Hochwasser
Die Katastrophe wird immer schlimmer: In Deutschland steigt die Zahl der Toten nach dem Hochwasser auf mehr als 130

Am Tag drei nach den verheerenden Fluten im Westen Deutschlands steigt die Zahl der Toten weiter. Bundespräsident Steinmeier kommt ins Katastrophengebiet, um sich ein Bild zu machen. Auch die Kanzlerin hat sich angekündigt.

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Feuerwehrleute inspizieren die vom Hochwasser hart getroffene Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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Feuerwehrleute inspizieren die vom Hochwasser hart getroffene Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Trümmer eingestürzter Gebäude in Erftstadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Hier haben die Wassermassen sogar Autos weggespült.
Nahe einer Kiesgrube bei der Gemeinde Erftstadt sorgten die Wassermassen für diesen Erdrutsch.
Trümmer von Häusern in Schuld.
Dieses Drohnenbild zeigt das Ausmass der Zerstörung durch das Hochwasser in Erftstadt, südwestlich von Köln.
Bahngleise wurden in der Gemeinde Altenahr vom Hochwasser unterspült. Starkregen führte zu extremen Überschwemmungen.
Rheinland-Pfalz: Der Friedhof in Altenahr ist vom Hochwasser überflutet.
Die Einrichtung einer Gaststätte in Altenahr wurde durch das Hochwasser zerstört.
Ein zerstörter Wohnwagen und andere Trümmerteile liegen neben einem Gleis.
Nordrhein-Westfalen, Heimerzheim: Eine Straße im Ortskern ist überflutet.
Rheinland-Pfalz, Schuld: Durch das Hochwasser schwer beschädigte Häuser.
Rheinland-Pfalz, Bad Neuenahr: Ein Kleingartengelände steht unter Wasser.
Rheinland-Pfalz, Bad Neuenahr: Der Lagerplatz eines Getränkemarkts steht unter Wasser.
Rheinland-Pfalz, Schuld: Zwei Frauen stehen neben Trümmern vor einem Haus in dem Ort im Kreis Ahrweiler am Tag nach dem Unwetter mit Hochwasser. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört.
Nordrhein-Westfalen, Hagen: Ein Auto steht begraben von Geröll im Ortsteil Hohenlimburg.
Nordrhein-Westfalen, Trier: Das Klinikum Mutterhaus Ehrang steht unter Wasser und wurde komplett notevakuiert.
Rheinland-Pfalz, Insul: Weitgehend überflutet ist das Dorf Insul in Rheinland-Pfalz nach massiven Regenfällen (Luftaufnahme mit Drohne).
Rheinland-Pfalz, Kordel: Der Ort ist vom Hochwasser der Kyll überflutet.
Rheinland-Pfalz: In der Nähe der Ortschaft Speicher ist eine Brücke über die Kyll vom Hochwasser weggerissen worden.
Rheinland-Pfalz, Kordel: Ein Regionalzug steht im Bahnhof des Ortes im Wasser. Der Strom viel aus und die Bahn blieb am Mittwoch liegen.
Nordrhein-Westfalen, Euskirchen: Ein Wohnwagen hängt im Uferbereich der Erft an einer Brücke.
Rheinland-Pfalz, Schuld: Zwei Feuerwehrleute gehen in dem Dorf im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter mit Hochwasser durch den Schutt.
Rheinland-Pfalz, Schuld: Schutt liegt in dem Ort im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter und den Überschwemmungen vor einem Haus.

Feuerwehrleute inspizieren die vom Hochwasser hart getroffene Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Friedemann Vogel / EPA

Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ist die Zahl der Toten auf mehr als 130 gestiegen. Die Polizei bezifferte allein die Zahl der Todesopfer im Grossraum Ahrweiler bis Samstagmorgen auf über 90. Es sei zu befürchten, dass noch weitere hinzukämen, teilte die Polizei Koblenz am Samstag mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. Mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden immer noch Menschen vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte.

Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern in Rheinland-Pfalz gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362. In der Region gehen unterdessen die Such- und Rettungsarbeiten weiter. Noch immer sind Tausende Rettungskräfte in der Eifel, wo in der Nacht zum Donnerstag die Wassermassen ganze Orte verwüstet hatten.

