Kuba
Raúl Castro will die Macht begrenzen – doch kann er bei sich anfangen?

Obama mag den guten Onkel Sam mimen, die Stones ins Stadion rollen – viel wichtiger für Kuba intern wird der April. Da tagt wieder mal der Kongress von Kubas KP.

Max Dohner
Drucken
Teilen
Kubas Staatschef Raul Castro. (Archiv)

Kubas Staatschef Raul Castro. (Archiv)

KEYSTONE/AP/REBECCA BLACKWELL

Parolen haben Kubaner genug gehört in sechzig Jahren. Geändert hat sich nichts. Jeder sonst würde zynisch werden. Kubaner sind nicht zynisch, aber extrem pragmatisch geworden. Nicht ein Milligramm Sentimentalität gönnt man sich. Selbst in der Liebe bleibt man clean davon. Um ein Wort des ehemaligen deutschen Kanzlers Kohl zu zitieren: Wesentlich für Kubaner ist nur, «was hinten herauskommt».

Das gilt vor allem für die Zukunft. Im April wird die PCC, die kommunistische Partei Kubas, ihren mittlerweile VII. Kongress abhalten (seit Umbildung der Partei in der heute noch gültigen Form 1965). Am VI. Kongress, 2011, hatte Raúl von Bruder Fidel als Zentralsekretär auch das höchste Amt der Partei übernommen, nachdem bereits die Regierungsverantwortung in seine Hände übergegangen war.

Fidel ist 88, Raúl wird im Juni 85. Er hatte 2011 angekündigt, hohe Regierungsposten zeitlich auf zweimal fünf Jahre zu beschränken. Sich selber hatte er ausdrücklich eingeschlossen. Darum könnte Raúl im April sagen: «Me rindo – ich gebe auf.» Mit dem Amt, keineswegs in den Prinzipien. Da ist er, so unbeugsam wie der Bruder, marxistisch-leninistisch-martianisch (nach José Martí). So wie es – Kapitel I, Artikel 5 – in der kubanischen Verfassung steht: «Die Kommunistische Partei Kubas leitet und organisiert die gemeinsamen Anstrengungen zum hohen Ziel des Sozialismus und fortschreitend bis hin zur kommunistischen Gesellschaft.»

Kaum etwas umgesetzt

In wirtschaftlicher Hinsicht sieht Raúl allerdings die Dinge pragmatisch. Und Fidels Erzfeindschaft mit den Gringos pflegt er – wie gesehen – keinesfalls glühend. Warm wird er allenfalls bei den Kirchen. Darum witzeln Kubaner: «Ein halbes Jahrhundert lang waren wir die Bösen. Jetzt sind wir über Nacht zur Insel des Friedens geworden.»

Nun wurden in der Vergangenheit Beschlüsse der Parteitage denkbar wenig in die Tat umgesetzt. Was dort 600 Delegierte jeweils labern, kümmert die Kubaner nicht, obschon die Partei 800 000 Mitglieder hat (ein Drittel davon sind Frauen). «Die Hoffnung stirbt zuletzt» war nie eine kubanische Redensart. Dass Hoffnung versiegen kann – sogar das haben Kubaner vergessen. Man führe sich diese Tatsache vor Augen: Siebzig Prozent der Leute auf Kuba haben nie eine andere Zeit erlebt als den Jurassic Parc der Castro-Brüder.

Ältere haben Angst vor der Zukunft. Umso neugieriger sind die Jungen auf alle Signale von aussen. Keine politischen Botschaften. Sondern Hinweise zu Mode, Style, Musik. Neue Internet-Hotspots, etwa beim Business Center in Miramar, ziehen scharenweise Leuten an. Das Lahmste für die Jungen sind Verlautbarungen und Zuckungen der Partei.

Neue Beschläge am Parlament

Trotz Apathie, deren Rieseln und Bröckeln Touristen derart fotogen finden (müssen ja nicht selber drin hausen): «Und die Partei bewegt sich doch» – das darf man durchaus mutmassen. Denn es tut sich – je unauffälliger, desto besser – Erstaunliches. So wird etwa das Parlament im Zentrum Havannas renoviert. Eine aufwendige Sache, bei der auch private Handwerker beigezogen werden – vom Staat, für ein Staatsgebäude! –, um etwa neue Messingbeschläge an den Türen anzubringen.

Das Haus ist eine Nachbildung des Capitols in Washington DC. Wie man hört, soll darin künftig wieder ein kubanisches «Parlament» tagen. Etwa der olle Kongress der PCC, einfach an einem anderen Ort? Ja und Nein. In Havannas Capitol finden 200 Delegierte Platz, ein Drittel bloss des heutigen Kongressbestandes. Mindestens quantitativ liegt also beim stets gleichen Gelaber ein Reförmchen in der Luft.

Aktuelle Nachrichten