Radikale Massnahme
Reibungsloser Start in die Zertifikats-Ära: Italien erlebt trotz Impf-Pflicht am Arbeitsplatz keinen «schwarzen Freitag»

Italien hat den ersten Tag mit «Green Pass»-Pflicht gut gemeistert. Die Akzeptanz ist riesig.

Dominik Straub, Rom
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Einzelne Protestaktionen wie hier am Hafen von Triest gab es, Ausschreitungen jedoch wurden bis am Abend keine gemeldet.

Einzelne Protestaktionen wie hier am Hafen von Triest gab es, Ausschreitungen jedoch wurden bis am Abend keine gemeldet.

AP

Von einem bevorstehenden «schwarzen Freitag» war in den letzten Tagen oft die Rede gewesen, von Horden randalierender Impfgegner, welche die Innenstädte verwüsten könnten, und von wilden Streiks, die das ganze Land blockieren. Am Ende war gestern alles halb so wild: Zwar kam es in fast allen grösseren Städten Italiens zu Protestaktionen und Kundgebungen, aber meistens haben nur wenige hundert Personen daran teilgenommen. Auch in Triest, wo die Hafenarbeiter angedroht hatten, die Terminals zu blockieren, blieb es verhältnismässig ruhig. Der Hafenbetrieb konnte mit wenigen Einschränkungen aufrechterhalten bleiben.

Der öffentliche Nahverkehr in den Städten wurde kaum beeinträchtigt, obwohl etwa bei den Verkehrsbetrieben Mailand 272 Angestellte über keinen Green Pass verfügen und deshalb von ihren Vorgesetzten gleich wieder nach Hause geschickt wurden.

Kein Verkehrschaos, aber viel Verständnis

Zwar mussten vier Prozent der Verbindungen gestrichen werden, «aber sonst haben wir einen regulären Betrieb», liess ein Sprecher der Mailänder Verkehrsbetriebe ausrichten. Auch in anderen Städten fielen einige Fahrten aus, ohne dass sich deswegen grössere Probleme für die Pendler und Schulkinder ergaben.

Die weitgehend reibungslose Feuertaufe des Green Passes am Arbeitsplatz belegt einmal mehr: Die Massnahme wird vom überwiegenden Teil der italienischen Bevölkerung mitgetragen, obwohl sie einschneidend ist. «Wir können doch nicht die vielen Toten, die erzwungene Isolation im Lockdown, den Stillstand der Wirtschaft und die geschlossenen Schulen einfach so vergessen», betonte gestern der Hafenarbeiter Giuseppe Gucciardo in Livorno. Vor einem Jahr sei Italien wegen der zweiten Pandemie-Welle fast vollständig stillgestanden – dass dies heute nicht mehr so ist, sei allein den Impfungen zu verdanken.

563'185 Impfzertifikate an einem einzigen Tag

Die Regierung von Mario Dra­ghi will jedenfalls an ihrer konsequenten Linie festhalten – zumal diese in den letzten Tagen und Wochen die erhofften Resultate zeigte. Seit der Ankündigung der Massnahme hat sich die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen um 46 Prozent erhöht – 85 Prozent der Bevölkerung über 12 Jahre haben inzwischen mindestens eine Impfdose erhalten.

Die Zahl der täglich durchgeführten Covid-Tests ist ebenfalls stark angestiegen. In den letzten Tagen wurden so viele Impfzertifikate heruntergeladen wie noch nie zuvor – allein am Mittwoch waren es 563186. Bei den Impf- und Testzentren kommt es zwar oft zu Wartezeiten, aber bisher reichen die Kapazitäten aus.

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