Triebwerk-Explosion
Mit kühlem Kopf notgelandet: Tammie Shults ist die Heldin von Flug 1380

Die Pilotin Tammie Jo Shults hat nach einer Triebwerk-Explosion den Southwest-Flug 1380 in Philadelphia notgelandet und vielen Menschen das Leben gerettet. Die 56-Jährige blieb in der heiklen Situation ruhig, wie ein Funkspruch zeigt. Shults arbeitete früher für die US-Armee. Sie war eine der ersten Kampfjetpilotinnen.

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Tammie Jo Shults (links) mit einer ehemaligen Klassenkollegin.

Tammie Jo Shults (links) mit einer ehemaligen Klassenkollegin.

Facebook/MidAmerica Nazarene University Alumni & Friends

Tammie Jo Shults hat den wohl schwierigsten Flug ihres Lebens hinter sich. Die Southwest-Pilotin musste die Boeing 737, die sie von New York nach Dallas flog, in Philadelphia notlanden. Grund war ein Triebwerk, das in rund 9000 Metern Höhe explodierte und ein Fenster zerstörte.

Mit der Notlandung von Flug 1380 rettete Shults 148 Menschen das Leben. Sie leitete einen kontrollierten Sturzflug ein, das Flugzeug sank innert fünf Minuten auf 3000 Meter Höhe. Eine Passagierin überlebte den Unfall nicht: Sie wurde fast aus dem geborstenen Fenster gerissen. Obwohl Passagiere sie zurück auf den Sitz zerrten und sie reanimiert wurde, verstarb sie. Sieben weitere Menschen wurden leicht verletzt.

Die beschädigte Boeing 737 in Philadelphia.
11 Bilder
Der Flieger war unterwegs von New York nach Dallas und musste in Philadelphia notlanden.
Heldin von Flug 1380: Pilotin Tammie Jo Shults rettete vielen Menschen mit ihrer Notlandung das Leben. (Archiv)
Shults war einst eine der ersten Kampfjetpilotinnen der USA. (Archiv)
Triebwerks-Trümmer.
Mitglieder der nationalen Transportsicherheitsbehörde untersuchen die Fliegerteile.
Das völlig zerstörte Triebwerk.
Die Explosion des Triebwerks zerstörte ein Fenster des Flugzeugs.
Eine Frau kam beim Unfall ums Leben.
Marty Martinez (links) filmte die Notlandung aus dem Innern des Flugzeugs.
Triebwerkschaden Southwest Airlines

Die beschädigte Boeing 737 in Philadelphia.

David Maialetti

Die Fluggesellschaft bestätigte Shults' Name nicht, aber Passagiere identifizierten sie als Pilotin. In den Sozialen Medien erhält die 56-Jährige viel Lob für ihre Leistung. «Die Pilotin war fantastisch. Gott sandte und Engel, um über uns zu wachen», schreibt ein Fluggast auf Instagram. «Sie kam nach hinten und sprach mit allen persönlich. Sie ist wahrhaft eine amerikanische Heldin», meint eine Passagierin auf Facebook.

Die Funksprüche zwischen Shults und der Luftverkehrskontrolle in Philadelphia zeigen, wie ruhig sie während der Notsituation blieb. Der US-Sender NBC machte die Kommunikation öffentlich. «Uns fehlt ein Teil des Flugzeugs. Wir müssen die Geschwindigkeit ein wenig senken», sagt Shults. Ausserdem bestellt sie ein Ärzteteam auf die Rollbahn für die verletzten Passagiere.

Eine der ersten Kampfjetpilotinnen

Shults hat viel Erfahrung als Pilotin. Sie war unter den ersten weiblichen Kampfjetpiloten der US-Navy. Später wurde sie Instruktorin. Das berichtet der «Kansas City Star» und bezieht sich auf die Angaben von Shults' Freunden und ihrer Alumni-Gruppe der Universität MidAmerica Nazarene in Olathe, Kansas. Dort schloss sie in Biologie und Agrar- und Ernährungswirtschaft ab. Danach stieg sie in die Fliegerei ein. 1993 wechselte sie vom Militär zu Southwest Airlines. Auch die Universität zeigt sich auf Facebook stolz über die heldenhafte Tat von Shults.

Bei der Navy habe sie viel Widerstand wegen ihres Geschlechts erfahren, sagt eine ehemalige Studienkollegin. Sie habe das Fliegen immer geliebt und stiess zur Navy, nachdem die Air Force sie abgelehnt hatte. Sie wollte laut «heavy.com» bereits an der High School einen Aviatik-Informationstag besuchen, durfte aber nicht, weil sie ein Mädchen war.

Die frühere Navy-Pilotin Shults (rechts).

Die frühere Navy-Pilotin Shults (rechts).

Twitter

Ein Uni-Mitarbeiter erinnert sich an eine Rede, die Shults letzten Frühling auf dem Campus hielt: Sie habe sich für mehr Diversität stark gemacht und Frauen ermutigt, in männer-dominierte Branchen vorzudringen.

Shults hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Mann, ebenfalls Pilot, in Texas. Ihr Schwager sagt über sie, sie sei extrem clever. Ausserdem sei sie liebevoll: «Sie ist eine fürsorgliche Person, die sich um viele Menschen kümmert.»

(mwa)