Kommentar
Warum die Republikaner immer noch Angst vor Donald Trump haben

Kein anderer amerikanischer Politiker kann auf Anhänger zurückgreifen, die derart fanatisch sind. Das ist eine Gefahr für die Demokratie, wie der Impeachment-Prozess im Senat verdeutlicht.

Renzo Ruf aus Washington
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Noch einmal alle Augen auf Donald Trump: Im US-Senat läuft der Impeachment-Prozess gegen den Ex-Präsidenten.

Noch einmal alle Augen auf Donald Trump: Im US-Senat läuft der Impeachment-Prozess gegen den Ex-Präsidenten.

Drew Angerer / Getty Images North America

Eigentlich müssten republikanische Amtsträger die Nase voll haben von Donald Trump. Seine selbstverliebten Eskapaden kosteten den Konservativen zu Jahresbeginn die Mehrheit im Senat. Seither sitzen Republikaner auf der Zuschauertribüne des Washingtoner Politbetriebs. Sie können nur noch kritisieren, aber nicht mehr gestalten. Und dennoch hält eine Mehrheit der Republikaner weiterhin zum abgewählten Präsidenten.

Wie lässt sich diese Nibelungentreue erklären? Ganz einfach: Kein anderer Politiker in Amerika, kein Demokrat, kein Republikaner, verfügt über derart fanatische Anhängerinnen und Anhänger. Zwar bilden die Trumpisten eine Minderheit - Trump erhielt bei der Präsidentenwahl im vergangenen November nur 47 Prozent der Stimmen. Im ersten Anlauf im Jahr 2016 stimmten 46 Prozent der Amerikaner für Trump. Aber sie stürzen sich in jede Schlacht, in die sie von Trump geschickt werden.

Einmalig im Politbetrieb der USA

Das üble Gemisch, das sich aus Normalos, Aktivisten, rechtsextremen Schlägertruppen und chauvinistischen Verschwörungsanhängern zusammensetzt, ist einmalig im amerikanischen Politbetrieb.

Im Gegensatz zu linken Volksbewegungen, in denen sich ebenfalls Gesetzesbrecher umtreiben, lassen sich die rechten Aktivisten steuern. Eine Stellungnahme des 45. Präsidenten reicht bereits aus, um das Leben eines Trump-Kritikers zur Hölle zu machen, wie während des Impeachment-Prozesses im Senat einmal mehr deutlich wurde.

Vielleicht lässt sich mit dieser Furcht, die viele Parteifreunde vor Trump und seinen Anhängern haben, erklären, warum sie nicht bereit sind, ihn endgültig zu verbannen. Das ist nachvollziehbar, aber auch unglaublich kurzsichtig. Denn die Gefahr, die vom Präsidenten ausgeht, ist nicht gebannt. Treffend formulierte es ein demokratischer Abgeordneter: Er habe keine Angst davor, dass Trump bei der nächsten Präsidentenwahl erneut antrete, sagte er. Vielmehr habe er Angst davor, dass Trump 2024 erneut kandidiere, erneut verliere und dann seine Anhänger wieder aufhetze.