In der Nacht war die Polizei nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Strassen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar.

Unterstützung durch den Bund zugesichert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Samstag in den von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis (Nordrhein-Westfalen), Bundeskanzlerin Angela Merkel plant einen baldigen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz. Bei einer Videokonferenz mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sie am Freitag kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen zugesichert.

Angela Merkel spricht in Washington den Opfern des Hochwassers ihr Mitgefühl aus. Nun plant sie einen Besuch in einer der betroffenen Regionen.

Angela Merkel spricht in Washington den Opfern des Hochwassers ihr Mitgefühl aus. Nun plant sie einen Besuch in einer der betroffenen Regionen.

Bild: Shawn Thew / EPA

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes besucht Steinmeier am Mittag zusammen mit Laschet Erftstadt, wo in den vergangenen Tagen zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren. Er will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Bis Freitagabend war noch offen, ob es in Erftstadt Todesopfer zu beklagen gibt. «Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht», sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU).

Durch das Abfliessen der Wassermassen werden die von den Fluten angerichteten Schäden an Ahr und Mosel sichtbar. Auch die Infrastruktur hat schweren Schaden genommen: In dem besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler sind Strassen gesperrt und Brücken zerstört, der Zugverkehr ist in Rheinland-Pfalz wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt.

Gewaltige Erdrutsche

Eine besonders dramatische Lage hatte sich in Erftstadt-Blessem südwestlich von Köln ergeben: Dort kam es zu gewaltigen Erdrutschen, es bildeten sich Krater im Erdreich, drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

Historisches Ausmass der Zerstörung in Deutschland.

Historisches Ausmass der Zerstörung in Deutschland.

Rhein-Erft-Kreis / AP

Laschet beklagte am Freitag eine «Flut-Katastrophe von historischem Ausmass». Es sei zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen. Seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), nannte die Lage «weiterhin extrem angespannt in unserem Bundesland». Sie fügte in Trier hinzu:

«Das Leid nimmt auch gar kein Ende.»

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock reiste nach dem Abbruch ihres Urlaubs in die Krisengebiete. Wie eine Sprecherin am Freitagabend mitteilte, will sich die Parteichefin vor Ort über die Lage der Menschen informieren. Dabei verzichte sie bewusst auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte. Den Angaben zufolge traf Baerbock am Freitag in Mainz ein. Auf Twitter schrieb sie dazu: «Die Gespräche gehen unter die Haut. Nach wie vor sind nicht alle Orte erreicht, Menschen weiter abgeschnitten. Zugleich gibt es eine unglaubliche Solidarität zu helfen, Betroffene zu Hause aufzunehmen und zu unterstützen.» Für Samstag sind weitere Termine Baerbocks in Nordrhein-Westfalen angesetzt.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Wir wissen, dass solche Extremwetterereignisse zunehmen werden. Daher brauchen wir entsprechende Anstrengungen beim Klimaschutz - in Deutschland, aber auch weltweit.» Die Akteure in Bund, Land, Städten und Kreisen sowie Hilfsorganisationen seien «leistungsfähig, aber für bundesweite Krisenszenarien brauchen wir einen verlässlichen Rahmen». Es dürfe nicht so weit kommen, dass das Leben an Flüssen und Küsten in Deutschland nicht mehr möglich sei.

Wirksame Klimaschutzmassnahmen ergreifen

Nach den Worten von Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter muss Deutschland seine Massnahmen für den Klimaschutz verbessern. Er sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: «Studien zeigen, dass Ereignisse wie die verheerenden Hitzewellen in Nordamerika oder die Flutkatastrophe in Deutschland durch die Klimakrise wahrscheinlicher und heftiger werden. Wir müssen in allen Bereichen beim Klimaschutz draufsatteln.»

Das EU-Klimapaket sei ein guter Startpunkt. «Jetzt müssen wir in Deutschland nachlegen und wirksame Klimaschutzmassnahmen ergreifen. Zugleich brauchen wir eine aktive Vorsorgepolitik, um uns an die neuen Klimarealitäten anzupassen» - also mehr und ökologischeren Hochwasserschutz, Flächenentsiegelung und hitzeangepasste Städte.

Nach der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands steigt die Anzahl an Todesopfern weiter.

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