Nordkorea
Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei: «Terroristen sind gefährlicher als Nordkorea»

Nordkorea rasselt weiter mit dem Säbel. Damit verunsichert das Land nicht nur seinen südlichen Nachbarn sondern auch die Welt. Der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde sieht jedoch keinen Grund zur Panik.

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Keystone

Trotz neuster Drohgebärden von Nordkorea gegen Südkorea und die USA gibt der Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei Entwarnung.

Er rechne nicht mit einem Krieg in Korea, sagt der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». «Die Nordkoreaner benutzen ihre Kriegsmaschinerie, um die Welt auf ihre schreckliche wirtschaftliche Lage und ihre politische Isolation aufmerksam zu machen. Aber sie wissen genau, dass sie einen Krieg nicht gewinnen können.»

Baradei beunruhigt Terroristen vielmehr

Alarmiert ist El Baradei jedoch über eine neue Gefahr: Der Ägypter hat Angst, dass terroristische Gruppen in den Besitz von Atomwaffen kommen. Dies hätte verheerende Folgen: «Zwischen Staaten funktionierte immer die gegenseitige Abschreckung. Extremistische Gruppen hingegen sind bereit, für ihre Ideologie ihr Leben zu opfern. Das ändert die Lage komplett.»

Die Menschheit sei daran, sich zu zerstören, sagt El Baradei. Es sei eine Art Supermarkt für atomare Waffen entstanden. «Seit der Kubakrise war die Gefahr, dass eine Atombombe wirklich eingesetzt wird, nie mehr so gross wie heute. Wenn extremistische Gruppen Atomwaffen haben, dann werden wir alle untergehen. Terroristen sind gefährlicher als Nordkorea.»

Frustration über Verhandlungen mit Iran

Über den anhaltenden Atomstreit mit Iran zeigt sich El Baradei «sehr frustriert», weil man das Problem mit Iran schon vor sechs Jahren hätte lösen können. «Die USA haben die Situation blockiert: Sie beharren darauf, dass Iran sein ganzes Atomprogramm aufgibt, bevor sie überhaupt verhandeln wollen. Das ist nicht nur unrealistisch, sondern arrogant. Die USA haben die Iraner praktisch dazu getrieben, ihre Atomanlagen im Untergrund weiterzubauen. Und die Sanktionen haben dazu geführt, dass Iran sein Waffenarsenal noch vergrössert hat.»

El Baradei lehnt eine härtere Gangart gegen den Iran ab. «Das würde nur die Hardliner und Extremisten stärken. Es gäbe einen nationalen Zusammenschluss, Opposition wäre noch weniger möglich. Und der Einfluss Irans im Nahen Osten würde gestärkt.»

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