, die vom Militär für die Kinder von Soldaten betrieben werden. Vielfach unterrichten dort die Frauen von Soldaten.

Dramatische Szenen

Die Extremisten waren am Vormittag in die vom Militär betriebene Schule eingedrungen und hatten etwa 500 Schüler und Lehrer als Geiseln genommen. Augenzeugen berichteten von einer riesigen Explosion. Die fünf oder sechs Angreifer seien von Klassenzimmer zu Klassenzimmer gestürmt und hätten auf Schüler und Lehrer geschossen.

Die Armee stürmte darauf den Schulkomplex, um die Geiselnahme zu beenden. Im Fernsehen war zu sehen, wie Soldaten Schüler in Sicherheit brachten.

Afghanische Taliban verurteilen Anschlag in Pakistan

Die Taliban in Afghanistan haben den Anschlag pakistanischer Taliban-Kämpfer auf eine Schule verurteilt. Die absichtliche Tötung unschuldiger Menschen, Kinder und Frauen verstosse gegen die Grundlagen des Islam, erklärte der afghanische Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag.

Beide Gruppen sind zwar organisatorisch getrennt, arbeiten aber zusammen. Sie kämpfen für den Sturz ihrer jeweiligen Regierungen und die Schaffung eines islamischen Staates.

Bei dem Überfall auf die Schule in Pakistan waren 141 Menschen getötet worden, darunter 132 Schüler. Ein Sprecher der pakistanischen Taliban sagte, die Aktion sei Rache für das Vorgehen des Militärs, das in der Grenzregion zu Afghanistan eine Offensive gegen die Islamisten führt.

Kinder in ihren Schuluniformen mit grünen Pullovern über der traditionellen Kleidung rannten verängstigt ins Freie. Blutüberströmte Schüler und Lehrer wurden aus der Schule getragen. Verzweifelte Eltern drängten sich um die Ambulanzen und hinter Absperrungen vor der Schule und den Notaufnahmen der Spitäler.

Etwa fünfeinhalb Stunden später waren fünf Angreifer tot. Laut Provinzgouverneur Pervez Khattak tötete sich einer der Rebellen selbst durch eine Bombe. Er sagte, die Extremisten hätten Uniformen der paramilitärischen Grenzschützer.

"Sollen unseren Schmerz fühlen"

Zum Anschlag bekannte sich die Rebellenbewegung Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP). Die Attacke sei die Rache für eine im Juni gestartete Militäroffensive in den Stammesgebieten, erklärte Taliban-Sprecher Muhammad Khorasani der Nachrichtenagentur AFP.

"Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor", sagte er. "Sie sollen unseren Schmerz spüren." Die Angreifer hätten aber den Auftrag gehabt, gezielt ältere Schüler zu töten, keine Kinder.

Bei der Armeeoffensive gegen Rebellenhochburgen vor allem in Nord-Waziristan wurden seit Juni mehr als 1600 Rebellen getötet, wie aus einer AFP-Zählung auf Grundlage von Militärmitteilungen hervorgeht.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sprach von einer "von Wilden entfesselten nationalen Tragödie". "Dies waren meine Kinder. Dies ist mein Verlust. Dies ist der Verlust der Nation", erklärte Sharif.

Die Militäraktionen gegen die Taliban würden trotz des Anschlags fortgesetzt, betonte er. Kurz darauf flog die Luftwaffe zehn Angriffe in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa, offenbar als Vergeltungsmassnahme.

Anschlag weltweit verurteilt

Der Angriff löste international Empörung aus. Bundespräsident Didier Burkhalter verurteilte den Anschlag nachdrücklich, wie das Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilte. Es sei durch nichts zu rechtfertigen.

Der Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), Ijad Amin Madani, sprach von einem "entsetzlichen und sinnlosen terroristischen Angriff". Wer im Namen des Islam solche Gewalt verübe, habe mit dieser Religion nichts zu tun.

US-Präsident Barack Obama erklärte in Washington: "Indem sie bei dieser abscheulichen Attacke Schüler und Lehrer zur Zielscheibe gemacht haben, haben die Terroristen erneut gezeigt, wie verdorben sie sind." Er bekräftigte die Unterstützung seines Landes für die pakistanische Regierung im Kampf gegen den Terrorismus. Auch Indien verurteilte die Tat.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den Anschlag als "furchterregend" und "abscheulich". An einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats sagte Ban, "die Herzen der Welt gehören den Eltern und Familien der Opfer".

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, appellierte Jagland an das pakistanische Volk, die Hoffnung nicht aufzugeben, welche die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai geweckt habe. "Unser Kampf gegen dieses sinnlosen Terrorismus muss und wird weitergehen."

Protestaktion nach der Bluttat