USA
Ist Trump ein Tourismus-Killer?

Die Anzeichen verdichten sich, dass US-Präsident Donald Trump den amerikanischen Tourismus in Nöte bringt. Doch es gibt auch Zahlen, die das genaue Gegenteil behaupten.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
US-Präsident Donald Trump, hier mit First Lady Melania und dem gemeinsamen Sohn Barron, hat auf viele Touristen eine abschreckende Wirkung.

US-Präsident Donald Trump, hier mit First Lady Melania und dem gemeinsamen Sohn Barron, hat auf viele Touristen eine abschreckende Wirkung.

KEYSTONE/EPA ISP POOL/CHRIS KLEPONIS / POOL

Die Touristiker in New York City geben sich pessimistisch. «Wir rechnen mit einem Rückgang der ausländischen Besucherinnen und Besucher unserer Stadt im laufenden Jahr», sagt Chris Heywood, der für das Tourismusbüro der grössten amerikanischen Stadt arbeitet, das sich locker-lässig «NYC & Company» nennt. Vorsichtige Schätzungen gehen von einem Minus im einstelligen Prozentbereich aus, wie Heywood sagt. Das wären rund 300 000 ausländische Touristen weniger als im Vorjahr. Angesichts von 12,7 Millionen internationalen Besuchern und 48 Millionen US-Touristen, die im Jahr 2016 der Millionenmetropole an der amerikanischen Ostküste einen Besuch abgestattet haben, mag dieser Rückgang verschmerzbar sein. Weil Ausländern aber das Geld lockerer in der Tasche sitzt, droht der Tourismusbranche in New York ein Einnahmeausfall in dreistelliger Millionenhöhe.

Der Grund für diese Delle: Donald Trump. Ganz so deutlich will Heywood das allerdings nicht sagen. Der Touristiker erklärt aber, dass «gewisse Wortmeldungen» aus der Hauptstadt ausländische Besucher abschreckten. Heywood ist nicht der einzige Branchenvertreter, der findet, dass die Politik des Präsidenten dem Tourismus schadet. Branchenweit ist die Rede von einem massiven Rückgang der Online-Reservationsanfragen für Transatlantik-Flüge. Auch heisst es, dass die Nachfrage nach US-Reisen im arabischen Raum eingebrochen sei.

Allein: Bisher fehlen die harten Zahlen, um diese Befürchtungen zu untermauern. Weder in New York City noch in anderen amerikanischen Grossstädten sind aktuelle Statistiken greifbar, die Auskunft über die Besucherzahlen im ersten Halbjahr 2017 geben. «Leider», sagt Vanessa Casas, die für das Washingtoner Tourismusbüro «Destination DC» arbeitet, «bekommen wir unsere Besucherzahlen auf einer jährlichen Basis.» Will heissen: Wer wissen will, ob Trump tatsächlich schlecht fürs Geschäft ist, der muss sich bis 2018 gedulden.

Nicht so lange warten

So lange will die U.S. Travel Association, der Dachverband der amerikanischen Tourismusindustrie, aber nicht warten. In enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Oxford Economics gibt die Vereinigung eine monatliche Wasserstandsmeldung über den Zustand der Branche heraus. In der neusten Ausgabe dieses «Travel Trends Index», der auf Hotelauslastungen und Flugbuchungen aus dem April 2017 beruht, heisst es, die Zahl der ausländischen Touristen sei im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent gestiegen – «trotz einem starken Dollar und der aufgeheizten politischen Debatte» in Washington. Selbst der von Trump verhängte (auf dem Gerichtsweg gestoppte) Einreisebann für Bewohner einer Gruppe von Staaten in Arabien und Afrika habe der Branche nicht zugesetzt.

Neuer Rekord dank Trump?

Auch in einer Erhebung des Handelsministeriums, die monatlich publiziert, wie viel Geld ausländische Touristen in den USA ausgeben, sind bisher keine Anzeichen einer transatlantischen Abkühlung zu sehen. Demnach haben Besucher aus dem Ausland in den ersten vier Monaten 2017 83,4 Milliarden Dollar in die amerikanische Tourismusbranche gepumpt, umgerechnet 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Augen des Handelsministeriums, das von Trump-Freund Wilbur Ross geführt wird, ist dies rekordverdächtig.

Trotz diesen positiven Meldungen ist es in den Augen vieler Branchenvertreter aber noch zu früh, Entwarnung zu geben. Die U.S. Travel Association geht davon aus, dass die Zahl der internationalen Touristen bis zu Beginn der Wintersaison abnehmen werde. Dieser Ausfall werde aber durch reisefreudige US-Bürger kompensiert, prognostiziert der Tourismus-Dachverband.