Russland
Was lässt sich Putin dieses Mal einfallen? Angela Merkels letzter Besuch beim Lieblingsfeind

An diesem Freitag kommt Deutschlands Bundeskanzlerin nach Moskau zum Abschiedsbesuch bei Wladimir Putin, der sie stets testete.

Inna Hartwich, Moskau
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Angela Merkel (l) hat Angst vor Hunden. Wladimir Putin wusste das - und brachte deshalb 2007 Labrador Koni zum Treffen mit.

Angela Merkel (l) hat Angst vor Hunden. Wladimir Putin wusste das - und brachte deshalb 2007 Labrador Koni zum Treffen mit.

Manchmal lassen sich Symbole ganz bewusst einsetzen. Für ihren Moskau-Besuch, den letzten als Bundeskanzlerin, hat sich Angela Merkel einen speziellen Tag ausgesucht. Einen, der eben symbolhaft ist für den Knacks in den deutsch-russischen Beziehungen, der dafür steht, wie die lange Zeit stetige Vertrauensbasis zwischen Berlin und Moskau zu einer grossen Enttäuschung wurde. Auf beiden Seiten.

An diesem Freitag jährt sich die Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. Ein Tag, der als Zäsur der Moskau-Berlin-Achse zu sehen ist. Das distanzierte und doch respektvolle Verhältnis Merkels zu Putin wich in diesem Moment der Resignation, ja einer Kälte, wie es sie zuvor kaum gegeben hatte, bei Syrien nicht, auch nicht bei der Ukraine. Der «versuchte Giftmord» samt «schwerwiegenden Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann und muss», wie Merkel nach dem Anschlag auf Nawalny sagte, zeigt, wie unvereinbar der Blick auf die Welt zwischen den beiden Staaten mittlerweile ist.

Sie war seine Brücke nach Europa

19 Mal war Merkel bereits in Russland bei Putin, sie war auch sein Draht nach Europa. Während andere Staatschefs gingen und neue kamen, war sie da. Geblieben wie auch er. Sie haben gelernt, miteinander umzugehen. Putin testete die Deutsche stets gezielt, Merkel liess seine Provokationen ins Leere laufen. Sie hielt seinem starren Blick stand, hielt es trotz Hundeangst aus, dass sich sein Labrador Koni in Sotschi zu ihren Füssen legte. Persönliche Befindlichkeiten stellte sie stets hintan. Auch bei Putin.

Für das ehrliche Eintreten für ihre Überzeugungen respektieren die Russen Merkel, auch wenn sie diese Überzeugungen so gar nicht teilen. Putin wie Merkel setzen auf Sachlichkeit. Das Drumherumreden, ob nun auf Deutsch oder Russisch, ist beider Sache nicht. Merkel spricht stets die Verletzungen von Menschenrechten an, die stetige Aushöhlung der Pressefreiheit in Russland, die Morde an Regimekritikern.

Merkel reiste per Autostopp durch den Kaukasus

Merkels Beziehung zu Russland ist allein schon aus ihrer Biografie heraus eine besondere. Bereits als junge Frau erlebt sie eine grosse Verbundenheit zum Land – damals zur Sowjetunion –, begeistert sich für die Sprache, die Literatur, reist in den 1970ern nach Moskau, trampt durch den Kaukasus.

Auch Putins Nähe zu Deutschland ist eine besondere. «Ähnliche Mentalitäten» hatte der 68-Jährige einst sich und Merkel bescheinigt. Ein grosser Irrtum. Denn die wohl grösste Zäsur in ihrem eigenen Leben bewerten beide völlig gegensätzlich. Während mit dem Ende der DDR sich für Merkel eine neue Welt öffnete, betrauert Putin bis heute das Ende der Sowjetunion.

Er ist der «KGBschnik» geblieben. Einer, der skrupellos genug ist, militärische Kraft einzusetzen. Oft in Geheimoperationen. Sie hält das für vorgestrig, setzt auf Ausgleich und erlebt trotz ihres tiefen Verständnisses für Russland immer mehr Ratlosigkeit einem Staat gegenüber, dessen Präsident immer noch den kalten Krieger gibt.

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