Gipfel in Singapur
Körpersprache-Experte über Trump und Kim: "Der Grosse wie der Vater, der Kleine wie der Sohn"

Der Singapur-Gipfel ist Geschichte. Kaum jemand lobt die Ergebnisse so sehr wie Trump. Und auch Kim gibt sich ziemlich zufrieden. Aber was ist die zweiseitige Vereinbarung tatsächlich wert?

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Gipfel in Singapur – die besten Bilder Ein historisches Treffen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Capella Resort auf Sentosa Island am 12. Juni 2018.
18 Bilder
Die letzten Schritte vor dem historischen Handschlag.
Kim scheint den Arm etwas weiter auszustrecken...
Der Blick auf Details, wie hier auf die Schuhe des nordkoreanischen Präsidenten, kann interessant sein.
Der historische Handschlag zwischen Trump und Kim   
Und schon tauschen Kim Jong Un und Donald Trump Freundlichkeiten aus.
Aufstellen für die Presse - auch das gehört dazu.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Trump treten nach einem Vier-Augen-Gespräch vor die Medien.
Nach dem Arbeitslunch laufen Trump und Kim durch den Hotel-Garten.
Gipfel in Singapur – die besten Bilder
Eine Geste an die Fotografen.
An diesem Tisch unterzeichnen die beiden eine Vereinbarung.
Sie haben sich zu einer vollständigen Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekannt.
Trump ist bereit, dem isolierten Staat Sicherheitsgarantien zu gewährleisten.
Die beiden Politiker bekundeten auch ihren Willen, eine dauerhafte Friedensordnung für Korea zu schaffen.
Zum Abschluss: Nochmals ein Händedruck und ein Lächeln für die Medien.
Freundliche Gesten gehören an diesem Tag dazu.
Kim Jong Un kann sich über das Resultat des Gipfels mit Donald Trump freuen.

Gipfel in Singapur – die besten Bilder Ein historisches Treffen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Capella Resort auf Sentosa Island am 12. Juni 2018.

Kevin Lim

Trump geht auf jeden los, der ihm widerpricht. Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau nannte er jüngst per Tweet "unehrlich und schwach", nachdem dieser in einer Pressekonferenz angekündigt hatte, sein Land werde sich im Handelsstreit nicht von den USA herumschubsen lassen. Der autokratisch regierende Kim macht mit Gegnern nicht viel Federlesens. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes liess er 2015 seinen Verteidigungsminister wegen Untreue und Respektlosigkeit mit Flak-Kanonen hinrichten.

Der australische Experte für Körpersprache Allan Pease hat sich die 13 Sekunden genau angeschaut, während die beide ihre Hände schüttelten. "Das war kein normaler Händedruck", analysiert Pease. "Das ging rauf und runter, es war wie ein Drängeln." Jeder habe versucht, den anderen etwas näher an sich heranzuziehen. Keiner habe zulassen wollen, dass der andere aus dieser Kraftprobe als Sieger hervorgehe.

"Fast knochenbrechender Händedruck"

Die Unternehmensberaterin der Singapurer Zweigstelle von Influence Solutions, Karen Leong, kommt wie Pease zu dem Schluss, dass sich auch im Nonverbalen das Ringen darum zeigt, wer das Sagen hat: "Wenn die ihre Hände drücken, färben sich die Fingerspitzen weiss - die beiden Jungs sind Alpha-Männchen." Sie erläutert: "Beide wollen ihre Dominanz unter Beweis stellen, deswegen der fast knochenbrechende Händedruck."

Leong kommt zu dem Schluss, dass beide Männer trotz allem Bemühen, die Überlegenheit über den anderen zu demonstrieren, ihre Nervosität nicht vollständig überdecken konnten. Beim Foto-Termin in der Hotel-Bibliothek vor Beginn der Gespräche habe der US-Präsident ein schiefes Lächeln aufgesetzt, sagt Leong. Ausserdem habe er mit seien Händen rumgefuchtelt. Kim habe dagegen zeitweise auf den Boden gestarrt.

"Trump ist ein Spieler, und er setzt jetzt darauf, Nordkorea in die Schranken weisen zu können wie ein ungezogenes Kind", sagt Leong. Ihrer Ansicht nach ist die Ausgangslage für Kim besser, wenn es darum geht, einen Erfolg zu verbuchen. Denn der Repräsentant eines international weitgehend isolierten und mit immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ringenden Staates habe durch das Treffen auf Augenhöhe mit dem Präsidenten der Supermacht USA schon ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Der 71 Jahre alte Trump ist dem 34 Jahre alten Kim im Wissen über die Macht von Bildern und Videos weit voraus. Der US-Immobilienmilliardär hat in TV-Shows mitgemacht und ist spätestens seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf fast dauernd in den Medien präsent. Kim stützt sich dagegen in Nordkorea auf staatstreue Medien. Dort werden unbeholfene Auftritte nicht gesendet, Kritik am obersten Führer kommt nicht vor. Rein physisch ist Trump zudem im Vorteil. Der US-Präsident ist gut einen Kopf grösser als Kim und fällt allein deswegen mehr auf.

Trump beherrscht Situation

Aus Sicht von Pease spielte Trump seine Routine aus, als er vor unzähligen Kameramännern und Fotografen zusammen mit Kim über den Aussenbereich des Hotels zur Bibliothek ging, wo die eigentlichen Verhandlungen starten sollten. Trump habe die Anspannung aus der Begegnung nehmen wollen, indem er mit dem nordkoreanischen Anführer geplaudert habe. Zudem habe er Kim gewissermassen den Vortritt gelassen, indem er ihn etwas vor ihm habe gehen lassen. Allerdings habe er die Situation auch beherrscht, indem er Kim die Hand auf die Schulter gelegt und ihn in den Verhandlungsraum gelenkt habe.

Kim habe Trump auch berührt, um ein nonverbales Zeichen der Dominanz zu setzen, sagt Pease. Aber er habe auf den Boden geschaut und nur manchmal während des Gesprächs aufgeschaut. "Trumps Worte waren versöhnlich, fast demütig", erklärt der Experte. "Aber seine Körpersprache signalisiert ganz klar 'Ich habe hier das Sagen'." Er bringt seine Beobachtungen auf den Punkt: "Wenn du nicht weisst, wer die beiden sind, würdest du sagen, der Grosse ist der Vater und der Kleine ist der Sohn."

Impressionen aus Pyongyang, der Hauptstadt von Nordkorea, am Tag des Gipfels in Singapur. Männer stossen ihre Fahrräder über eine Strasse.
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Leute überqueren eine Strasse in der Hauptstadt Nordkoreas.
Leute warten an einer öV-Haltestelle.
Ein Velofahrer radelt an einem Bild der ehemaligen Führer des Landes, Kim Il-sung und Kim Jong Il, vorbei.
Ein Mann läuft unter einer Brücke durch.
Bewohner von Pyongyang an einer U-Bahn-Station.
Passanten laufen an Zeitungsbildern vorbei, die ihren Führer Kim Jong Un in Singapur zeigen.
Eine Kellnerin serviert einen Hamburger in einem beliebten Coffee Shop in Pyongyang.
Menschen in einem öffentlichen Bus.
Menschen schauen auf einen grossen Bildschirm.
Auf dem Bildschirm ist Kim Jong Un in Singapur zu sehen.

Impressionen aus Pyongyang, der Hauptstadt von Nordkorea, am Tag des Gipfels in Singapur. Männer stossen ihre Fahrräder über eine Strasse.

Dita Alangkara

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