Pistorius-Urteil
«Er wird auf jeden Fall eine eigene Zelle bekommen»

Oscar Pistorius wäre im Falle einer Haftstrafe wohl kein Gefangener wie jeder andere. Verglichen mit anderen Häftlingen würde er ein recht komfortables Leben führen, meinen Experten. Ganz im Gegensatz zu den 160'000 anderen Insassen in Südafrika.

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Oscar Pistorius beim Verlassen des Gerichts.

Oscar Pistorius beim Verlassen des Gerichts.

Keystone

Aller Wahrscheinlichkeit nach würde der 27-jährige Sportstar seine Strafe in einem Gefängnis in oder nahe der Hauptstadt Pretoria absitzen, wo er lebt, sagt der Kapstädter Strafrechtler Lovell Fernandez. Er hält Privilegien wie besseres Essen oder Sportmöglichkeiten für möglich.

"Pistorius könnte in einem Spitaltrakt des Gefängnisses untergebracht werden, der deutlich bequemer ist als die normalen Trakte", sagt der Kapstädter Strafverteidiger Keith Gess.

Auch Golden Miles Bhudu von der südafrikanischen Gefangenenorganisation für Menschenrechte ist sich sicher, dass eine wohlhabende Persönlichkeit wie Pistorius eine Vorzugsbehandlung bekäme. "Er wird auf jeden Fall eine eigene Zelle bekommen, separat von den anderen Gefangenen." Seine Berühmtheit sowie seine Behinderung würden eine Einzelzelle rechtfertigen, meint Bhudu.

Oscar Pistorius spricht im Mordprozess zum ersten Mal im Zeugenstand
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Oscar Pistorius vor Gericht im Gericht in Pretoria
Richterin Thokozile Masipa
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Dar Angeklagte erscheint zur Urteilsverkündung vor Gericht.
Carl Pistorius, der Bruder des Angeklagten. Wegen eines Autounfalls kann er seine Beine derzeit ebenfalls nicht benutzen.
Pistorius während des Prozesses.
Oscar Pistorius wird von Wienkrämpfen geschüttelt.
Bei einer Verurteilung droht dem Paralympics-Star lebenslange Haft.
Das Opfer: Reeva Steenkamp
Oscar Pistorius an den Olympischen Spielen 2012 in London
Das Haus von Oscar Pistorius

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Keystone

Miese Zustände

Tatsächlich friste die grosse Mehrheit der 160'000 südafrikanischen Häftlinge ein Dasein unter erbärmlichen Umständen, sagt der Aktivist. Man finde durchaus bis zu 100 Gefangene in einer Zelle, die eigentlich nur für 40 ausgelegt sei.

"Es werden die ganze Zeit Gefangene vergewaltigt. Die Aufseher werden bestochen, damit sie wegschauen und behaupten, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt", sagt Bhudu. "Einflussreiche Leute haben bessere Haftbedingungen", meint der Aktivist.

Anwalt Gess sagt: "Wenn man Geld hat, ist das Leben im Gefängnis deutlich einfacher. Gefangene sind dann in der Lage, einen Fernseher zu bekommen, Brathähnchen, Whisky und einige hatten auch schon Partys."

Vorzeige-Prozess

Die Justizvollzugsbehörden wollten sich vor dem Urteil nicht zu möglichen Haftbedingungen des Angeklagten äussern. Allerdings hat der Pistorius-Prozess als solcher bereits ein Schlaglicht auf die Privilegien der Reichen geworfen, findet Strafrechtsprofessor Stephen Tuson.

Nicht nur, dass der Sportstar in der Lage war, eine Kaution von umgerechnet gut 85'000 Franken zu bezahlen und sich die besten Anwälte zu leisten. Der Prozess habe der Welt auch ein gut funktionierendes Rechtssystem gezeigt, das keineswegs der Realität in südafrikanischen Gerichten entspreche.

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