Es brodelt im Persischen Golf – was Sie über die Kaperung des britischen Tankers «Stena Impero» wissen müssen

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Festsetzung eines britschen Tankers im Persischen Golf.

Michael Wrase aus Limassol
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Wie geht es beim Säbelrasseln im Persischen Golf weiter? (Bild: Morteza Akhoondi/Tasnim News Agency via AP, 21. Juli 2019)

Wie geht es beim Säbelrasseln im Persischen Golf weiter? (Bild: Morteza Akhoondi/Tasnim News Agency via AP, 21. Juli 2019)

Warum gelingt es Iran problemlos, einen britischen Tanker zu kapern?

Iran kontrolliert am Persischen Golf mehr als 1200 Kilometer Küste. Hinzu kommen zahlreiche vorgelagerte Inseln. Die Wege für die Schnellboote der Revolutionsgardisten sind äusserst kurz. Die Kaperung der «Stena Impero» dauerte weniger als zehn Minuten.

Iran wirft dem Tanker vor, mit «gefährlichen Bewegungen gegen die internationalen Regeln verstossen zu haben». Ist da etwas dran?

Die «gefährlichen Bewegungen», angeblich eine von der Crew ignorierte Kollision mit einem iranischen Fischerboot, waren sicherlich nicht der wahre Grund. Das geben die Iraner indirekt auch zu. Sie verweisen auf die «illegale Beschlagnahme» des iranischen Tankers «Grace 1» vor Gibraltar durch die britische Marine vor zwei Wochen, der gegen EU-Sanktionen verstossen haben soll. Es handelt sich um einen iranischen Revancheakt.

Die Iraner bestreiten, gegen EU-Sanktionen verstossen zu haben und werfen den Briten «Piraterie» vor. Was ist davon zu halten?

Die Sachlage ist wohl komplizierter. Der spanische Aussenminister Josep Borrell hat klargestellt, dass die Beschlagnahmung der «Grace 1» aufgrund einer Bitte der USA erfolgte. Auftraggeber war laut der britischen Zeitung «Guardian» Trumps Sicherheitsberater John Bolton, der mit maximalem Druck auf Iran einen Regime Change erzwingen will. Die von den Wirren des Brexit abgelenkte Regierung in London habe die Folgen nicht bedacht und sei womöglich «in eine Falle der USA getorkelt».

Wie wird London reagieren?

Sicherlich nicht militärisch. Im Alleingang würde Grossbritannien gegen Iran den Kürzeren ziehen. Und eine Waffenbruderschaft mit den USA kommt nach dem Irakkrieg von 2003 für London nicht infrage. Das wussten die Iraner, als sie die «Stena Impero» kaperten.

Droht London Teheran mit Sanktionen?

Die von den USA gegen Iran verhängten Sanktionen sind so umfassend, dass Iran sich vor neuen Massnahmen nicht fürchten muss. Im Grunde genommen will London keine Eskalation mit Teheran, sondern bemüht sich zusammen mit Deutschland, Frankreich, Russland und China um die Rettung des Atomabkommens.

Wird das gelingen?

Seitdem sich die Iraner nicht mehr an die im Atomabkommen festgelegte Begrenzung für Urananreicherung halten, haben sich die Staatschefs der noch verbliebenen Vertragsparteien in die Rettungsbemühungen eingeschaltet. Das ist positiv. Nach den vielen Zwischenfällen in der Golfregion haben alle Parteien Angst davor, dass die Lage eskaliert.

Welche Strategie verfolgt Teheran?

In seinem Ringen mit dem Westen setzt Iran auf eine Strategie der kalkulierten Eskalation. Lange kann das aber nicht gut gehen. Umso wichtiger sind diplomatische Bemühungen zur Rettung des Atomabkommens. Erst dann wird in der Region des Persischen Golfs wieder Ruhe einkehren.

Hat die Kaperung der «Stena Impero» Auswirkungen auf die Weltwirtschaft?

Die Ölpreise sind nur moderat gestiegen. Und die Märkte haben den Schock vom Freitag bereits verdaut. Das heisst, man vertraut noch der Diplomatie. Ein Krieg am Persischen Golf wäre für die Weltwirtschaft dagegen eine Katastrophe, deren Folgen nicht abzuschätzen sind.