US-Wahlen
Mitt Romney: «Zu alt, zu weiss und zu männlich»

Die politische Karriere von Mitt Romney scheint nach den Wahlen zu Ende zu sein – auf die Republikaner wartet ein Bruderkrieg. Denn die Schuldzuweisungen unter den Republikanern begannen, als die Wahllokale noch offen waren.

Renzo Ruf, Washington
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Mitt Romney gratulierte dem Amtsinhaber Barack Obama zur Wiederwahl.

Mitt Romney gratulierte dem Amtsinhaber Barack Obama zur Wiederwahl.

Keystone

Am Dienstag wehrte sich Chris Christie, der beliebte Gouverneur des sturmgeplagten Bundesstaates New Jersey, öffentlich gegen den Vorwurf, er habe Fahnenflucht begangen – weil er übers Wochenende nicht an der Seite des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney Wahlkampf betrieben hatte.

Wer ihm vorwerfe, er sei illoyal, sei «ein Trottel», keilte Christie umgehend zurück. Er habe derzeit Besseres zu tun, als die parteipolitische Werbetrommel zu rühren: Schliesslich wurde die Atlantikküste seines Bundesstaates durch den Hurrikan «Sandy» mächtig durcheinandergewirbelt. Dazu muss man wissen: Christie stand lange ganz oben auf der Wunschliste Romneys für den Posten des Vizepräsidenten, den er dann aber in letzter Minute an Paul Ryan vergab – weil dessen finanzpolitische Vorstellungen an der Parteibasis auf grosse Zustimmung stiessen. Christie schaffte es derart weit nach oben, weil er bewiesen hatte, dass Konservative auch in demokratischen Stammlanden Wahlen gewinnen.

«Sandy» nahm Romney Wind weg

Doch dann hinterliess «Sandy» eine Spur der Verwüstung in New York und New Jersey; 110 Menschen starben. Und der Wahlkämpfer Chris Christie verwandelte sich in den Krisenmanager Chris Christie, der mit dem demokratischen Präsidenten Barack Obama an seiner Seite durch die verwüsteten Küstengebiete zog und die Menschen tröstete. Und «Sandy» nahm Romney massiv Wind aus den Segeln: Just in den letzten Stunden vor dem Wahltag drehte sich die Medienberichterstattung bloss noch ums Wetter. Politbeobachter unkten deshalb bereits am Wochenende, dass Romney die Luft ausgegangen sei. Das stimmt sicherlich. Vielleicht war das Rennen zu diesem Zeitpunkt aber auch bereits entschieden.

Zum einen, weil der 65-jährige Republikaner im Endspurt zu risikoscheu vorging. Nach seinem klaren Sieg in der ersten TV-Debatte gegen Präsident Obama agierte Romney in den beiden folgenden Fernsehduellen plötzlich wieder aus der Defensive. Während der Präsident auf Angriff schaltete, um verlorenen Boden gutzumachen, wirkte Romney vor den Kameras zahm. Und in seinem fieberhaften Endspurt kreuz und quer durchs Land zog er zwar Tausende von Anhängern an, aber er vermochte sie nie aus den Socken zu reissen: Weil er kein Programm vorlegte, sondern bloss Allgemeinplätze absonderte. Zum andern werden amerikanische Präsidentenwahlen nicht in Fernsehdebatten, sondern in erster Linie in den so genannten «Schlachtfeld-Staaten» gewonnen. Und dort verfügten die Demokraten schlicht über die besseren Ressourcen.

Schlicht zu rechts

Letztlich zeigt Romneys Niederlage aber auch auf, mit welchen Problemen die Republikanische Partei im Jahr 2012 zu kämpfen hat. Weil Romney im Vorwahlkampf deutlich nach rechts rücken musste, um die Aktivisten in erzkonservativen Landesteilen für sich zu begeistern, war er im Wahlkampf ums Weisse Haus für eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler schlicht zu rechts. Bevölkerungsgruppen, die eigentlich empfänglich für eine konservative Politik wären, fühlten sich dadurch abgestossen – in erster Linie die schnell wachsende Gruppe der Amerikaner mit hispanischen Wurzeln. Diese entschieden sich im Verhältnis 7 zu 3 für den Demokraten. Noch vor acht Jahren war es George W. Bush gelungen, mehr als 40 Prozent der Stimmen der Latinos zu gewinnen.

«Wir müssen unsere Wertvorstellungen besser kommunizieren», sagte deshalb der republikanische Senator Marco Rubio (41) aus Florida, der bereits als Anwärter auf das Weisse Haus im Jahr 2016 gilt. Die Republikanische Partei sei schlicht «zu alt, zu weiss und zu männlich», formulierte es der konservative Aktivist Al Cardenas. Politbeobachter stellen sich deshalb auf einen «Bruderkrieg» innerhalb der Republikanischen Partei ein, wie es Steve Schmidt formulierte, Wahlkampfmanager von John McCain im Jahr 2008. Romney wird in dieser Auseinandersetzung allerdings keine zentrale Rolle spielen: Er hatte bereits vor dem Wahltag angekündigt, dass er sich im Fall einer Niederlage aus der Politik zurückziehen werde.

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