First Lady
Melania Trump: Stilikone für die einen – verhasst bei den anderen

Die Ehefrau von Donald Trump war sich in der Rolle der First Lady nicht wohl und zeigte sich nur selten in der Öffentlichkeit. Zur Versöhnung des Landes konnte sie nicht beitragen. Auch, weil sie nie eine Chance bekam.

Renzo Ruf aus Washington
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Geliebt und verhasst - genau wie ihr Mann: Donald Trumps Ehefrau Melania.

Geliebt und verhasst - genau wie ihr Mann: Donald Trumps Ehefrau Melania.

Chris Kleponis / Pool / EPA

Sie blieb sich treu, bis zur buchstäblich letzten Minute. Als eine ihrer letzten Amtshandlungen, wenn man denn im Zusammenhang mit der First Lady, der Präsidentengattin, wirklich von einem Amt sprechen kann, veröffentlichte Melania Trump diese Woche ein Video.

In einer fast sieben Minuten langen Botschaft rief die Frau von Donald Trump den Amerikanerinnen und Amerikanern in Erinnerung, dass sie in den vergangenen Jahren unter dem Motto «Be Best» – was sich auf Deutsch auch mit «Zeig' dich von deiner besten Seite» übersetzen lässt – versucht habe, den Zeitgeist positiv zu beeinflussen. Folgerichtig schlug die 50 Jahre alte Melania Trump in ihrer Abschiedsrede konziliante Töne an und sagte: «Zieht immer Liebe dem Hass vor, Frieden der Gewalt» und seit selbstlos.

Mindestens die Hälfte ihrer Mitbürger reagierte wie die CNN-Moderatorin Brooke Baldwin, als sie dieses Video sah und sagte: «Sie machen wohl Witze!» Vielleicht griffen diese Amerikanerinnen gar auf stärkere Worte zurück. Denn natürlich steht diese Botschaft im Widerspruch zu der Regierungszeit ihres Gatten. Auch wenn der 45. Präsident sich seit seiner Wahlniederlage im vergangenen November nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt hatte; sein Vermächtnis wird es sein, dass er vom Weissen Haus aus das Fundament zerstören wollte, auf dem die amerikanische Republik steht.

Stilikone fürs rechte Amerika: Melania Trump mit Ehemann Donald.

Stilikone fürs rechte Amerika: Melania Trump mit Ehemann Donald.

Michael Reynolds / EPA

Fairerweise muss man sagen: In diesem Amerika, das wir der Einfachheit halber das «blaue», linke, Amerika nennen können, gab Melania Trump nie eine Chance. Allein die Tatsache, dass die gebürtige Jugoslawin aus dem heutigen Slowenien mit Donald Trump verheiratet war, machte sie bereits zu einer Persona non grata – einem Menschen, mit dem man nichts zu tun haben will.

Melania war stets loyal zu ihrem Mann

Weil Melania ihrerseits kein Interesse daran hatte, ihrem umstrittenen Gatten in den Rücken zu fallen, und seine zahlreichen Fehltritte öffentlich zu kommentieren oder zu verurteilen, sah das linke Amerika keine Veranlassung, die Meinung zu ändern. Dazu passt, dass sich Trump weigerte, das Gespräch mit ihrer «Nachfolgerin» zu suchen, und Jill Biden nicht einmal telefonisch kommunizierte.

Die spärlichen Auftritte Melania Trumps als «First Lady» wurden deshalb im besten Fall ignoriert – auch weil Präsidententochter Ivanka (39) ständig versuchte, sie aus dem Spotlicht zu verdrängen. Oder sie wurden verspottet, weil Trump doch immer mit zu viel Schein und zu wenig Sein aufwartete. Diese Kritik war nicht immer fair. So kann man von Melania Trump halten, was man will, aber wenn sie Verabredungen wahrnahm, die in der Tradition ihrer Vorgängerinnen standen, dann verbreitete sie Freude. So besuchte sie kurz vor Weihnachten ein Kinderspital in Washington, las den jungen Patientinnen und Patienten eine Geschichte vor und spielte eine Runde Bingo.

Das «rote», rechte, Amerika wiederum sah sich bestätigt, wenn sich Moderatorinnen eines Nachrichtensenders verächtlich über Melania Trump äusserten. Und die Frau, die auch nach 25 Jahren in Amerika immer noch mit einem starken Akzent spricht und nicht gerade dem Idealbild einer Konservativen entspricht – so zirkulieren immer noch Nacktbilder aus den Neunzigerjahren, als sich Trump ihr Geld als Fotomodell verdiente –, wurde zu einer Stilikone für Trump-Anhänger. Männer wie Frauen zeigten sich begeistert über die kühle Eleganz der «First Lady».

Am Ende bleibt das Fazit, dass sowohl Herr als auch Frau Trump das Land tief spalteten: Wer ihn liebt, und das sind immer noch Millionen von Amerikanern, liebte auch sie. Und wer Donald hasst, will auch von Melania nichts wissen, «Be Best» hin oder her.