Türkei - Deutschland
Nach einem Jahr Haft in der Türkei ist der deutsche Journalist Deniz Yücel wieder frei

Die Freilassung von Deniz Yücel wurde von einem türkischen Gericht nach der Vorlage einer Anklageschrift durch die Staatswaltschaft angeordnet. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

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Die Inhaftierung Yücels war der grösste Streitpunkt im Verhältnis zwischen Deutschland und Türkei. (Archivbild)

Die Inhaftierung Yücels war der grösste Streitpunkt im Verhältnis zwischen Deutschland und Türkei. (Archivbild)

Keystone/DPA dpa-Zentralbild/Z5006/_KARLHEINZ SCHINDLER

Demnach legte die Istanbuler Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vor, in der 18 Jahre Haft für den «Welt»-Korrespondenten gefordert würden. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und Yücel dann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Nach Angaben seines Anwalts verfügte ein Gericht in Istanbul am Freitag seine Freilassung für die Dauer des Verfahrens. Eine Ausreisesperre wurde der «Welt» zufolge nicht verhängt.

Die Inhaftierung Yücels war der grösste Streitpunkt im Verhältnis zwischen Deutschland und Türkei. Noch am gestrigen Donnerstag hatte Bundeskanzlerin Merkel den türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim darauf hingewiesen, «dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat».

Yildirim, der in Deutschland zu Besuch war, äusserte daraufhin erneut die Hoffnung auf einen baldigen Gerichtsprozess. Mit Blick auf die lange Inhaftierung Yücels sagte Yildirim, die Gerichte seien besonders seit dem Putschversuch vom Juli 2016 überlastet.

Noch über 100 Journalisten hinter Gittern

Auch nach Yücels Freilassung sind in der Türkei immer noch mehr als 100 Journalisten inhaftiert. Die Berichte und Kommentare seien der türkischen Regierung offensichtlich ein Dorn im Auge, sagte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, am Donnerstag.

Er rief die Regierungen aller Länder dazu auf, deren «umgehende Freilassung einzufordern und die Türkei an die Einhaltung der Pressefreiheit zu erinnern». Die freie Presse sitze in der Türkei in Haft. (mlu/aeg)

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