Kommentar
Gute Aussichten für Amerika und die Welt

„Vorwärts!" hiess Obamas Slogan im Wahljahr 2012. Der alte und neue Präsident Amerikas hat nun noch einmal vier Jahre erhalten, um seine Visionen von 2008 in die Praxis umzusetzen - dieses Mal unter günstigeren Wirtschaftsbedingungen.

Christian Nünlist
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US-Präsident Obama begrüsst Anhängerinnen und Anhänger in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin

US-Präsident Obama begrüsst Anhängerinnen und Anhänger in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin

Keystone

Der frühere Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski nannte Barack Obama einmal ein „politisches Jahrhunderttalent" und lobte ihn für sein „Gespür für den historischen Moment". Obama hatte 2004 während seiner fulminanten Rede auf dem Parteitag der Demokraten versprochen, die Gegensätze zwischen dem „roten" und „blauen" Amerika zu überwinden. Vier Jahre später war der Wandel des vergifteten Politspiels in Washington eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen gewesen; Obama hatte für eine Aufbruchsstimmung im Land wie zuletzt unter John F. Kennedy gesorgt.

Der schwer krebskranke Ted Kennedy sprach damals auch in einer bewegenden Rede davon, dass die Fackel Amerikas nun an eine neue Generation übergeben werde: „Die Hoffnung wächst wieder und unser Traum lebt weiter."

Der grossartige Redner riss damals die Amerikaner und die Menschen weltweit mit. Erstmals zog im Januar 2009 ein Weltbürger ins Weisse Haus ein, doch Obamas Amtszeit begann unter ausserordentlich schweren Umständen. Der neue Präsident musste Amerika aus der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 70 Jahren reissen, es drohte ein Abgleiten in eine Grosse Depression. Und er musste es ohne die Hilfe der Oppositionspartei machen, denn die Republikaner verweigerten die Zusammenarbeit mit Obama von allem Anfang an.

Auf die deutliche Wahlniederlage vom November 2008 reagierten sie mit einem simplen Plan. Sie würden fortan permanent „Angst wecken" und „möglichst viele negative Emotionen gegen die Obama-Regierung schüren", wie ein internes Strategiepapier der Republikaner verrät. Die fundamentale Obstruktionspolitik der Republikaner wurde im November 2010 bei den Kongresswahlen belohnt.

Im Sog der geplanten epochalen Gesundheitsreform war es im ganzen Land zu hässlichen Protesten gegen Obama gekommen, die Tea-Party schoss mit Hitler und Stalin als Wahlhelfer gegen den Präsidenten. Tom Brokaw, die Reporterlegende von NBC, beklagte sich: „Was ist bloss mit diesem Land passiert, das ich zu kennen glaubte?"

Doch hinter all dem Schall und Rauch der Tea-Party-Bewegung und den vielen Lügen, die im langen Wahlkampf 2012 verbreitet wurden, ging die Tatsache verloren, dass Obama trotz der Fundamentalopposition der Konservativen und trotz der immens schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der zweiten Amtshälfte insgesamt als Präsident bereits erfolgreicher war als nahezu alle seiner Vorgänger.

In den ersten beiden Jahren brachten Obama und der demokratisch kontrollierte Kongress bemerkenswert viele Grossgesetze auf den Weg, Obama legte dabei laut James Hohmann vom Politmagazin „Politico" ein „rekordträchtiges Arbeitspensum" hin. Präsident Obama zielte stets hoch: historisches Wirtschaftspaket, weltweite Atomabrüstung, Klimawende, Neuausrichtung der Aussenpolitik. Dazu kam der Abzug aus Irak und Afghanistan sowie das Aufstöbern und Ausschalten von Kaidaterrorist Osama Bin Laden.

„Vorwärts!" hiess Obamas Slogan im Wahljahr 2012. Der alte und neue Präsident Amerikas hat nun noch einmal vier Jahre erhalten, um seine Visionen von 2008 in die Praxis umzusetzen - dieses Mal unter günstigeren Wirtschaftsbedingungen. Barack Obama hat nun die Gelegenheit, doch noch der transformativste Politiker Amerikas seit Robert F. Kennedy zu werden. Das sind gute Aussichten für Amerika und die Welt.

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