US-Wahlen
Konservativ und machthungrig: Kann Vizepräsident Mike Pence Trump bändigen?

Mike Pence ist der konservativste Vizepräsident seit 40 Jahren. Sein Vorbild ist Bushs Vize Cheney. Das zeigt: Pence will Macht. Wird er zum Trump-Bändiger?

Samuel Schumacher
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Trumps Vize Mike Pence.

Trumps Vize Mike Pence.

AP

Sein Amt sei «das unbedeutendste, das die Menschheit je erfunden hat», monierte John Adams, der erste Vizepräsident der USGeschichte. Franklin Roosevelts Nummer 2 John Gardner sagte gar, sein Job sei «kaum einen Kübel warmer Pisse» wert. Und Harry Truman sagte über seine Zeit als Vize, er habe nicht viel mehr getan, als an Beerdigungen und Hochzeiten teilzunehmen.

Die Klagen der drei Herren zeigen: Das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten ist per se relativ bedeutungslos. Laut der Verfassung besteht es vor allem aus zwei Aufgaben: Erstens, das Tagesgeschäft im Senat zu leiten und bei einem Unentschieden zwischen den Parteien die entscheidende Stimme abzugeben. Und zweitens einzuspringen, wenn der Präsident sterben oder abtreten sollte (das geschah bisher immerhin 14-mal). Mehr ist nicht vorgesehen.

Gegen Schwule, für den Krieg

Was heisst das nun für Trumps Vizepräsidenten Mike Pence? Wird der 57-jährige ehemalige Gouverneur von Indiana die kommenden Jahre still im Kämmerchen sitzen und Trumps Regententum tatenlos zusehen? Nicht unbedingt. Denn Pence will ein aktiver Vize werden und über sein Pflichtenbuch hinaus Einfluss nehmen. Das zumindest deutete der frühere Anwalt und Radiomoderator an, als er kürzlich nach seinem Vorbild gefragt wurde: «Dick Cheney», sagte Pence.

Cheney, George W. Bushs Vize, gilt als die einflussreichste Nummer 2 der amerikanischen Geschichte. Cheney war enger Berater und Vertrauter von Bush. Die beiden assen jeden Donnerstag zu zweit Lunch. Und diese Berater-Mittagessen hatten es in sich. Ohne Cheneys Zutun – da sind sich die Experten einig – hätte Bush nie den Irakkrieg losgetreten.

Cheney aber ist Geschichte. Jetzt ist Pence an der Reihe. Und mit Trump hat der einen Chef, der als beratungsresistent gilt. Trump zu bändigen, das dürfte für Pence schwierig werden. Wahrscheinlicher ist, dass Pence zum «Troubleshooter in Chief» wird, der zwischen dem Senat und dem Weissen Haus vermittelt und Wogen glättet. Dass er ein guter Beschwichtiger ist, hat Pence im Wahlkampf bewiesen. Neben dem aufbrausenden Trump wirkte der gläubige Christ und dreifache Familienvater, der mehr als zehn Jahre im Repräsentantenhaus sass, wie ein halbheiliger Politengel.

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Doch hinter Mike Pence zurückhaltender Fassade verbergen sich knallharte Überzeugungen. Als Gouverneur von Indiana hat er strenge Anti-Abtreibungsregeln eingeführt und Gesetze verabschiedet, die Homosexuelle diskriminieren. Er hat sich gegen die Reduktion von CO2-Emissionen und für den Ausbau der Kohleindustrie eingesetzt und stimmte im Repräsentantenhaus für den Irakkrieg.

Wie gross oder klein Pences Einfluss auf Trumps Präsidentschaft also auch sein wird: Gemässigte Töne darf man aus dem Oval Office die kommenden vier Jahre nicht erwarten.

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Welche Rolle spielte Russland im Wahlkampf von Donald Trump? Dass es Kontakte gab, räumt die russische Regierung am Donnerstag, 10. November 2016, ein.
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Was ist Realität, was Fiktion? Bei Trump sind die Übergänge fliessend.
Geboren wurde er 1946 in New York. Sein Vater war, wie Donald später auch, ein Immobilienunternehmer. Einer seiner Brüder, Fred, starb an Folgen einer Alkoholkrankheit, eine seiner Schwestern ist Bundesrichterin. Trump verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf Zigaretten und Alkohol.
Trump war drei Mal verheiratet. Hier eröffnen Vater und Tochter Ivanka einen Trump-Tower (2008).
Mit seiner aktuellen Frau, Melania Knauss, zeigte er sich schon 2004. Erst 2006 gaben sie sich das Ja-Wort. Der Partnerschaft entsprang Sohn Barron William.
Trump besitzt die Organisation der Miss Universe Wahlen. Hier im Bild: Der zukünftige Präsident mit Olivia Culpo.
Für die Frauen-Wahlen zog Trump auch kreative Kostüme an, wie hier 2012. Nebenbei trat Trump 2007 auch in den Wrestling-Ring um gegen den WWE-Besitzer Vince McMahon zu kämpfen. Bei seinem Einzug in den Ring liess er 100-Dollar-Scheine regnen.
Trump traf zahlreiche Prominente in seinem Leben: Hier Serena Williams, die bekannte Tennis-Spielerin. (2009)
Trump und die Stars: Mit Golf-Legende Tiger Woods (2013)
Den Boxern George Foreman (l.) und Shannon Biggs (r.) (1997)
Auch ein Stern auf dem bekannten Walk of Fame in Los Angeles wurde ihm verliehen. Der Stern wurde während des Wahlkampfs 2016 zerstört und wieder hergestellt. In mehreren Kinderfilmen hatte Trump einen Auftritt: So etwa in «Kevin – allein in New York», dem zweiten Teil des beliebten Kinderfilms «Kevin – allein zu Haus».
Im Juni 2015 trat Trump offiziell zu den Präsidentschaftswahlen an. Zuerst wurde er nur belächelt. Gerade auf Grund von rassistischen und beleidigenden Aussagen wurde er lange nicht als ernsthafter Anwärter angesehen.
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Trumps Büste im Wachsfigurenkabinett in Madrid.

Das Leben des Donald Trump

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