Flashmob
Ex-Fussballer plant den Aufstand gegen die Banken

Am Dienstag sollen international Banken zusammenbrechen. Die Idee stammt vom französischen Ex-Fussballer Eric Cantona.

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Eric Cantona

Eric Cantona

Keystone

Eine Revolution im 21. Jahrhundert sieht anders aus als zu Zeiten des Ancient Régime. Kein Sturm auf die Bastille, keine Monarchen, die auf dem Schafott geköpft werden. Nein, heute gehen die Leute zur Bank und heben ihr ganzes Geld ab. Und zwar alle gleichzeitig.

So zumindest stellen sich das zwei Aktivisten aus Frankreich und Belgien vor. Auf ihrer Homepage bankrun2010.com fordern sie Internetnutzer auf, am 7. Dezember Sparkonten zu plündern. Die Aktivisten wollen so ein «„korruptes System» mit bekämpfen.

Unterstützung von Ex-Fussballstar Eric Cantona
Die Idee ist nicht neu, bekommt aber prominente Unterstützung: vom ehemaligen Fussballstar Eric Cantona. Der einstige Stürmer von Manchester United sagte in einem Interview mit der in Nantes erscheinenden Regionalzeitung «Presse Océan», mit Demonstrationen würden die Menschen ihre Zeit verschwenden. Sie sollten zu härteren Aktionen übergehen.

Einen Vorschlag für eine solche «härtere Aktion» lieferte er gleich mit: «Wenn 20 Millionen Menschen gleichzeitig ihr Geld abheben, dann bricht das System zusammen. Die Revolution läuft über die Banken. Keine Waffen, kein Blut, nichts dergleichen.» Er glaube nicht, dass man glücklich sein könne, wenn man von der Misere weiss, in der so viele Leute leben. Allein in Frankreich sind es 3 Millionen Menschen, die auf der Starsse hausen.» Von der Regionalzeitung aus verbreitet sich die Botschaft übers Netz: Das Interview ist auch auf Youtube zu sehen.

Digitale Reinkarnation des Mobs
Den wütenden Mob, eigentlich eine Erscheinung aus dem vorindustriellen Zeitalter, gibt es im 21. Jahrhundert in einer neuen Form. Er organisiert sich übers Internet und wird Flashmob genannt. Dabei verabreden sich Menschen im Netz für gemeinsame Aktionen, für den 7. Dezember zu einem Bankrun.

Seit Mitte November verbreiten Blogs und Nutzer in sozialen Netzwerken die Idee. Mittlerweile gibt es Dutzende Facebook-Seiten in mehreren Sprachen. Auf der populärsten, der französischsprachigen Facebook-Seite mit dem Titel „Revolution! Le 7 Decembre on va tous retirer notre argent des banques!" (Revolution! Am 7. Dezember heben wir alle unser Geld von den Banken ab) haben mehr als 30 000 User angekündigt, sich an der Aktion zu beteiligen. Die deutschsprachige Facebook-Seite («Bankenrevolte 7. Dezember») ist weniger gut besucht: 69 User haben den «Like-Button» angeklickt. Wobei ohnehin nur ein Bruchteil tatsächlich mitmachen dürfte. Denn ein solcher Mitmach-Button ist im revolutionären Eifer ja schnell geklickt.

Angriff auf die Bargeld-Reserven

Und trotzdem bleibt die Frage: Welchen Schaden können die Aktivisten anrichten? Schliesslich treffen sie die Finanzinstitute an einer empfindlichen Stelle. Der Aufruf zum Bankrun erinnert an die britische Bank Northern Rock, vor der Kunden im September 2007 Schlange standen, um ihr Geld abzuheben - ein Albtraum für jede Bank. Denn nur ein Bruchteil der Geldanlagen ist tatsächlich als Bargeld verfügbar. Die Bank war im Zuge der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten.

Ganz so einfach ist es dann doch nicht, sein Konto auf einen Schlag zu räumen. Sparhefte haben beispielsweise eine Rückzugslimite von 10 000 Franken, bei Konten ist diese meist höher. Termingelder auf 3 Monate können erst nach Ablauf dieses Termins abgezogen werden, das gleiche gilt für Kassenobligationen - ausser man findet einen Käufer. Der Bankenprofessor Hans Geiger erklärt: «Es ist rein ablauf-technisch nicht möglich, dass eine Million Kunden am gleiche Tag an den UBS-Schaltern ihr Geld abhebt.»

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