Herz-Kreislaufversagen
Er hat Deutschland wiedervereinigt – jetzt ist Ex-Aussenminister Hans-Dietrich Genscher (†89) tot

Der langjährige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher ist tot. Der FDP-Politiker starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 89 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen, wie sein Büro in Bonn mitteilte.

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Hans-Dietrich Genscher
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Genscher war - von 1974 bis 1992 - 18 Jahre lang Aussenminister und in dieser Funktion massgeblich an den Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung beteiligt.
In Deutschland gehörte er zu den beliebtesten Spitzenpolitikern und zu den prägenden Persönlichkeiten der FDP. Der Politiker, dessen Markenzeichen ein gelber Pullover war, musste immer wieder mit gesundheitlichen Problemen kämpfen.
Zwei alte Chefdiplomaten unter sich: Genscher (rechts) mit Henry Kissinger, dem ehemaligen US-Aussenminister. (Bild von 2014)
Bei der Prager Botschaft: Genscher flankiert vom ehemaligen tschecheslowakischen Aussenminister Lubomir Zaoralek (links) und dem aktuellen deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. 25 Jahre zuvor, am 30. September 1989, war es hier zu einem historischen Moment gekommen: Genscher verkündete hier 4500 Flüchtlingen aus der DDR, dass sie in den Westen ausreisen dürfen.
25. November 1980: Genscher, damals schon deutscher Aussenminister, mit dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt. Zwei Jahre später kehrte Genschers FDP der SPD von Schmidt den Rücken zu und regierte mit der CDU unter Kanzler Helmut Kohl.
Checkpoint Charlie in Berlin im Juni 1990: Die Aussenminister James Baker III, Roland Dumas, Hans-Dietrich Genscher und Eduard Shevardnadze.
Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht dem früheren Bundesaussenminister Hans-Dietrich Genscher in Berlin die Auszeichnung Goldene Henne, während der ehemalige Präsident der Tschechischen Republik, Vaclav Havel. (2009)

Hans-Dietrich Genscher

/AP/MARTIN MEISSNER

Genscher war - von 1974 bis 1992 - 18 Jahre lang Aussenminister und in dieser Funktion massgeblich an den Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung beteiligt. In Deutschland gehörte er zu den beliebtesten Spitzenpolitikern und zu den prägenden Persönlichkeiten der Liberalen. Von 1974 bis 1985 war er Vorsitzender der FDP.

1992 hatte sich Genscher von seinen Ämtern zurückgezogen. Auch nach dem Ausscheiden aus seinen politischen Ämtern hatte Genscher sich regelmässig zu aktuellen politischen Themen zu Wort gemeldet.

Der Politiker, dessen Markenzeichen ein gelber Pullover war, musste immer wieder mit gesundheitlichen Problemen kämpfen.

Die deutsche Regierung hat Hans-Dietrich Genscher in einer ersten Reaktion als grossen Staatsmann gewürdigt.

Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte am Freitag in Berlin, Genscherhabe wie ganz wenige andere die Geschicke Deutschlands beeinflusst. Er nannte ihn einen grossen Europäer und grossen Deutschen.

Auch Aussenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Genscher als "grossen Deutschen und grossen Europäer". "Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm gewiss", erklärte Steinmeier am Freitag am Rande eines Besuchs in Tadschikistan. Genscher habe "in seinem langen und bewegten Leben buchstäblich Geschichte geschrieben".

"Herausragende Persönlichkeit"

Bundespräsident Joachim Gauck ehrte Genscher als "herausragende Persönlichkeit in der Geschichte unseres Landes". Gauck erinnerte am Freitag in Berlin an die Rolle Genschers bei der deutschen Wiedervereinigung. "Beharrlich, allgegenwärtig und mit feinem Gespür für historische Momente hat er das friedliche Zusammenwachsen unseres Landes und unseres Kontinents vorangetrieben."

FDP-Chef Christian Lindner schrieb bei Twitter: "Genscher hat Geschichte geschrieben und unser Land geprägt. Wir haben ihm viel zu verdanken. Unsere Trauer kann nicht grösser sein."

Frankreich würdigte Genscher als "überzeugten Europäer". "Er war einer der grossen Akteure der Wiedervereinigung, der mit seinen politischen und menschlichen Qualitäten diese bedeutende Phase der europäischen Geschichte geprägt hat", erklärte Aussenminister Jean-Marc Ayrault am Freitag.

Einer der beliebtesten Spitzenpolitiker

Genscher, dessen Markenzeichen ein gelber Pullunder war, war 18 Jahre Aussenminister (1974 bis 1992) und massgeblich an den Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung beteiligt. Von 1974 bis 1985 führte er die FDP.

Er zählte in Deutschland zu den beliebtesten Spitzenpolitikern und zu den prägenden Persönlichkeiten der Liberalen. Immer wieder hatte er mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen. 1992 legte er für viele überraschend mit 65 Jahren seine Ämter nieder. 1998 schied er nach 33 Jahren auch aus dem Bundestag aus.

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