US-Wahlen
Einflussreiche Republikaner verweigern Donald Trump die Unterstützung

Einflussreiche Republikaner verweigern Donald Trump offen die Unterstützung und sinnieren laut über einen möglichen Gegenkandidaten. So will Bill Kristol, Chefredaktor des «Weekly Standard», Mitt Romney eine erneute Kandidatur schmackhaft machen.

Renzo Ruf, Washington
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Es gibt Republikaner, die Trump offen nicht unterstützen (Archivbild)

Es gibt Republikaner, die Trump offen nicht unterstützen (Archivbild)

KEYSTONE/EPA/TANNEN MAURY

Geplant war sie als Triumphzug, die Reise des designierten republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf den Capitol Hill in Washington. Dort wird Donald Trump nächste Woche mit führenden Parlamentariern seiner Partei zusammentreffen – um sich auszutauschen und ihnen Einblick in seine Wahlkampfstrategie zu geben.

Ein solches Treffen ist sinnvoll, findet am 8. November doch nicht nur die Wahl eines neuen Präsidenten statt; Amerika bestimmt auch, wer ab kommendem Jahr im Capitol, dem trutzigen Parlamentsgebäude, den Ton angibt.

Diese Träume sind nun geplatzt. Denn Paul Ryan gab auf dem Nachrichtensender CNN bekannt, dass er Trump «zum jetzigen Zeitpunkt» nicht unterstützen könne. Dieses Bekenntnis kommt einem Misstrauensantrag gleich, handelt es sich beim 46-jährigen Ryan doch um das offizielle Sprachrohr seiner Partei in der Hauptstadt. Der Parlamentarier aus Wisconsin amtiert seit einem halben Jahr als Präsident («Speaker») des Repräsentantenhauses und ist damit formell Chef der republikanischen Mehrheitsfraktion in der grossen Kammer.

Ryan ist Vordenker der konservativen Bewegung, gerade in finanzpolitischen Fragen – auch wenn die Konkurrenz seine radikalen Reformideen jeweils in Bausch und Bogen verwirft. Dank dieser Rolle wurde Ryan vor vier Jahren national bekannt, als er an der Seite des damaligen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney versuchte, Präsident Obama aus dem Weissen Haus zu verdrängen.

Ryan kennt Trumps Wahlprogrogramm nicht

Ryan sagte CNN, dass Trump bisher nicht ausreichend Einblick in sein Wahlprogramm gegeben habe. «Konservative wollen wissen, ob er unsere Werte teilt», sagte er, und ob er ebenfalls einen schlanken Staat befürworte. Damit warf Ryan die Frage auf, ob der Geschäftsmann aus New York bloss behaupte, er unterstütze die Prinzipien der Republikaner.

Diese Skepsis gegenüber Trump wird von vielen Parteimitgliedern geteilt, sei es aufgrund seiner umstrittenen Stellungnahmen, oder sei es, weil er erst spät Mitglied der Republikaner wurde. Trump schoss umgehend zurück. Er sei «nicht bereit», das Programm des Speakers zu unterstützen. Gestern zeigte sich Trump aber zuversichtlich, den Graben im Gespräch mit Ryan überwinden zu können.

Mitt Romney als Gegenkandidat?

Andere Zerwürfnisse lassen sich aber wohl nicht kitten. Bekannte Parteimitglieder sinnieren laut über eine unabhängige Präsidentschaftskandidatur eines Republikaners nach. Zuvorderst steht der 44-jährige Senator Ben Sasse aus Nebraska, der sich diese Woche den Frust von der Seele schrieb und einen offenen Brief auf Facebook publizierte. Amerika brauche «einen Erwachsenen», der sich um das Präsidentenamt bewerbe, schrieb Sasse, ein ehemaliger Universitätsprofessor.

In Washington versucht Bill Kristol, Chefredaktor des «Weekly Standard», den Trump-Widerstand zu bündeln und Mitt Romney eine erneute Kandidatur schmackhaft zumachen.

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