Unter sich
G7 spenden eine Milliarde Impfdosen – und feiern die Post-Trump-Ära

Hilfsorganisationen kritisieren den Impfstoff-Entscheid des Länderverbundes als nutzlose «Wohltätigkeitsaktion».

dpa
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Windige Angelegenheit: die G-7-Staatschefs und die EU-Spitzen am Freitag an der Küste von Cornwall.

Windige Angelegenheit: die G-7-Staatschefs und die EU-Spitzen am Freitag an der Küste von Cornwall.

Bild: Getty Images (11. Juni 2021)

Nach Jahren der Krise ziehen die USA und ihr neuer Präsident Joe Biden mit den anderen führenden westlichen Demokratien wieder an einem Strang. Kanzlerin Angela Merkel sagte am Freitag im südwestenglischen Cornwall, Biden «repräsentiert das Bekenntnis zum Multilateralismus, das uns in den letzten Jahren gefehlt hat».

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie wollen die G7-Staaten eine Milliarde Impfstoffdosen an ärmere Länder abgeben. Mit Blick auf die Impfstoff-Initiative sagte die im Herbst scheidende Kanzlerin:

«Ich hoffe, dass wir hier sehr gute Ergebnisse erreichen, um zu zeigen: Wir denken nicht nur an uns, sondern wir denken auch an diejenigen, die noch keine Chance haben, geimpft zu werden.»

In den vergangenen Jahren standen die G7 wegen der protektionistischen Politik von Bidens Vorgänger Donald Trump kurz vor der Spaltung. Biden will das vergessen machen und bezeichnete das Impfstoff-Vorhaben als «historisch». Er freue sich, gemeinsam mit den verbündeten Nationen und Alliierten auf eine fairere Weltwirtschaft hinzuarbeiten, bei der niemand vergessen gehe, schrieb der US-Präsident auf Twitter.

WHO sagt, es brauche 11 Milliarden Impfdosen

Entwicklungsorganisationen kritisierten unterdessen die G7-Pläne für eine Milliarde Impfdosen an ärmere Länder als unzureichend. Gefordert wurde vielmehr eine Aufhebung des Patentschutzes für Impfstoffe, die Weitergabe von Technologie zur Impfstoffproduktion und Investitionen in regionale Produktion weltweit.

«Wohltätigkeitsaktionen» könnten die Krise der welt-weiten Impfstoffversorgung nicht beheben, liess die Organisation Oxfam verlauten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) halte elf Milliarden Impfdosen für nötig – oder zumindest acht Milliarden, um für eine Herdenimmunität 80 Prozent der Bevölkerung in Ländern mit geringem oder mittleren Einkommen zu impfen.

Auf der Agenda für den dreitägigen G7-Gipfel in England steht auch die gewaltige Herausforderung, die Weltwirtschaft nach der grössten Pandemie seit 100 Jahren wieder in Schwung zu bringen. Zudem geht es um den Kampf gegen den Klimawandel. (dpa)