Hongkong
Joshua Wong geht lieber in Haft als in die Knie: Der Hongkonger Protestführer will sich nicht beugen

Der 24-jährige Demokratieaktivist muss wohl für fünf Jahre ins Gefängnis – weil er sich nicht beugen wollte.

Fabian Kretschmer, Peking
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24 und schon am Ende seiner politischen Karriere? Das Regime in Peking will den Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong ruhigstellen.

24 und schon am Ende seiner politischen Karriere? Das Regime in Peking will den Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong ruhigstellen.

Keystone

Jetzt muss er erneut hinter Gitter. Dieses Mal aber geht er aus beinahe freien Stücken: Joshua Wong hatte bereits im Vorfeld seiner Gerichtsverhandlung angekündigt, sich schuldig zu bekennen. Sein vermeintliches Vergehen: Er hat einen unerlaubten Protest gegen Pekings Einflussnahme in Hongkong organisiert. Wenig überraschend wurde er von den Behörden sofort verhaftet. Bei einem Schuldspruch drohen Wong bis zu fünf Jahren Haft. «Was wir jetzt machen, ist, der Welt den Wert der Freiheit zu erklären», liess der 24-Jährige über seinen Twitter-Account verkünden.

Schon als Schüler ist der Hongkonger bei den Demos mitmarschiert, mit denen alljährlich an das Pekinger Massaker vom Tiananmen-Platz erinnert wird. 2014 führte er die sogenannten Regenschirmproteste in seiner Heimatstadt an. Damals wie heute ging es den Aktivisten um mehr politische Freiheiten. Bis heute haben die Proteste nichts Positives bewirken können. «Das Regime ist unverändert geblieben», sagte Wong noch 2019 im Interview mit dieser Zeitung.

Die Proteste verfolgte er am Gefängnis-Fernseher mit

Spätestens seit jenen Tagen stand er auf der roten Liste Pekings. Es dauerte nicht lange, bis er zum ersten Mal inhaftiert wurde. Die Anfänge der aktuellen Proteste gegen das harte Durchgreifen Pekings in der einstigen britischen Kronkolonie hat er nur am Rande mitbekommen, wenn die Wärter den Fernseher im Gemeinschaftsraum des Gefängnisses eingeschaltet haben.

Joshua Wong steht in seinen jungen Jahren bereits da, wo andere erst nach einer jahrelangen politischen Laufbahn ankommen. Beendet wurde seine ganz persönliche politische Karriere durch den Druck der Kommunistischen Partei Pekings, ihn bereits im Vorfeld für die Teilnahme an den Hongkonger Wahlen zu disqualifizieren. Aus Protest gegen die zunehmend brutale Einmischung Pekings in Hongkongs Angelegenheiten ist mittlerweile das gesamte pro-demokratische Lager aus dem Parlament zurückgetreten. Hongkong, Joshua Wongs Heimatstadt, steht ohne politische Opposition da.

Im Sommer noch betonte Joshua Wong: «Freie Wahlen bleiben unser Ziel. Das hatte uns Peking vertraglich zugesichert.»

Hongkong wird nie mehr frei sein

Rückblickend erscheint die Vision von Wong und seinen Mitstreitern geradezu naiv. Die Ziele der Demokratiebewegung sind in weite Ferne gerückt. In absehbarer Zeit wird Hongkong vollständig zur Volksrepublik China gehören; einem Land, in dem die Staatsmedien jemanden wie Wong als «Querulanten» abtun und dessen Regierung solche «Querulanten» hinter Gitter sperrt.

Trotz der tristen Aussichten wird Joshua Wong wohl nicht von seinem Kampf ablassen – auch, wenn er jetzt ganz genau weiss, welche Konsequenzen ihm drohen.