Kommentar
Die Merkel-Partei ignoriert die Menschen erneut — das könnte sich bitter rächen

Armin Laschet zieht für die deutschen Konservativen in die Schlacht ums Kanzleramt. Das haben die Parteioberen der CDU so beschlossen. Einmal mehr übergehen sie dabei den Willen der Basis, die den ungleich beliebteren Markus Söder wollte. Eine verpasste Chance.

Fabian Hock
Fabian Hock
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Schwacher Kandidat: CDU-Chef Armin Laschet hat sich gegen Markus Söder durchgesetzt - beim Volk kommt er allerdings nicht gut an.

Schwacher Kandidat: CDU-Chef Armin Laschet hat sich gegen Markus Söder durchgesetzt - beim Volk kommt er allerdings nicht gut an.

Markus Schreiber / AP

Markus Söder hat aufgegeben, Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat von CDU und CSU in Deutschland. Es ist der vorläufige Höhepunkt der Entfremdung zwischen dem Establishment der Kanzlerpartei und einem grossen Teil ihrer Anhängerschaft.

Mit dem Entwurzeln begonnen hatte die Kanzlerin höchstpersönlich: 2015 war das, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. In der Folge liess Angela Merkel kaum eine Gelegenheit aus, um sich von der konservativen Stammwählerschaft noch weiter zu entfernen.

Schwacher Laschet gegen starke Baerbock

Die Chance auf Versöhnung mit dem frustrierten Teil der Basis torpedierte die Parteispitze wiederholt, in dem sie gleich zwei Mal alles unternahm, um Friedrich Merz als Parteichef zu verhindern. Derselbe Vorstand hat nun die nächste Gelegenheit verstreichen lassen, indem er nicht den beim Volk beliebten Söder, sondern den in Umfragen katastrophal abschneidenden Laschet zum Kanzlerkandidaten machte.

Bei den Menschen beliebt, vom CDU-Vorstand verhindert: CSU-Chef Markus Söder.

Bei den Menschen beliebt, vom CDU-Vorstand verhindert: CSU-Chef Markus Söder.

Lukas Barth-Tuttas / Pool / EPA POOL

Wie schwach die Personalie Laschet ist, zeigt allein die Tatsache, dass sich die eigentlich viel stärkere CDU von der kleinen Schwester CSU in den zermürbenden Machtkampf der letzten Woche hineinziehen liess. Dieser Armin Laschet, den gerade einmal 13 Prozent der Deutschen im Kanzleramt sehen wollen, soll es nun mit der strahlenden Kandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, aufnehmen und eine linke Mehrheit bei der Wahl im Herbst verhindern.

Dem charismatischen Söder hätte man das ohne Weiteres zugetraut. Bei Laschet braucht es, zumindest im Moment, doch einiges an Vorstellungskraft.

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