USA
Nach Krach mit Trumps Schwiegersohn: Bannon wollte den Bettel hinschmeissen

Donald Trumps «Chefideologe» Steve Bannon verliert im Weissen Haus an Einfluss. Er soll mit Rücktritt gedroht haben. Profiteure des Machtkampfes sind die «Realpolitiker» um Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Peter Blunschi
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Steve Bannon und Jared Kushner im Oval Office.

Steve Bannon und Jared Kushner im Oval Office.

Keystone

Ein Personalentscheid versetzte am Mittwoch die Washingtoner Politszene in Aufregung. Steve Bannon, der Chefstratege und «Einflüsterer» von US-Präsident Donald Trump, musste seinen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat räumen. Trumps Entscheidung, den Ultranationalisten in dieses strategisch wichtige Gremium aufzunehmen, hatte Ende Januar für heftige Kritik gesorgt.

Nun werden Details zu diesem überraschenden Schritt publik. Sie deuten auf einen Machtkampf im ohnehin von Chaos geprägten Weissen Haus hin. Dabei sollen sich die «Realpolitiker» um Trumps neuen Sicherheitsberater H.R. McMaster und Jared Kushner, den Schwiegersohn des Präsidenten, gegen Bannons «Ideologen» durchsetzen.

Donald Trump und sein Sicherheitsberater H.R. McMaster.

Donald Trump und sein Sicherheitsberater H.R. McMaster.

Keystone

Zwischen Bannon und Kushner soll es zunehmend gekracht haben, berichtet die stets gut informierte Website Politico mit Berufung auf mehrere Personen aus dem Umfeld des Präsidenten. Der Ehemann von Ivanka Trump soll demnach als Chefberater eine immer wichtigere Rolle spielen. Die «New York Times» bezeichnet Kushner als eine Art «Schatten-Aussenminister».

Der Einfluss der Geldgeberin

Steve Bannon soll sich beschwert haben, dass Kushner und seine Verbündeten seine populistische Agenda untergraben würden, schreibt Politico. Er habe deswegen den Bettel hinschmeissen wollen. Rebekah Mercer, eine grosse Geldgeberin der Republikaner und langjährige Bannon-Vertraute, habe ihn überredet, auf seinem Posten auszuharren.

Mercer und ihr Vater Robert, ein Hedgefonds-Milliardär, haben der Partei nicht nur Millionen gespendet. Rebekah Mercer ist auch eine bedeutende Investorin beim Rechtsaussen-Portal Breitbart, das von Bannon geleitet wurde, und bei der umstrittenen Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica. Sie habe Bannon zu überzeugen versucht, dass es sich um «ein langfristiges Spiel» handle, sagte ein führender Republikaner.

Bannon bezeichnete die Rücktrittsdrohung gegenüber Politico als «totalen Unsinn». Es gibt jedoch Hinweise, dass er zunehmend frustriert ist über seine Rolle im Weissen Haus und den schwindenden Einfluss auf Donald Trump. So soll er wiederholt bei Sitzungen gefehlt haben. Auch gegen seinen Rauswurf aus dem Sicherheitsrat habe er sich gewehrt und erneut mit Rücktritt gedroht, berichten Politico und «New York Times».

Trump unzufrieden mit Bannon

Auch Donald Trump selbst soll mit seinem umstrittenen Chefstrategen unzufrieden sein. Er macht ihn gemäss den US-Medien verantwortlich für die negative Berichterstattung und für diverse Fehlschläge, insbesondere die von der Justizkassierte Einreisesperre für Muslime aus mehreren Ländern und den gescheiterten Angriff auf Obamacare.

Der wachsende Einfluss der «Realos» dürfte Trumps Politik berechenbarer machen. Eine Marginalisierung von Bannon bedeutet für den Präsidenten aber ein Risiko. Er braucht dessen nationalistische, einwanderungsfeindliche Fangemeinde. Mit deren Hilfe hat er die Wahl gewonnen. Angesichts seiner tiefen Beliebtheitswerte braucht er sie sogar mehr denn je.

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