Iberische Halbinsel
Ibiza wird abgeriegelt - Spanien und Portugal in höchster Covid-Not

Portugal verzeichnet die höchsten Ansteckungsraten weltweit. Auch in Spanien steigen die Infektionen. Trotzdem sollen in Katalonien Mitte Februar Regionalwahlen stattfinden.

Manuel Meyer aus Madrid
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Krankenwagen-Stau vor dem Lissaboner Spital Santa María: Die Lage in Portugal ist ausser Kontrolle geraten.

Krankenwagen-Stau vor dem Lissaboner Spital Santa María: Die Lage in Portugal ist ausser Kontrolle geraten.

Mario Cruz / EPA

Dreissig Krankenwagen mit Covid-Patienten warten in Schlange vor der Notaufnahme des Lissaboner Spitals Santa María. Da kaum noch Betten frei sind und nicht nur Beatmungsgeräte fehlen, sondern selbst der Sauerstoffvorrat knapp wird, kommen die Ärzte hinaus, um bereits in den Ambulanzen zu prüfen, ob es sich tatsächlich um dringende Fälle handelt.

Szenen wie diese spielen sich derzeit vor den Spitälern in ganz Portugal ab. Die dritte Coronawelle hat das Land im äussersten Südwesten Europas fest im Griff. Täglich registriert Portugal mit seinen knapp zehn Millionen Einwohnern mehr als 300 Todesfälle und über 16'000 Neuinfektionen. Die 7-Tage Inzidenz liegt derzeit bei 884 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner. Kein Land der Welt hat eine höhere Quote.

Grenzen zum Nachbarland Spanien werden dicht gemacht

Jetzt zog die Regierung die Reissleine. Das Land isoliert sich. Innenminister Eduardo Cabrita kündigte an, dass die Grenzen zum Nachbarland Spanien wie im vergangenen Frühjahr wieder geschlossen werden. Auch der internationale Flugverkehr wird grösstenteils eingestellt. Der strikte Ausnahmezustand wurde zunächst bis zum 14. Februar erweitert.

Die Massnahmen ähneln denen vom Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020. Gaststätten und Geschäfte, die nicht für die Grundversorgung notwendig sind, bleiben geschlossen. Schulen, Kindergärten und Universitäten ebenfalls. Das Haus darf nur aus triftigem Grund verlassen werden. Home-Office ist Pflicht, wo es möglich ist. Pensionierte Ärzte und selbst Medizinstudenten werden mobilisiert, um das vollkommen überlastete Gesundheitssystem zu unterstützen.

Regierungschef spricht von «sehr harten Wochen»

Regierungschef Antonio Costa stellte die Bevölkerung auf «sehr harte Wochen» ein. Seine Regierung schätzt, dass der Anteil der vermutlich ansteckenderen SARS-CoV-2-Variante aus Grossbritannien bereits 20 Prozent aller Neuinfektionen ausmacht. Im Ballungsraum Lissabon liege er sogar bei etwa 50 Prozent.

«Sehr harte Wochen»: Portugals Premierminister Antonio Costa warnt die Bevölkerung.

«Sehr harte Wochen»: Portugals Premierminister Antonio Costa warnt die Bevölkerung.

Miguel A. Lopes / EPA

Das Land ist zum Corona-Höchstrisikogebiet geworden. Dabei kam Portugal zunächst ganz gut durch die Krise. Das liegt nicht nur an der Randlage mit nur einem Nachbarland. Lissabon reagierte auch sehr viel früher als die meisten anderen EU-Staaten auf die Pandemie. Zigtausende Portugiesen begaben sich sogar in Selbstquarantäne, noch bevor die Regierung überhaupt zu Massnahmen griff. Durch die Horrorszenarien in Spanien war man gewarnt.

Wie Spanien ist aber auch Portugal ein Reiseland und von internationalen Touristen abhängig. Auch die Lebensweise der geselligen Iberer spielte natürlich eine Rolle. So schlug die Pandemie nach dem Sommer wieder in beiden Ländern voll durch. Mit einer 7-Tage Inzidenz von rund 530 Fällen pro 100'000 Einwohner sieht auch in Spanien die Covid-Situation derzeit nicht viel besser aus, wo die britische Mutation nach Schätzungen Madrids bereits Mitte März die dominierende Variante sein dürfte.

Ibiza wird abgeriegelt

Zahlreiche Regionen verschärfen deshalb noch einmal ihre Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. Die Balearen-Inseln Ibiza wurde mit einer 7-Tage Inzidenz von über 2000 Neuinfektionen mindestens bis zum Monatsende praktisch von der Aussenwelt abgeschottet. In allen spanischen Regionen herrschen bereits nächtliche Ausgangssperren. Andere Haushalte dürfen nicht mehr besucht werden.

Um so überraschender ist es, dass am 14. Februar in Katalonien Regionalwahlen stattfinden. Eigentlich hatten sich fast alle Parteien im darauf geeinigt, den Urnengang aufgrund der Covid-Entwicklung auf den 30. Mai zu verschieben. Nach der Klage einer Privatperson sah sich Kataloniens Oberster Gerichtshof jedoch gezwungen, die Verschiebung vorläufig zu kippen.

So startete in der Nacht auf Freitag ein virtueller Wahlkampf. Bis zum 8. Februar müssen die Richter sich festlegen. Parteien, Bürger und Ärzte halten einen Urnengang mit 5,5 Millionen Wahlberechtigten in der aktuellen Lage für unverantwortlich. Der epidemiologische Schutzplan für die Wahlen sorgen auch nicht unbedingt für Vertrauen: Abstandhalten, Hände waschen, Schutzmasken. Personalausweise sollen nicht mehr den Wahlhelfern überreicht, sondern nur noch gezeigt werden.

Von 9 bis 12 Uhr sollen Risikogruppen wählen und von 12 bis 19 Uhr alle anderen. Zwischen 19 bis 20 Uhr können alle auf Covid positiv getestete oder sich in Quarantäne befindliche Personen wählen. Wahlhelfer werden um 18.40 Uhr spezielle Schutzkleidung anziehen müssen.