Trump-Clan
Hoffnungsengel im Weissen Haus: Ivanka Trump ist die heimliche First Lady

Die Tochter des neuen US-Präsidenten Donald Trump soll jetzt die «heimliche First Lady» sein und als Hoffnungsengel den Vater mässigen.

Max Dohner
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IvankaTrump

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Keystone

Erforsche das Durcheinander («explore disorder») – ist das ein weiser Satz?

Seit gestern sieht alle Welt zu, wie das Durcheinander in Person durchs Weisse Haus spukt. Immerhin schwebt da auch ein blonder Engel ein. Und soll um Gottes willen jetzt Welt-Schutzengel sein: Ivanka Trump (35). Die «heimliche First Lady», weil es Melania, Ivankas elf Jahre älterer Stiefmutter, offenbar gruselt im Weissen Haus.

Ivanka stellte den Satz auf ihre Geschäfts-Homepage: «Erforsche das Durcheinander», unter der Rubrik «weise Worte». Ein Sammelsurium erbaulicher Sentenzen in Fake-Handschrift. Tenor: Träume werden wahr, so lange du chnüttelst, glaubst und shoppst – bei Ivanka-trump.com. Kein Wort steigt übers Bachblüten-Niveau von Paulo Coelho hinaus; dafür ist jedes pastellfarben unterlegt. Der Stil erinnert ans Poesiealbum von Backfischen im letzten Jahrhundert.

Die Welt ist ja so chaotisch, ordinär und arm; vor allem diese Armut ... der Schmutz drum rum – furchtbar. Aber Barbies helles Köpfchen genügt, um da durchzulächeln, tapfer weiter zu lächeln. Oder, wie Ivanka schrieb (in ihrem Buch «Playing the Trump Card», natürlich «ein Bestseller»): «Ich mag nervös sein, aber ich werde es nicht zeigen. Ich mag eingeschüchtert sein, aber ich werde es nicht zeigen.»

Bambi im meist weissen oder beigen Kleid, rundum nur böse Welt voller geifernder Loser? «Komm damit klar, Schneeflocke», twitterte ihr mal einer der wenigen, der bei so viel Schein keinen Glanz verspürt. Ein Lümmel. Oder einer, der Ivanka wirklich kennt.

Auf den vielen Schnee gefreut – drei Tage vor Hawaii

Zwei ausgemachte Lümmel waren es auch, welche die Prinzessin am 22. Dezember letzten Jahres entdeckten unter lauter Gemeinen. Die hockten alle eingepfercht in der Holzklasse, bereit für den Schüttelflug von New York nach San Francisco. Mitten drin der designierte Engel der Welt: ungeschminkt, fahrig und blass, vielleicht weil es morgens um 7.48 Uhr war. Jedenfalls nicht zu erkennen für Normalos, weil der Engel auf Hunderten von Heftli-Covers, auf puppenhaften PR-Auftritten vor lauter «Celebrity» völlig unkenntlich geworden war. Was ja auch Sinn der Sache ist: Man schafft nicht mehr Persönlichkeit, sondern einen Brand.

Es brauchte schon zwei New Yorker, um die New Yorker Society-Lady zu erspähen. Plus ihren Mann, den Milliardär und Verleger Jared Kushner, mit dem Ivanka unterwegs war, zusammen mit den drei gemeinsamen Kindern.

Kein Privatjet für die great Pretenders der Demokratie? Matthew Lasner, der New Yorker Uniprofessor, und sein Ehemann, Daniel Goldstein, konnten es nicht fassen. Sie twitterten und sie geigten Ivanka auch direkt ihre Meinung. Der Professor zitierte Hannah Arendt («Die Banalität des Bösen»). Goldstein rief dem Engel zu: «Dein Vater ruiniert das Land!» Warum sie Economy fliege, ein Zirkus in Bescheidenheit?

