Barcelona/Brüssel
Puigdemonts lauter Abgang

Der ehemalige Präsident Kataloniens, Carles Puigdemont, erklärt die Gründe für seinen Rückzug – und stichelt weiter gegen die spanische Regierung.

Deborah Gonzalez
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Puigdemont im belgischen Exil: Er wird wohl vorerst nicht zurückkommen.

Puigdemont im belgischen Exil: Er wird wohl vorerst nicht zurückkommen.

EPA

Carles Puigdemont verzichtet auf das Amt des katalanischen Regierungschefs. Zumindest «vorläufig», wie er aus seinem Exil in Brüssel nun einem spanischen Radiosender sagte. Es ist die nächste Wende in der nicht enden wollenden politischen Krise in Katalonien.

Rückblende: Am 1. Oktober letzten Jahres rief Puigdemont das katalanische Volk dazu auf, wählen zu gehen. Für ein unabhängiges Katalonien. Madrid verbot das Referendum, worauf sich die spanische Zentralregierung einschaltete und mit der Kaltstellung der katalanischen Regionalregierung drohte. Puigdemont nahm die Konfrontation zunächst in Kauf, um später zurückzurudern und einen «fairen Dialog» mit Spanien zu fordern. Als ihm daraufhin die Verhaftung drohte, flüchtete er nach Belgien.

Was danach kam, scheint wie im Film: Seine Parteikollegen wurden festgenommen, Puigdemont selbst wollte Katalonien via Skype aus dem Brüsseler Exil regieren. Dann der geleakte SMS-Verlauf mit seinem Kollegen Toni Comin, in dem er einräumte, dass Spanien gegen die katalanischen Separatisten gewonnen habe.

«Aufgeben nicht im Lexikon»

Nun also der neueste Coup: Carles Puigdemont möchte die Hauptrolle in dem Katalonien-Thriller abgeben und schlägt den inhaftierten Jordi Sanchez als seinen Nachfolger als Regierungschef vor. Auf die Frage, ob es möglich sei, ein Land aus dem Gefängnis heraus zu regieren, antwortete Puigdemont gegenüber Radio RAC leicht amüsiert: «Alles ist machbar.» Schliesslich regiere momentan die korrupteste Partei Europas in Spanien. Der Ex-Regierungschef offenbarte zudem, dass er es bereue, am 10. Oktober nicht die Unabhängigkeit ausgerufen zu haben.

Während Puigdemont noch immer in Belgien sitzt, was «eine längere Zeit so sein wird», wie er betont, wird in Katalonien also ohne ihn eine neue Regierung geformt. Dabei auf Puigdemont zu verzichten, ist das kleinere Übel, denn die Alternative wären Neuwahlen. Das käme den Pro-Katalanen derzeit äusserst ungelegen: Laut aktuellen Umfragen kommen die Unabhängigkeitsanhänger nur noch auf 40,8 Prozent – ein Absturz um acht Prozentpunkte im Vergleich zum letzten Oktober.

Wie es jetzt weitergeht, bleibt offen. Puigdemont für seinen Teil sagt: «Das Wort ‹aufgeben› steht nicht in meinem Lexikon.»

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