Türkei
Istanbuls Polizei nimmt acht Verdächtige fest – IS reklamiert Anschlag für sich

Bei den Ermittlungen zu dem Anschlag auf eine Nobeldisco in Istanbul hat die türkische Polizei laut Medienberichten acht Verdächtige festgenommen. Weitere Angaben zu den am Montag gefassten Verdächtigen machte die Nachrichtenagentur Dogan zunächst nicht.

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Nach der Tat in der Silvesternacht: Dutzende Ambulanzen stehen bereit, um Opfer eines Anschlags auf einen Nachtclub in Istanbul zu versorgen.
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Mindestens ein Attentäter verschaffte sich in der Silvesternacht gewaltsam Zutritt zum Club Reina in Istanbul. Dort schoss er wahllos um sich.
Terroranschlag auf Istanbuler Nachtclub Reina in Silvesternacht
Der Istanbuler Club Reina liegt direkt am Bosporus, kurz hinter der ersten Brücke über die Meerenge. Er liegt zudem im schicken Ausgehviertel Ortaköy. Er ist einer der grössten und berühmtesten in der türkischen Millionenmetropole.
Am Sonntagmorgen, 1. Januar, war der Täter flüchtig. Augenzeugen berichteten allerdings von mehreren Tätern.
Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.
Aussenminister Didier Burkhalter hat nach dem Angriff in Istanbul in der Silvesternacht seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu seine Betroffenheit ausgedrückt. Ob Schweizer unter den Toten oder Verletzten sind, war am Sonntagmorgen noch nicht klar.
Sicherheitskräfte riegeln den Bereich vor dem Nachtklub nach der Tat ab.
Der Morgen danach: Ein Polizist an der Strasse, an der sich der Nachtklub Reina befindet.
Der Klub Reine liegt direkt am Bospurus.
Mehrere Gäste sollen sich mit einem Sprung ins Wasser gerettet haben.
Am Morgen danach ist die Trauer bei Angehörigen der Todesopfer gross.
Angehörige trauern an einem Sarg um eines der Todesopfer.
Angehörige trauern an einem Sarg um eines der Todesopfer.
Trauer vor der Sicherheitsabsperrung in der Nähe des Clubs Reina.
Menschen leben Blumen nieder für die Todesopfer.

Nach der Tat in der Silvesternacht: Dutzende Ambulanzen stehen bereit, um Opfer eines Anschlags auf einen Nachtclub in Istanbul zu versorgen.

KEYSTONE/AP IHA

Laut Dogan setzt die Polizei ihre Fahndung fort, der Attentäter selbst sei offenbar weiter auf der Flucht.

Zuvor hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Anschlag bekannt, bei dem in der Silvesternacht 39 Menschen getötet wurden, darunter mindestens 26 Ausländer.. Ein "Soldat des Kalifats" sei für die Tat verantwortlich, heisst es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung des IS. Die Echtheit des Bekennerschreibens liess sich zunächst nicht überprüfen.

Die meisten der getöteten Ausländer stammten aus arabischen Ländern. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, 69 Menschen seien zudem verletzt worden, auch unter ihnen seien mehrere Ausländer.

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte wahllos das Feuer auf Hunderte Feiernde eröffnet. Der Täter konnte flüchten.

Mit einem Grossaufgebot suchen die türkischen Sicherheitsbehörden nach ihm. Die Ermittler arbeiteten "mit Nachdruck" daran, den Täter zu identifizieren, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim.

Zeugen zufolge rief der Angreifer nach der Tat "Allahu akbar" (Allah ist gross). Auch die Tatsache, dass der Angriff einem mondänen Club galt, in dem auch Ausländer verkehren, hatten Beobachter in der Türkei als Hinweis auf einen radikal-islamischen Hintergrund gewertet.

Aufruf zu Anschlägen in der Türkei

Nach dem türkischen Einmarsch im August in Syrien hatte der IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. Türkische Truppen liefern sich in der nordsyrischen Region um die Stadt Al-Bab seit einiger Zeit heftige und verlustreiche Gefechte mit IS-Kämpfern. Der IS beherrscht Al-Bab.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Anschlag in der Neujahrsnacht an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um "die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten".

International wurde die Bluttat scharf verurteilt. Bereits 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge erlebt.