In Thailand gibts für Majestätsbeleidigung fünfzehn Jahre im Rattenloch, die Höchststrafe; dagegen ist «Dschungelcamp» Fünfstern-Wellness. In New York wurden die Lümmel einfach aus dem Flugzeug spediert. Ivanka und Familie flogen ab Frisco wirklich im Privatjet weiter – nach Hawaii.

Drei Tage vorher hatte sie noch ein Foto von sich gepostet im Rollkragenpullover und getwittert, sie freue sich riesig auf den Schnee. Goldstein hätte sie eher darauf hinweisen sollen: «Es gibt kein Bier auf Hawaii ...» Im Grunde äusserte sich ihr Vater in letzter Zeit ständig so: «Ich freu mich auf den Schnee», während er sich warm machte für die Palmen. Und umgekehrt. «Das Durcheinander erforschen» – Traumfrau Ivanka sagte es doch; ab heute ist das wirklich Gegenwart.

Unter Jubel begrüsst: Donald Trump
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Trumps Kinder bei der Amtseinführung: (v.l.) Tiffany, Donald Trump Jr. und Ivanka Trump.
Auf dem Weg zum Kapitol.
Demonstranten protestieren vor den Sicherheitseingängen.
Die Obamas und die Trumps vor dem Weissen Haus.
Trump beim Verlassen der Kirche: Nun macht er sich auf den Weg ins Weisse Haus.
Noch-Präsident Obama spaziert durch die Kolonnaden des Weissen Hauses. Hier wird er die Trumps zum Kaffee empfangen.
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Beliebtes Sujet: Donald Trump ist heiss begehrt für Selfies aller Art. Diese beiden Koreaner geben sich als Leibwächter des baldigen US-Präsidenten aus. Der ist allerdings als Wachsfigur anwesend.
Die ersten Trump-Supporter sind in der Hauptstadt angekommen.
Auf den Philippinen demonstrieren Globalisierungsgegner vor der US-Botschaft gegen Donald Trump - kurz vor der Amtseinsetzung.
Trump küsst die Hand seiner Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway während eines Candlelight Dinners in Union Station, am Tag vor der Amtseinsetzung. epa05732768 US President-elect Donald J. Trump (R) kisses the hand of his campaign manager Kellyanne Conway (L) during the Candlelight Dinner at Union Station, one day before Trump is sworn in as the 45th President of the United States in Washington, DC, USA, 19 January 2017. Trump won the 08 November 2016 election to become the next US President. EPA/CHRIS KLEPONIS / POOL
Madonna versucht der Amtseinsetzung von Donald Trump einen positiven Dreh zu geben - anlässlich der Weltpremiere des Films "The Beatles, Eight Days a Week" in London.
Eine Südkoreanerin posiert am Freitag vor einem Papp-Trump vor dem Deoksu Palast in Soul.
Der künftige US-Präsident Donald Trump mit seiner Familie vor dem Lincoln-Denkmal in Washington: Während eines Konzerts zu seinen Ehren versprach Trump unter anderem, Jobs ins Land zurückzubringen.
Das beleuchtete Capitol am Vorabend der Amtseinsetzung. epa05732705 The US Capitol is illuminated the night before President-elect Donald Trump's inauguration in Washington, DC, USA, 19 January 2017. US President-elect Trump will take the oath of office to be the 45th President of the United States at the US Capitol on 20 January 2017. Trump won the 08 November 2016 election to become the next US President. EPA/TANNEN MAURY
In Washington marschiert am Donnerstagabend die Polizei an der 14. Strasse auf, um Ausschreitungen zu verhindern.
Barack Obama muss nach acht Jahren im Weissen Haus umziehen.
Washington DC ist bereit für die Amtseinführung von Donald Trump.
Viele Polizisten werden am Freitag vor Ort sein.
Es werden zwischen 700'000 bis 900'000 Menschen erwartet.
Donald Trump wird am Freitag zum 45. US-Präsidenten gekürt.
Washington DC ist bereit für die Amtseinführung von Donald Trump.
Washington DC ist bereit für die Amtseinführung von Donald Trump.
Washington DC ist bereit für die Amtseinführung von Donald Trump.
Washington DC ist bereit für die Amtseinführung von Donald Trump.

