Paris
Mit Tränengas gegen Menschenketten und Schuhe

Am Sonntag knallte es in Paris wieder. Es waren jedoch keine Terroranschläge, sondern Schreckgranaten der Polizei und Knallkörper vermummter Umweltaktivisten. Bei den Protesten für mehr Klimaschutz kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Stefan Brändle, Paris
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Konfrontation: Polizisten und Klimaschützer in Paris.

Konfrontation: Polizisten und Klimaschützer in Paris.

KEYSTONE

Bei der Place de la République setzte die Polizei Tränengas ein, um die Demonstranten zu vertreiben. In mobilen Einsatztrupps vertrieb die Polizei immer wieder Demonstranten vom Platz.

Zuvor hatten bis zu 10'000 Menschen eine friedliche Menschenkette gebildet, um sich für ein ambitiöses Klimaabkommen an der Klimakonferenz einzusetzen.

Nach den Terroranschlägen hatte die französische Regierung aufgrund des nationalen Ausnahmezustandes auch sämtliche Klimademonstrationen untersagt. Bei einer Menschenkette in der Provinzstadt Nantes flachste ein älterer Teilnehmer: «Es ist ja nicht verboten, händchenhaltend den Weihnachtsmarkt zu besuchen.»

Schärfere Kritik am «offensichtlichen Missbrauch» des Ausnahmegesetzes übte die «Coalition climat 21», ein Verbund von 130 Umweltorganisationen. Er erklärte, die Polizeimassnahmen verhinderten, dass genügend Druck auf die Konferenz ausgeübt werden könne.

Der französische Zoll hatte nach eigenen Angaben 1000 Personen die Einreise nach Frankreich verweigert. Ungesagt blieb, wieweit Terrorverdächtige oder militante Klimaschützer betroffen sind.

Joël Domenjoud, ein Rechtsexperte der «Coalition», berichtete stellvertretend für viele Aktivisten, er sei mit Hausarrest belegt worden und müsse sich dreimal am Tag bei dem nächsten Polizeiposten melden.

Um sich trotzdem bemerkbar zu machen, liessen sich Ökoverbände in Paris zahlreiche Aktionen einfallen. Auf der Place de la République deponierten sie Tausende von Schuhen, darunter auch des Papstes und des UNO-Generalsekretärs, um den verhinderten Klimamarsch zu ersetzen.

Am Nachmittag wurden die Schuhe zum Teil als Wurfgeschosse eingesetzt.

Verhandlungen bereits begonnen

In Le Bourget nördlich von Paris nahmen Tausende von Delegierten bereits gestern Sonntag – einen Tag früher als geplant – die Verhandlungen über das geplante Klimaabkommen auf.

Der französische Präsident François Hollande empfing UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon im Élysée-Palast und appellierte an die Konferenzteilnehmer, ein «verbindliches» Abkommen zu schliessen. Sonst werde es «nicht glaubwürdig» sein, mahnte der französische Präsident, nachdem er in den letzten Wochen mehrfach erklärt hatte, ohne verbindliche Wirkung werde es gar kein Abkommen geben.

Aus Konferenzkreisen verlautete, in dem 50-seitigen Schlussdokument seien noch mehrere hundert Passagen offen. Umstritten ist sogar, ob es als «Vertrag» bezeichnet werden soll. Die amerikanische Delegation lehnt dies ab.

Sie stellt sich auf den Standpunkt, nur der US-Senat könne verbindliche Klimazusagen beschliessen. Angestrebt wird ein Abkommen mit Massnahmen, die die Erderwärmung bis zum Jahrhundertende auf zwei Grad limitieren sollen.

Heute Montag werden bis zu 150 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Paris erwartet. Darunter die Chefs aller Grossmächte.

Um sie von den beiden Pariser Flughäfen Roissy und Orly rasch in ihre Botschaften und an die Klimakonferenz transportieren zu können, wird die Polizeipräfektur der Hauptstadt mehrere Autobahnzubringer und Pariser Verkehrsachsen schliessen.

Hunderttausende von Berufspendlern wurden aufgefordert, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen. Am Wochenende hiess es gar, die Pariser sollten heute besser zu Hause bleiben.

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