Kommentar
Die CDU vor dem Verlust der Macht: Merkels Erbe droht beschädigt zu werden

Angela Merkel tritt nicht mehr zu den Wahlen an. Die Deutschen wählen indirekt auch ihre Nachfolge. Ihrer Partei droht die Opposition. Es wäre auch für Merkel eine bittere Bilanz.

Christoph Reichmuth, Berlin
Christoph Reichmuth, Berlin
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Machte am Montag bei ihrer Rede im Bundestag kräftig Werbung für CDU-Kandidat Armin Laschet: Kanzlerin Angela Merkel.

Machte am Montag bei ihrer Rede im Bundestag kräftig Werbung für CDU-Kandidat Armin Laschet: Kanzlerin Angela Merkel.

Markus Schreiber /
7. September 2021

Merkels Erbe droht beschädigt zu werden. Denn ausgerechnet jetzt, zweieinhalb Wochen vor den Bundestagswahlen, stürzt die Union aus CDU und CSU in Umfragen ab. Sie kommt auf 20 Prozent Wähleranteil. So schwach war sie seit 1949 und dem Bestehen der Bundesrepublik noch nie. Die Partei, die im Bund fast immer den Kanzler, die Kanzlerin gestellt hat. Nur drei Mal in all den Jahrzehnten kam die SPD zum Zug.

Die Union leidet an einem Kandidaten, dem die Bürgerinnen und Bürger nicht so recht zutrauen, die grossen Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Armin Laschet verkörpert rheinische Gemütlichkeit, aber nicht Aufbruch und Wagnis.

Merkel war innenpolitisch nicht die Innovativste. Aber sie machte sich einen Namen als Krisenmanagerin. Sie steuerte Deutschland durch die Finanz-, die Flüchtlings- und zuletzt durch die Coronakrise. Armin Laschet hat bei der ersten grossen Krise seiner Kandidaten-Zeit gepatzt: Bei der Flutkatastrophe im Hochsommer machte der CDU-Chef keine gute Figur. Das lässt viele zweifeln.

Für die Union rächt sich jetzt, dass sie sich die letzten 16 Jahre auf ihr Aushängeschild Angela Merkel verlassen hat. Die Kanzlerin tritt politisch in den Ruhestand. Nun verliert die Union all jene Stimmen, die sie in den letzten Jahren nicht für ihr Programm, sondern für Merkel bekommen hat.

Wird die Union nach 16 Jahren an der Regierung in die Opposition verbannt, ist das nicht nur die Niederlage des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Es wäre genau so Merkels Blamage, deren politische Bilanz einen schweren Schaden nehmen würde.

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