Erdbeben
Japan gedenkt der Opfer der Tsunami-Katastrophe von 2011

Japan gedenkt der Opfer der von einem Erdbeben ausgelösten Tsunami- und Atomkatastrophe vor sechs Jahren. Bewohner der von der Flutwelle überschwemmten Region Tohoku im Nordosten des Inselstaats beteten am Samstag für die rund 18'500 Todesopfer.

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Angehörige gedenken der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011.

Angehörige gedenken der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011.

KEYSTONE/AP Kyodo News/TAKAKI YAJIMA

Sechs Jahre nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan haben die Menschen mit Gebeten und einer Schweigeminute der Tausenden Opfer gedacht. Viele Menschen leiden weiter unter den Folgen der Katastrophe. Japans rechtskonservativer Premier Abe betont indes Fortschritte beim Wiederaufbau.

Um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) - dem Zeitpunkt, an dem am 11. März 2011 das Beben die Region Tohoku im Nordosten des Landes erschütterte - legten die Menschen an vielen Orten eine Schweigeminute ein. Rund 18'500 Menschen waren in den Fluten ums Leben gekommen.

Im Atomkraftwerk Fukushima war es zum Super-Gau gekommen. Bis die Atomruine zurückgebaut ist, wird es noch Jahrzehnte dauern. Dennoch hebt die rechtskonservative Regierung die Evakuierungsanordnung für einige der umliegenden Gebiete auf.

Fukushima – sechs Jahre nach der Katastrophe leben wieder Menschen im Sperrgebiet um die radioaktiv kontaminierte Reaktoranlage:

Masami Yoshizawa ist Bauer und und Anti-Atom-Aktivist. Seine "Ranch of Hope" liegt 14 Kilometer vom zerstörten Atomkraftwerk Fukushima entfernt in Odaka. Er hält dem Druck der Regierung trotzig stand, die sein verstrahltes Vieh töten will. Die rote Boje symbolisiert eine Bombe, auf der steht, dass Tokio 2020 von einem grossen Erdbeben heimgesucht wird.
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Yoshizawa verdient mit den Tieren kein Geld, verkaufen kann er ihr Fleisch nicht. Er sagt: "Das sind lebende Tiere, wie Menschen, und haben das Recht zu leben." Yoshizawa lebt von Spenden.
Auch Takashi Mizugai ist Bauer. Er wohnt 18 Kilometer vom zerstörten AKW entfernt. Er pflanzt auf seinen Feldern Jute an. Reis oder Gemüse, das so nahe am Unglücksort wächst, lässt sich nicht verkaufen.
Nach dem Unglück erklärten die japanischen Behörden eine 20-Kilometer-Zone um Fukushima zum Sperrgebiet. Gewisse Bewohner durften ab April 2014 in die Gegend zurückkehren. Mizugai kam 2016 zurück.
Allerdings füllten sich nur 20 Prozent der 3487 Haushalte wieder mit Leben, wie japanische Medien berichten. Im Bild: eine Radioaktivitätsanzeige.
Auch das gibt es in Odaka – eine AirBnB-Unterkunft. Karin Taira betreibt sie. Sie will die lokale Tourismusindustrie wieder in Schwung bringen.
In einer Stadt zwölf Kilometer von Fukushima halten Bauern etwa 200 Kühe, gegen den Willen der Regierung. Sie sind Teil eines Forschungsprojekts.
Ein Forscher untersucht eine Kuh, die im kontaminierten Sperrgebiet um die zerstörten Reaktoren lebt.
Sicherheitskräfte kontrollieren, wer in die 20-Kilometer-Zone einfährt.
Neben der Strasse liegen Säcke voller radioaktiv kontaminierter Erde.
Das Ausmass der Zerstörung war gigantisch, als der Tsunami am 11. März 2011 über Japans Küste hereinbrach.
Dieses Foto hat eine Drohne anderthalb Wochen nach der Katastrophe geschossen. Es zeigt die zerstörten Teile Fukushima Daiichis.
In diesem Zustand will man ein AKW eigentlich nicht sehen.
Der Tsunami tötete etwa 18'500 Menschen. Weitere 700 bis 1300 Menschen, schätzen Forscher in einer Studie, starben an Krebs, hervorgerufen durch die ausgetretene Radioaktivität. Diese Zahl kann aber noch steigen.
Yasunori Ohata pflegt seine Bonsai-Bäume 16 Kilometer von Fukushima entfernt. Auch der pensionierte Bauer hat sich mittlerweile entschieden, zurückzukehren.
Von den Zurückgekehrten sind viele ältere Bauern, so wie Yasuhiro Sasaki (69) und seine Frau Junko (68). Sie haben ihr Haus neu renoviert.
Sasaki spielt Gitarre für seine Mutter Fuse (89). "Die Gitarre gibt mir etwas zu tun, jetzt, da ich nicht mehr auf den kontaminierten Feldern arbeiten kann", sagt Sasaki.
Frau Junko vertreibt sich die Zeit mit Kalligraphie.
Derweil dauern die Reparaturarbeiten in der zerstörten Reaktoranlage an.
Gut geschützte Arbeiter flicken den vom Tsunami beschädigten Reaktor Fukushima Daichi.
Im Februar 2017 durften Journalisten auf dem Gelände mit den Arbeitern sprechen.

