Hurrikan Irma
Massenflucht vor der drohenden Verwüstung: Florida rennt gegen die Zeit an

Hurrikan «Irma» trifft heute auf Florida. Millionen von Menschen versuchen der Gefahr zu entkommen.

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Unterwegs zum sturmsicheren Schlafplatz: Ein Mann quartiert sich an der Florida International University ein. Keystone

Unterwegs zum sturmsicheren Schlafplatz: Ein Mann quartiert sich an der Florida International University ein. Keystone

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Die Furcht vor Wirbelsturm «Irma» hat in Florida eine Massenflucht ausgelöst. Die Behörden in dem als Touristen- und Rentnerparadies bekannten US-Bundesstaat forderten gut ein Viertel der rund 20 Millionen Einwohner auf, die Gefahrenzonen zu verlassen.

Weil sich auf den Autobahnen Staus bildeten und einigen Tankstellen der Sprit ausging, wurde diese beispiellose Evakuierung zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Es wurde damit gerechnet, dass der Jahrhundertsturm am Sonntagmorgen (Ortszeit) zuerst auf die Inselkette der Florida Keys trifft.

Menschen, die evakuiert werden und Schutz suchen in der Florida International University.
31 Bilder
Jacksonville Beach: Hurrikan Irma ist noch nicht in Florida angekommen, aber lange dauert es nicht mehr.
Der US 1 Highway - von hier verlassen Bewohner die Florida Keys.
Menschen in einer Notunterkunft in West Boynton Park, Florida.
Menschen in einer Notunterkunft in West Boynton Park, Florida. Auch dieses junge Mädchen hat mit ihrer Familie hier Schutz gesucht.
Ein Pelikan im Zoo von Miami, in einem Gebäude, in dem er nich evakuiert werden muss.
Ein Gruppe Flamingos im Zoo von Miami - auch sie bleiben hier, während Irma vorüberzieht.
Der Rickenbacker Causeway in Miami.
Impressionen aus einer Notuntrerkunft in Boynton, Florida.
Die leere I-95 in der Nähe des Hallandale Beach Boulevards. I-95 is clear of traffic near Hallandale Beach Blvd. as people prepare for Hurricane Irma on Saturday, Sept. 9, 2017 in Hallandale, Fla. ( Mike Stocker/South Florida Sun-Sentinel via AP)
Aaron Blair macht sich auf in die Notunterkunft in Miramar.
Menschen, die evakuiert werden und Schutz suchen in der Florida International University.
Anna Leanaz trägt eine Matratze und macht sich auf zu einer Notunterkunft.
Auch er will in dieselbe Notunterkunft.
Blick auf das Meer am Rickenbacker Causeway in Miamai.
Impressionen aus Clearwater Beach.
Impressionen aus Clearwater Beach.
Impressionen aus dem Zoo Miami.
Florida vor der Ankunft von Hurrikan Irma
Evakuierte suchen Schutz in einem Gebäude der Florida University.
Evakuierte suchen Schutz in einem Gebäude der Florida University.
Netpune Beach in Florida - der bewölkte Himmel scheint den Sturm anzukündigen.
Ein Mann auf dem US 1-Highways. Er verlässt die Florida Keys wegen Hurrikan Irma.
South Beach (Florida) am Samstagmorgen. Die Behörden raten den Einwohnern dringend, die Gegend zu verlassen.
Nicht alle Bewohner flüchten aus Florida.
In Forest Park, südlich von Atlanta, rollt die Blechlawine Richtung Norden auf der Flucht vom nahenden Hurrikan Irma.
In Miami, Florida bereitet sich die Bevölkerung auf die Ankunft von Hurrikan Irma vor. Dieser Ladeninhaber versucht, sein Geschäft mit Holzbrettern vor dem Sturm zu sichern.
Auch in Daytona Beach, Florida treffen die Menschen Vorkehrungen für den Mega-Sturm.
Menschen verlassen mit ihren Autos die Florida Keys. Sie fürchten die Ankunft von Hurrikan Irma, die für Samstag erwartet wird.

