USA
Ex-Präsident Jimmy und Rosalynn Carter feiern Kronjuwelenhochzeit – und sind verliebt wie am ersten Tag

Der ehemalige US-Präsident und seine Ehefrau feiern an diesem Mittwoch ihren 75. Hochzeitstag. Eine Geschichte über Liebe, Gemeinsamkeiten, Rückschläge - und das Geheimnis einer langen, glücklichen Ehe.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
Seit 75 Jahren glücklich verheiratet: Jimmy und Rosalynn Carter.

Seit 75 Jahren glücklich verheiratet: Jimmy und Rosalynn Carter.

Horace Cort / AP (Atlanta, 15. September 1966)

Als ihn seine Mutter am Morgen danach fragte, mit wem er denn den Abend verbracht hatte, da antwortete der junge Jimmy Carter: Mit Rosalynn Smith, der Nachbarstochter. Und dann sagte er: «Sie ist es, die ich heiraten werde.»

Das war im Juli 1945, und Carter – der 20 Jahre alte Sohn eines Bauern und Politikers in Plains (Georgia), einem Dorf im tiefen Süden Amerikas – befand sich damals auf Heimaturlaub. Doch Rosalynn, oder «Rosie», wie er sie später nannte, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Jahre später sagte Carter: Nach dem ersten Date mit der damals 17-Jährigen habe er gewusst, dass die beiden zusammengehörten und den Rest ihres Lebens gemeinsam verbringen würden.

«Wir teilen alles», sagt der Ex-Präsident

Ein Jahr später, am 7. Juli 1946, heirateten Jimmy und Rosalynn, nachdem sie zu seinem zweiten Antrag «Ja» gesagt hatte. (Den ersten hatte sie noch abgelehnt, weil sie im Dezember 1945 fand, der Jungspund mit seiner schicken Uniform sei ein wenig zu ungeduldig.) Das ist nun 75 Jahre her und noch immer sind der Ex-Präsident und die ehemaligen First Lady glücklich miteinander verheiratet. «Wir sind uns immer nähergekommen», sagte der 96 Jahre alte Carter kürzlich einem Reporter der «New York Times», als dieser ihn nach dem Erfolgsgeheimnis einer langen Ehe fragte. «Wir teilen alles.» Und seine Gattin, 93 Jahre alt, ergänzte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: «Jimmy und ich suchen immer nach Dingen, die wir gemeinsam tun können.»

Das war nicht immer so. Anfänglich führten die Carters – er: Berufsmilitär, sie: Hausfrau und verantwortlich für die vier Kinder – eine für die damalige Zeit traditionelle Ehe. Jimmy war der Familienpatriarch, und Rosalynn blieb nichts anders übrig, als sich zu fügen. Die junge Familie zog ständig um und lebte an der Ost- und Westküste Amerikas und verbrachte auch einige Zeit auf Hawaii.

Rosalynn, die bessere Politikerin

Als im Juli 1953 sein Vater starb, da fällte James Earl Carter die Entscheidung, die das Leben seiner Familie für immer verändern würde. Er beschloss, nach Plains zurückzukehren, die Familienfarm zu übernehmen. Rosalynn wehrte sich mit Händen und Füssen gegen die Rückkehr in die Provinz von Georgia, erinnerte sich Jimmy später, aber er ignorierte ihre «geradezu gewalttätige» Opposition.

Auch als Jimmy zu Beginn der Sechzigerjahre den Beschluss fasste, in die Politik einzusteigen, informierte er Rosalynn nicht vorgängig. Als er sie 1966 darum bat, seinen Koffer zu packen, weil er einige Tage lang auf Wahlkampftournee gehen wollte, um sich für den Posten des Gouverneurs von Georgia zu bewerben, da schnauzte sie ihn an: «Das kannst du selbst machen.»

Jimmys Kandidaturen für den Gouverneursposten – die erste, 1966, endete mit einer Niederlage, die zweite, 1970, mit einem Sieg – waren Wendepunkte in der Ehe der Carters. Rosalynn entdeckte ihre Freude für die grosse Politik. Und rasch stellte sich heraus, dass sie weit begabter war als ihr steifer Gatte, der während seinen öffentlichen Auftritten häufig den Eindruck hinterliess, er sei ein bisschen zu streng und zu rechthaberisch.

Politischer Austausch beim Mittagessen

Also wurde sie zum wichtigsten Ratgeber ihres Mannes, zuerst am Wohnsitz des Gouverneurs von Georgia, und dann später, ab 1977 im Weissen Haus, nachdem es Jimmy entgegen sämtlich Prognosen gelungen war, für die Demokraten das Weisse Haus zurückzuerobern. Rosalynn traf sich formal jede Woche mit ihrem Mann zum Mittagessen, um über die wichtigsten politischen Themen zu diskutieren. «Ich sagte ihm meine Meinung», erklärte Rosalynn vor einigen Jahren der «Washington Post». Auch nahm die First Lady regelmässig an Kabinettssitzungen teil.

Die Präsidentschaft ihres Gatten konnte allerdings auch Rosalynn nicht retten. 1980 verlor Jimmy gegen Ronald Reagan, und beide Carters benötigten Jahre, um diese Niederlage zu verdauen. Irgendwann rappelten sich die beiden Mittfünfziger wieder auf. Sie begannen eine neue Karriere, als Wohltäter, und gründeten das Carter Center in Atlanta (Georgia). Fortan bauten Jimmy und Rosalynn Häuser oder sorgten dafür, dass Wahlen frei und fair abgehalten wurden. 2002 bekam er den Friedensnobelpreis und die Anerkennung, auf die er im eigenen Land jahrzehntelang vergeblich gewartet hatte.

Gemeinsam in der Bibel lesen

Ihren Lebensabend verbringen die Carters in Plains, im Dorf, das sie formte. Als es ihnen gesundheitlich noch besser ging, spazierten die beiden häufig händchenhaltend eine Quartierstrasse entlang, zwei Agenten des Secret Service im Schlepptau. Oder man sah Jimmy und Rosie am Sonntagmorgen in der Maranatha Baptist Church, der Kirche, in der er jahrzehntelang Sonntagsschule unterrichtete, während sie im Publikum sass. Doch damit ist es jetzt vorbei. Die Carters sind alt, und sie wissen es.

Also sitzen sie häufig zusammen im Wohnzimmer, lesen die Bibel und geniessen ihre Gesellschaft. «Ich bin sehr glücklich», sagte Jimmy der «New York Times», und er liebe Rosie «nun noch mehr als zu Beginn – was eine Menge sagt, liebte ich sie doch sehr».

Aktuelle Nachrichten