Masami Yoshizawa ist Bauer und und Anti-Atom-Aktivist. Seine "Ranch of Hope" liegt 14 Kilometer vom zerstörten Atomkraftwerk Fukushima entfernt in Odaka. Er hält dem Druck der Regierung trotzig stand, die sein verstrahltes Vieh töten will. Die rote Boje symbolisiert eine Bombe, auf der steht, dass Tokio 2020 von einem grossen Erdbeben heimgesucht wird.

epa

Noch immer tausende Vermisste

Eine ältere Krankenschwester erinnerte am Gedenktag an ihren Bruder - einen Polizisten, der damals Anwohner vor dem Tsunami in Sicherheit gebracht hatte, bevor er selbst in den Tod gerissen wurde. Sie sei stolz auf ihn, sagte die Schwester. "Aber ich möchte, dass er zurückkommt."

Rund 2500 der Opfer werden offiziell weiter als vermisst geführt. Polizisten, die Küstenwache und Freiwillige suchten am Samstag erneut nach ihren Überresten, denn für Japaner können die Seelen nicht eher ruhen.

Abe optimistisch

Ministerpräsident Shinzo Abe sagte bei einer Gedenkveranstaltung der Regierung in Tokio Medien zufolge, der Wiederaufbau der Region Tohoku habe eine "neue Stufe erreicht".

Er verwies demnach auf Infrastrukturmassnahmen sowie die Aufhebung von Evakuierungsverfügungen im Raum Fukushima. Bislang sind jedoch nur wenige frühere Anwohner bereit, der Aufforderung des Staates zur Rückkehr in ihre Häuser zu folgen.

Vor allem die Jüngeren haben auch angesichts von Berichten über zunehmende Fälle von Schilddrüsenkrebs unter Kindern weiter Angst. Andere haben inzwischen ein neues Leben anderswo begonnen. Gerade mal gut zehn Prozent der Menschen aus fünf Gemeinden der Präfektur Fukushima, die die Region wegen des Gaus verlassen mussten, sind bisher in ihre früheren Häuser zurückgekehrt. Meist sind es ältere Menschen.

Viele leben in Provisorien

Mehr als 120'000 Menschen, die wegen der Dreifach-Katastrophe fliehen mussten, leben noch immer entwurzelt. Viele hausen in containerähnlichen Behelfsgebäuden.

Mehr als 3500 Betroffene sind in Folge seelischer und körperlicher Erkrankungen gestorben oder haben sich das Leben genommen. Zudem werden immer wieder Kinder, die aus Fukushima geflohen sind, Opfer von Schikane. Das Problem ist so ernst, dass die Regierung jetzt eine Erhebung plant.

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