Unter Jubel begrüsst: Donald Trump

EPA/Keystone

TV-Analysen, wo Donalds Hände an Ivankas Leib liegen

Niemand steht jetzt näher dran als sie: beim Präsidenten, dem Disruptiven in Person, Auge in Auge, beide offenbar liebevollen Auges aufeinander.

Es gibt Sendungen amerikanischer Networks, die sich stundenlang mit den Glutpunkten befassen, wo jeweils Donalds Hände am Leib Ivankas liegen. Das ist voyeuristische Heuchelei. Donald kann seine Freude über die perfekte Tochter, die längste Liaison seines Lebens zu einer Frau, nun mal nicht so TV-geschmiert in Worte fassen: «Wäre sie nicht meine Tochter», sagte er, «ich würde sie daten.» Selbst Chauvinisten haben Ideale; Ivanka bemüht sich, das als Kompliment wegzulächeln.

Fotos der beiden aus frühen Jahren, da Ivanka noch ein Teenie war, könnten freilich von listigen Geistern, die Motive gern «aus dem Zusammenhang reissen», durchaus passend erscheinen zur Illustrierung von Humbert Humberts Passionsgeschichte. Aber weil Trump dem Hörensagen nach nur Bücher liest, die er selber über sich geschrieben hat, dürften auch das sinnlos bösartige Vergleiche bleiben.

Hingegen müsste man wohl einen aktuellen Hollywood-Thriller genauso besetzen: Als Good Guy Ivanka, eine selbstbewusste Heroine, Lara Croft als real Deal sozusagen. Der Bad Guy aber wäre ein Glühbirnen-Cowboy, der es zuerst auf den Thron eines Chilbi-Versailles schafft und von dort ins Oval Office. Da vertreibt ihn wohl so bald niemand mehr, ausser Trump würfe vor laufender Kamera die Büste von George Washington um. Ausgeschlossen ist das nicht. Für ein Impeachment (Spottdrosseln nennens neuerdings «Impeement») dürfte das kaum reichen. Alle Schandtaten sind in Trumps Aura zu Kavaliersdelikten zerstoben.

Also könne ihn nur noch eine Macht bändigen und mässigen. Dahin geht die Hoffnung der Welt, jedenfalls, wenn man die politischen Feuilletons liest.

Kein böses Wort gegen den Schutzschild der Zivilisation

Ivanka Trump soll eine Art Exorzismus-Barbie werden an der Seite des Präsidenten. Bei seinen Ausbrüchen und Gewittern der vorderste menschliche Schutzschild der Zivilisation, weil einzige Person, auf die der Narziss-Autist überhaupt noch höre. «Angesichts dessen», schreibt die «Süddeutsche Zeitung», «was der Vater auf Twitter so rausballert, heften sich an die Communiqués der Ivanka ernsthaft letzte zivilisatorische Hoffnungen. Er ist der Affekt, sie ist die Kontrolle.»

Darum verbiete es sich, Ivanka als «blondiertes Zuckerpüppchen zu verhöhnen», abgesehen davon, dass es einfältig sei. Geschenkt – wir haben nicht das geringste Interesse, die Präsidententochter zu verhöhnen. Zu lackiert, zu glatt, zu parfümiert erscheint ihr Dasein. Ein Heftlibild verhöhnt man schliesslich auch nicht; man irrlichtert mit dem Auge drüber weg und blättert um. Der Zweck einer Celebrity ist dann erfüllt, wir sprachen davon, wenn sie als Person im Brand verschwindet, was viele verwechseln mit «darin aufgehen», oft sogar die Celebrity selbst.

Muff, als Papa auf ihren Namen kein Copyright anmeldete

Jeder hätte das Glück stets auch noch etwas realer. Drum postet auch Ivanka viele Bilder ihres an sich längst perfekten amerikanischen Traums weiter, selbst dort, wo sie bloss zum Coiffeur geht. Dann muss auch das neuste Baby schon in Windeln der Welt das Trump’sche «bah» und «boh» mitteilen.

