Glosse
Frankreichs Linke auf Kandidatenschau: Ein Hase aus der Wahlurne

Frankreichs Linke sucht bei den Präsidentschaftswahlen verzweifelt eine Einheitskandidatur zu zimmern.

Stefan Brändle, Paris
Stefan Brändle, Paris
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Will er nochmal? Francois Hollande schockiert seine eigenen Parteifreunde mit Überlegungen für eine erneute Kandidatur.

Will er nochmal? Francois Hollande schockiert seine eigenen Parteifreunde mit Überlegungen für eine erneute Kandidatur.

Olivier Hoslet / EPA

Es ist brutal, aber wahr: Frankreichs linke Präsidentschaftsanwärter, als da sind der «Unbeugsame» Jean-Luc Mélenchon, der Grüne Yannick Jadot, die Linksradikale Christiane Taubira und die Sozialistin Anne Hidalgo, kommen zusammen auf weniger Umfragestimmen als Präsident Emmanuel Macron – knapp 25 Prozent. Und vor allem treten sie nicht zusammen an, sondern getrennt. An die Zeiten, als ein François Mitterrand dank dem «programme commun», dem gemeinsamen Programm der Sozialisten und Kommunisten, triumphal in den Elysée-Palast einzog, erinnern sich nur ein paar Nostalgiker.

Und jetzt ein paar Jungbürger. Ein Pariser Paar, das der Selbstzerfleischung ihres Lagers nicht länger zuschauen will, organisiert seit Donnerstag eine «primaire populaire» im Internet. Und siehe da, bei dieser «Volksprimärwahl» schrieben sich aus dem Nichts über 460000 Wähler ein – eine Flutwelle von der Basis her. Das Resultat soll am Sonntag bekanntwerden.

Alle wollen antreten

Das Dumme ist: Niemand wird sich daran halten. Alle Favoriten haben bereits klargemacht, dass sie im April auf jeden Fall antreten werden. Mélenchon sagte, er habe «besseres zu tun als bei obskuren Machenschaften mitzumachen, um einen Hasen aus dem Hut zu zaubern». In den sozialen Medien gibt es viel Kritik an den Solotouren: Sie unterstützten nur noch den Aufschwung der Rechten, die mit Eric Zemmour und Marine Le Pen diesmal gleich zwei chancenreiche Kandidaten haben.

Als wäre das Kandidatengerangel nicht gross genug, hat sich diese Woche ein alter Name neu in Erinnerung gerufen: François Hollande, Präsident von 2012 bis 2017, erklärte in einer Schulklasse, wo er sich gefilmt wusste: «Ein ehemaliger Staatschef kann sehr wohl Politik machen und nochmal kandidieren.» Um zu versprechen, er werde «bald das Wort ergreifen». Selbst Parteifreunden stockte der Atem: Eine weitere Kandidatur der französischen Linken? Die wievielte, vermöchte niemand mehr zu sagen.

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