Deutschland
Mögliche Merkel-Nachfolgerin: AKK – ein Name wie ein Maschinengewehr

Nach ihrem Wahlerfolg im Saarland gilt Annegret Kramp-Karrenbauer bereits als potenzielle Kanzlerin. Und das, obwohl Angela Merkel bei der Bundestagswahl dieses Jahr wieder antritt.

Dagmar Heuberger
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«Eigentlich recht gut befreundet»: Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer. Michael Sohn/keystone

«Eigentlich recht gut befreundet»: Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer. Michael Sohn/keystone

KEYSTONE

Sonntagabend kurz nach 18 Uhr: Die Prognose über den Ausgang der Landtagswahl im Saarland ist noch keine fünf Minuten alt, da macht das ZDF die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer schon zur potenziellen Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel. Und wenig später antwortet der saarländische Innenminister Klaus Bouillon nur vage auf die Frage, ob Kramp-Karrenbauer die gesamte fünfjährige Amtsperiode in Saarbrücken bleiben oder allenfalls nach Berlin gehen werde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Saarländerin als Favoritin für die Merkel-Nachfolge genannt wird. Zudem war sie als mögliche Bundespräsidentin im Gespräch. Kramp-Karrenbauer gilt denn auch als Vertraute der Kanzlerin; Merkel kann sich auf ihre Loyalität verlassen. «Annegret und ich, wir sind eigentlich im Grundsatz recht gut befreundet, darf ich so sagen», meinte Merkel kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt im Saarland.

Annegret Kramp-Karrenbauer – kurz: AKK – ein Name wie ein Maschinengewehr, schreiben die deutschen Medien. Ein Name auch, der irgendwie an Kampf und Krampf erinnert. Tatsächlich wird die 54-Jährige mitunter als etwas spröde, kühl und sachlich beschrieben. Doch das ist wohl das Schicksal von Menschen – keineswegs nur Frauen! – die unaufgeregt, seriös und pragmatisch ihre Arbeit tun, statt ständig nach (Medien-)Aufmerksamkeit zu gieren. AKK und Merkel sind sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Hinter der Zurückhaltung verbirgt sich aber bei beiden ein humorvoller Charakter.

Die «Sahara-Koalition»

Von Merkel weiss man, dass sie im kleinen Kreis witzig und pointiert sein kann. Kramp-Karrenbauer lebt ihre heitere Seite offener aus: Seit Jahren tritt sie als «Putzfrau Gretel vom Landtag» im saarländischen Karneval auf. In karierter Schürze, mit Kopftuch und Besen macht sie sich über Politiker – sich selbst inbegriffen – lustig. Die Mehrheit der Saarländer wünsche sich eine «Sahara-Koalition» sagte sie in diesem Jahr: «Das ist die Regierungskoalition, wo du sie alle in die Wüste schicken kannst.»

Doch daraus wird nun nichts. Das Saarland wird auch in den kommenden fünf Jahren von einer Grossen Koalition aus CDU und SPD regiert werden – mit Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass AKK im Saarland ausserordentlich beliebt ist. Die Forschungsgruppe Wahlen hat für das ZDF ermittelt, dass 80 Prozent aller Saarländer der Ansicht sind, die Ministerpräsidentin mache ihre Sache gut. Bemerkenswert ist, dass jeweils auch knapp 80 Prozent der SPD-, der Grünen- und der FDP-Anhänger dieser Meinung sind. Und selbst bei den Linken und der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) hat AKK noch eine Zustimmung von 55 beziehungsweise 56 Prozent.

Überraschend sind diese Zahlen nicht, denn Kramp-Karrenbauer ist nah bei den Menschen, geht auf sie zu, hat keine Berührungsängste. In diesem Punkt unterscheidet sie sich eklatant von Merkel, die im Umgang mit Wählern stets zurückhaltend und reserviert bleibt. Vielleicht ist diese Offenheit eine Folge der Nähe des Saarlandes zu Frankreich. Das zweitkleinste deutsche Bundesland war nach dem Zweiten Weltkrieg ein französisches Protektorat und gehört erst seit 1957 zur Bundesrepublik Deutschland. Französisches Flair und «Savoir vivre» sind an der Saar immer noch spürbar und Kramp-Karrenbauer hat sogar eine «Frankreich-Strategie» lanciert, gemäss der das Saarland bis 2043 vollkommen zweisprachig werden soll.

Ehemann schmeisst den Haushalt

Kramp-Karrenbauer, die ursprünglich Hebamme oder Lehrerin werden wollte, hat eine geradlinige politische Karriere hingelegt. Sie studierte Politik- und Rechtswissenschaften. Schon 1981, als 19-Jährige, trat sie der CDU bei. Nach dem Studium wurde sie 1999 persönliche Mitarbeiterin des damaligen Ministerpräsidenten Peter Müller und schon ein Jahr später war sie Ministerin. 2011 folgte der Sprung an die Spitze: Sie wurde Regierungschefin, weil Müller als Richter ans Bundesverfassungsgericht ins Karlsruhe wechselte, und war damit Chefin der ersten schwarz-gelb-grünen Landesregierung in Deutschland. Doch schon 2012 liess sie – entgegen dem Wunsch Merkels – diese sogenannte Jamaika-Koalition platzen.

Seit 1984 ist Annegret Kramp mit Helmut Karrenbauer verheiratet. Das Paar hat drei Kinder. Der politischen Karriere seiner Frau zuliebe gab der Bergbauingenieur Karrenbauer seine eigene Karriere auf und kümmert sich als Hausmann um Kinder und Haushalt.

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