Syrien
Im «innersten Kreis der Hölle»: Flüchtlingslager Jarmuk

Im Süden der syirischen Hauptstadt Damaskus liegt Jarmuk, wo sich seit Ende der 1950er Jahre über 150000, meist palästinensische, Flüchtlinge Schutz suchen. Nicht erst seit dem Einmarsch des IS ist es ein Symbol für die Schrecken des Bürgerkrieges.

Drucken
Teilen
Von den ursprünglich 150000 Menschen sind noch 18000 (darunter 3500 Kinder) in Jarmuk, dem Flüchtlingslager südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus.
9 Bilder
Die Strassen sind leer - die Häuser zerstört.
Nicht erst seit dem Einmarsch des IS ist Jarmuk Kriegsschauplatz.
Die syrische Armee schneidet das Lager seit Langem von der Aussenwelt ab.
Seit Monaten bombardiert die syrische Jarmuk immer wieder - unter anderem mit Fassbomben.
Zudem ist das Lager Ort von Auseinandersetzungen einer Vielzahl von Milizen im syrischen Bürgerkrieg. Zum Beispiel lieferten sich Palästinenser-Milizen blutige Kämpfe mit der islamistischen Al Nusra-Front.
Bereits im Februar gingen Bilder aus Jarmuk um die Welt. Die Zivilbevölkerung befand sich durch die heftigen Kämpfe in einer akuten Notsituation.
Seit dann sind die meisten Einwohner geflohen.
Inmitten des syrischen Bürgerkrieges: Das Flüchtlingslager Jarmuk bei Damaskus

Von den ursprünglich 150000 Menschen sind noch 18000 (darunter 3500 Kinder) in Jarmuk, dem Flüchtlingslager südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Keystone

Das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk entwickelte sich nach seiner Gründung 1957 zu einem lebendigen Viertel am südlichen Rand von Damaskus. Es liegt rund acht Kilometer vom Zentrum der syrischen Hauptstadt entfernt.

«Nicht zusehen, wie ein Massker geschieht»: Appell des UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat wegen der dramatischen Lage im palästinensischen FlüchtlingslagerJarmuk Alarm geschlagen. Die Gefechte um Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus wurden am Freitag erneut heftiger.

Das von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eroberte Palästinenserlager beginne, einem "Todeslager" zu ähneln, sagte Ban am Donnerstag in New York. Ban sprach von einer "humanitären Katastrophe von epischem Ausmass". Im syrischen Horror sei Jarmuk die "tiefste Hölle".

Auf etwa zwei Quadratkilometern lebten hier bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs vor rund vier Jahren 150'000 Palästinenser, Flüchtlinge aus dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 und ihre Nachkommen.

2013 übernahmen Regimegegner die Kontrolle über das Lager. Die Truppen des syrischen Regimes sperrten daraufhin die Zugänge ab, so dass Jarmuk von der Aussenwelt abgeschnitten ist.

PLO will nicht eingreifen

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) hat Angaben eines ihrer Vertreter zurückgewiesen, wonach die Palästinenser in die Kämpfe im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk eingreifen könnten. "Wir lehnen es kategorisch ab, bewaffnete Konfliktpartei" in Jarmuk zu werden, erklärte die PLO am Freitag in Ramallah.

Mehr als 100 Menschen sollen verhungert sein. Grosse Teile des Lagers sind durch den Bürgerkrieg zerstört. Rund 18'000 Menschen sollen heute noch in Jarmuk leben, darunter 3500 Kinder.

Das UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) kümmert sich um Palästinenser und ihre Nachkommen, die während des arabisch-israelischen Krieges 1948 sowie des Sechs-Tage-Krieges 1967 vertrieben wurden oder flohen.

Das Mandat der UNRWA erstreckt sich jedoch nur auf solche Flüchtlinge, die in den Palästinensergebieten sowie in Syrien, dem Libanon und Jordanien leben. Im Juli 2014 traf diese Definition der UNRWA zufolge auf rund 5,1 Millionen Menschen zu.

In Syrien leben Schätzungen zufolge derzeit noch 480'000 registrierte palästinensische Flüchtlinge. Sie verteilen sich auf zwölf Flüchtlingslager, von denen Jarmuk lange Zeit das grösste war. Der UNRWA zufolge benötigen derzeit etwa 95 Prozent der Palästinenser in Syrien humanitäre Hilfe. (sda)

Aktuelle Nachrichten