Kabinett
So könnte Trumps Kabinett aussehen: männlich, alt, religiös, radikal

Das Kabinett der Vereinigten Staaten ist ein Teil der Exekutive in der Bundesregierung der USA. Unter den Kandidaten für wichtige Ministerposten finden sich alte Bekannte — und Kandidaten mit offenen Rechnungen.

Dagmar Heuberger
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Kabinett Trump?
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Kabinett Trump?

Mike Pence, Vizepräsident

Der Gouverneur des Bundesstaates Indiana sagt von sich, er sei «ein Christ, ein Konservativer und ein Republikaner – in dieser Reihenfolge». Er ging im Sommer ein Risiko ein, als er sich damit einverstanden erklärte, an der Seite von Donald Trump in den Wahlkampf zu steigen. Rasch zeigte sich, dass die beiden eine Arbeitsteilung eingingen. Trump war der Entertainer, Pence der stille Schaffer. Er trat vor konservativen Aktivisten auf, und rief ihnen zu: «Kommt nach Hause.» Damit half er einer zerstrittenen Partei, die Reihen zu schliessen. Und bewies einmal mehr, dass er – dank seiner früheren Karriere als Radio-Moderator – ein höchst begabter Kommunikator ist. Washington kennt Pence wie seine eigene Westentasche, weil er von 2003 bis 2013 im Repräsentantenhaus amtierte.

Newt Gingrich, Aussenminister

Als der Schnelldenker im Jahr 1999 Washington verliess, wurde er buchstäblich aus der Stadt vertrieben – weil er als Präsident des Repräsentantenhauses (Speaker) dafür verantwortlich gewesen war, dass die Republikaner aus der Parlamentswahl 1998 als Verlierer hervorgegangen waren. Gingrich hatte die Stimmung im Land falsch eingeschätzt, und geglaubt, mit einem Amtsenthebungsverfahren gegen den demokratischen Präsidenten Bill Clinton Punkte zu sammeln. Nun hat Gingrich, mit 20-jähriger Verspätung, das Ringen gegen die Präsidentenfamilie doch noch gewonnen. Der Privatier, der Bücher schreibt und sich immer noch als Vordenker der Partei profiliert, könnte nun von Präsident Trump mit dem Aussenminister-Posten belohnt werden.

Steven Mnuchin, Finanzminister

Als der ehemalige Banker und Hedgefonds-Manager im April 2016 von Donald Trump angeheuert wurde, herrschte an der Wall Street Verwunderung – schliesslich hatte sich der ehemalige Angestellte von Goldman Sachs politisch zuvor nicht betätigt. Mnuchin übernahm die Verantwortung für die finanzielle Seite des Trump-Wahlkampfes und brachte Professionalität in den chaotischen Apparat. Nun könnte die nächste Beförderung folgen, nämlich an die Spitze des Finanzministeriums. Interessant an dieser Personalie ist, dass Mnuchin just eine Berufsgruppe vertritt, gegen die der republikanische Präsidentschaftskandidat regelmässig wetterte. Auch stammt er aus einer privilegierten Familie – so fuhr er bereits an der Universität einen Porsche.

Rudy Giuliani, Justizminister

Der ehemalige Stadtpräsident von New York gehörte im Wahlkampf zu den aggressivsten Unterstützern von Donald Trump. Er griff die Demokratin Hillary Clinton regelmässig frontal an – als habe er noch eine Rechnung mit ihr offen. Das hat er tatsächlich. Im Jahr 2000 stand Giuliani nämlich kurz davor, die damalige First Lady in der Senatswahl im Staat New York herauszufordern. Doch daraus wurde nichts. Giuliani zog sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Wahlkampf zurück. Ein Jahr später, nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001, war Giuliani kurze Zeit der beliebteste Politiker Amerikas. Mit seiner Kampagne um die Präsidentschaft im Jahr 2008 scheiterte er aber kläglich. Nun könnte der ehemalige Staatsanwalt als Justizminister ein Comeback geben.

Jeff Sessions, Verteidigungsminister

Im Parlament in der Hauptstadt Washington hat der gewählte Präsident Donald Trump fast keine Vertrauten. Der Senator aus Alabama allerdings stand dem Geschäftsmann aus New York fast von der ersten Minute an zur Seite. Ihre Gemeinsamkeit: Sessions vertritt einen ähnlichen Wirtschaftspopulismus wie sein Parteikollege. Nun kann sich Sessions, der früher als Staatsanwalt in Alabama tätigt war, wohl aussuchen, welches Amt in einer Regierung Trump er am liebsten bekleiden möchte. Er gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Führung des Verteidigungsministeriums. Der Kritiker eines liberalen Einwanderungsrechts wäre aber ebenfalls für die Spitze des Sicherheitsministeriums (Department of Homeland
Security) ein geeigneter Kandidat.