Ivankas Intelligenz wird gerühmt, ihre Souveränität bewundert, das «summa cum laude» ihres Wirtschaftsstudiums betont. Meinetwegen – sei sie smarter als ihre It-Schwestern Hilton und Kardashian; weniger süchtig am Selfie-Business hängt sie keinesfalls. Aus gutem Grund: Es gibt seit dem Januar 2007, als Steve Jobs das iPhone ankündigte, kein wirkungsvolleres Perpetuum-Mobile des Marketings, das Name, Macht und Umsatz bei jedem Hauch weiter in die Höhe schraubt.

Das Kleid der eigenen Linie (138 Dollar), das Ivanka am Parteitag der Republikaner im Juli 2016 getragen hatte, war kurz darauf ausverkauft. Wegen ihres Armreifs in der Sendung «60 Seconds» (9000 bis 13 000 Dollar) gabs Spiessergenöle, aber ihr Shop sauste um die Welt. Mit vierzehn rügte sie den Vater, als in der Nähe ein Laden aufmachte namens «Ivanka’s», er habe es versäumt, ein Copyright auf ihrem Namen anzumelden. Selbst Romantik versiegelte bzw. besiegelte man inhouse: Der Diamantring, den Jared Kushner, heute Ivankas Ehemann, 2008 ihr zur Verlobung schenkte, hatte er in Ivanka Trumps Fine Jewelry gekauft.

Tochter Ivanka Trump gilt als engste Vertraute von Papa Trump
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Donald Trump und Tochter Ivanka an einer Wahlveranstaltung.
Ivanka im Kreise der Familie Tochter Tiffany (aus der Ehe mit Marla Maples), Sohn Donald Trump Jr., Ehefrau Melania Trump, Donals Trump, Tochter Ivanka Trump und Sohn Eric Trump. Vorne: Die Kinder von Donald Trump Jr, Kai und Donald Trump III. Donald Trump ist achtfacher Grossvater.
Tiffany and Ivanka Trump sprechen mit Frauen über Business
Ivanka Trump mit ihrem Vater 2013
2008 bei der Eröffnung des 92-stöckigen Trump Towers

Tochter Ivanka Trump gilt als engste Vertraute von Papa Trump

Charles Krupa/AP

Eine Frage hätten wir doch – und einen Musical-Vergleich

Man kann solches Geschick bewundern – und die Fortüne, in einer goldenen Wiege geboren zu sein, als Charakterzug der Bewunderten gar noch zusätzlich positiv anzurechnen. Solche Startprivilegien Ivanka anzulasten als Makel, wäre in der Tat einfältig.

Aber eine Frage hätten wir doch: Warum soll es weniger einfältig sein, jetzt eine einzige Person mit der ganzen Hoffnung auf politische Vernunft zu betrauen, eine Person notabene, die nicht zur Wahl stand, als Millionen vernünftiger Menschen einen Präsidenten Trump gewählt hatten?

Die Figur der Hoffnung sei ja eben nicht der Präsident, der gestern sein Amt antrat. Sondern seine Tochter, seine Beraterin und Vertraute. Plötzlich zaubern also Demokratien Prinzessinnen aus dem Hut, wie Disneys Filmfabrik «Die Schöne und das Biest». Oder einen Musical-Mythos, wie bei Evita und ihrem faschistischen Präsidentengatten Juan Perón in Argentinien.

Es geht nicht um Persönliches. Es geht auch nicht um den Puppen-Götzendienst, der um Ivanka herum veranstaltet wird, zum Beweis, dass skrupelloser Kapitalismus und vulgärer Sozialdarwinismus zu Reichtum und Schönheit verhilft. Es geht einzig und allein um die zweifelhafte Rolle und Bedeutung eines im Glamour aufgewachsenen und fürs Branding geschmiedeten Retortengeschöpfs, das jeglicher demokratischen Legitimation entbehrt.