Nahost-Konflikt
Eskalation: 1800 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert ++ Israel verschärft Angriffe mit Bodentruppen

Der Gaza-Konflikt heizt sich weiter auf. Israels Armee meldet am Freitagmorgen, dass vom Gazastreifen aus mittlerweile 1800 Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Zuvor war bekannt geworden, dass Israel neu auch Bodentruppen bei den Angriffen auf den Gazastreifen einsetzt.

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Gaza City unter Beschuss von Israels Raketen.

Gaza City unter Beschuss von Israels Raketen.

Khalil Hamra / AP

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs bislang 1800 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 430 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen, sagte Sprecher Jonathan Conricus am Freitagmorgen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel («Iron Dome») hat das Militär zuletzt im Schnitt mit rund 90 Prozent angegeben.

Nach fortwährenden Raketenangriffen militanter Palästinenser hat Israels Armee in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft. «Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an», teilte die israelische Armee bei Twitter mit. Eine Sprecherin konnte aber nicht erläutern, ob sich auch Bodentruppen in dem Küstenstreifen befanden. Das israelische Fernsehen berichtete von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu den Angriffen: «Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird.» Man werde die Angriffe «mit grosser Intensität fortsetzen», sagte er in einer Videobotschaft. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.»

Das israelische Fernsehen berichtete, es sei der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der Eskalation am Montag. Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben.

Im Norden des Gazastreifen schlugen ebenfalls israelische Raketen ein.

Im Norden des Gazastreifen schlugen ebenfalls israelische Raketen ein.

Haitham Imad / EPA

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

Militante Palästinenser setzten am Donnerstag ihre heftigen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren fort. Auch am Abend wurden erneut zahlreiche Städte beschossen, darunter Aschkelon, Aschdod und Modiin. Auch in die Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv wurden Raketen abgefeuert. In einer Ortschaft im Süden des Landes wurde nach Angaben von Rettungskräfte eine 87-Jährige auf der Flucht in einen Schutzraum tödlich verletzt.

Auch das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf das Küstengebiet fort. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 103 Menschen seit der Eskalation der Gewalt. In Israel wurden nach offiziellen Angaben bislang acht Menschen bei Raketenangriffen getötet. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte, eine israelische Bodenoffensive wäre «eine Gelegenheit, weitere tote Soldaten und Gefangene des Feindes in unseren Besitz zu bringen». Man sei bereit, «dem Feind mit Gottes Hilfe eine harte Lektion zu erteilen». Mehr als 2100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden 2014 im 50-tägigen Gaza-Krieg nach Angaben beider Seiten getötet. 18 000 Häuser im Gazastreifen wurden damals nach Angaben der UN-Nothilfeorganisation Ocha zerstört oder beschädigt.

Nach Angaben der Armee wurden seit Montagabend rund 1750 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben von Israels Ministerpräsidenten Netanjahu wurden bislang schon fast 1000 Ziele der militanten Palästinenser beschossen.

Aussenminister Heiko Maas (SPD) sagte der «Bild» (Freitag): «Zumindest die jüngste Eskalation hat Hamas mutwillig herbeigeführt, indem sie über tausend Raketen auf israelische Städte geschossen hat.» Deutschland setze sich für ein sofortiges Ende der Gewalt ein. Hierzulande solle die Polizei «mit höchster Aufmerksamkeit jüdische Einrichtungen schützen.

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas spricht sich gegen die Gewalt aus.

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas spricht sich gegen die Gewalt aus.

Annegret Hilse / Pool / EPA

In der Bundesrepublik kam es zu mehreren antisemitischen und anti-israelischen Demonstrationen. In Gelsenkirchen stoppte die Polizei am Mittwochabend einen Demonstrationszug, der sich in Richtung Synagoge bewegte. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. Die Polizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Videos. Auch in Hannover musste die Polizei bei einer Anti-Israel-Demonstration einschreiten. Zudem wurden in mehreren Städten israelische Flaggen angezündet. Maas forderte ein Verbot der Demos, «wenn Straftaten zu erwarten sind».

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ereignisse in Deutschland. «Nichts rechtfertigt die Bedrohung von Jüdinnen und Juden in Deutschland oder Angriffe auf Synagogen in deutschen Städten», sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag für die «Bild»-Zeitung.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron will unterdessen zu einer raschen Beruhigung des Konflikts beitragen. In einem Telefonat mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas habe der 43-Jährige die Raketenangriffe der Hamas und «anderer terroristischer Gruppen» auf Israel verurteilt, teilte der Élyséepalast in Paris mit. Macron wolle auch mit Netanjahu telefonieren.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war zuletzt wieder aufgeflammt. Er spitzte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl immer weiter zu. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstösse auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif).

Menschen versammeln sich für die Eid al-Fitr Gebete beim Felsendom bei der Al-Aqsa-Moschee, eines der heiligsten Stätten für Muslime. (Archivbild)

Menschen versammeln sich für die Eid al-Fitr Gebete beim Felsendom bei der Al-Aqsa-Moschee, eines der heiligsten Stätten für Muslime. (Archivbild)

Mahmoud Illean / AP

Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Konflikt greift zunehmend auch auf Orte im israelischen Kernland über - mit Gewalttaten von Arabern gegen Juden und umgekehrt.

dpa

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