Menschen, die evakuiert werden und Schutz suchen in der Florida International University.

David Goldman

Auf dem Weg dorthin hinterliess «Irma» in der Karibik eine Spur der Verwüstung; mehr als 20 Menschen kamen ums Leben. Mit rund 250 Kilometern pro Stunde fegte «Irma» zuletzt über Kuba hinweg. «Uns läuft die Zeit davon», warnte der Gouverneur von Florida, Rick Scott. Wer in der Evakuierungszone lebe, müsse jetzt dringen gehen. «Einen so katastrophalen Sturm hat unser Bundesstaat noch nie erlebt.» Experten gingen davon aus, dass Winde und Überschwemmungen massive Schäden in dem nach Bevölkerungszahl viertgrössten US-Bundesstaat anrichten werden.

Für die gesamte Südküste Floridas, vom Atlantik bis in den Golf von Mexiko, galt eine Warnung vor bis zu drei Meter hohen Wellen. Unter Hochdruck brachten die Behörden dort ältere Bürger in Sicherheit. Rund neun Millionen Menschen müssten wegen des Sturms mit zum Teil wochenlangen Stromausfällen rechnen, teilte der Versorger Florida Power & Light mit.

«Irma» bringt Notstand

«Irma» traf am frühen Samstagmorgen in Kuba auf Land. Der Hurrikan der Kategorie fünf – der höchsten Stufe – schwächte sich etwas ab, als er an der Nordküste der Insel entlang zog und sich in Richtung Florida bewegte. Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) in Miami stufte den Sturm am Samstag in die Kategorie 3 der fünfstufigen Skala hinab. Die Meteorologen rechneten aber damit, dass der Wirbelsturm über dem Meer wieder an Stärke zunimmt.

Umgeknickte Strommasten waren auf Bildern aus Kuba zu sehen, die die Bewohner von Florida ahnen liessen, was auf ihre Heimat zukommt. TV-Sender zeigten umgestürzte Palmen, Starkregen aus tiefgrauem Himmel sowie riesige Wellen, die auf Dämme krachten.

Das Ausmass der Zerstörung auf Kuba war zunächst unklar. «Ich habe ja schon viele Tropenstürme erlebt», sagte eine Hotel-Angestellte in der nordkubanischen Stadt Remedios. «Aber keiner ist wie dieser hier.»

Nachdem erst kürzlich der Hurrikan «Harvey» 60 Menschen das Leben gekostet hatte und Schäden von bis zu 180 Milliarden Dollar angerichtet hatte, riefen die US-Behörden wegen «Irma» erneut den Notstand aus. Modelle des NHC sehen «Irmas» Zug bis hinauf nach Atlanta reichen. In seiner Folge werden Überflutungen auch an den Küsten Georgias sowie South und North Carolinas erwartet.

Seit 1851 wurden die USA erst drei Mal von einem Hurrikan der höchsten Stufe getroffen. Zudem ist «Irma» laut Katastrophenschutz deutlich grösser als «Andrew», der 1992 als bislang letzter Sturm der Kategorie fünf die USA traf. US-Präsident Donald Trump sprach von einem «absolut historischen Zerstörungspotenzial». Auch sein eigenes Anwesen in Florida, Mar-a-Lago, musste evakuiert werden.

Auf südwestlich von Florida gelegenen Karibikinseln wie Barbuda, St. Martin und den Virgin Islands brachte «Irma» bereits zahllose Häuser zum Einsturz. Allein in den französischen Überseegebieten Saint Martin und Saint Barthélemy hat der Sturm nach Einschätzung von Experten Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Den Bewohnern der Karibikinseln blieb nach «Irma» nur eine kurze Verschnaufpause. Mit dem nächsten Wirbelsturm «José» kam auf die Region schon am Samstag ein Hurrikan mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometer pro Stunde zu. (sda)