Datenskandal
Druck auf Facebook steigt: Politiker halten Zuckerbergs Entschuldigung für unglaubwürdig

Der weltgrösste Social-Media-Konzern gerät durch die jüngsten Enthüllungen eines Whistleblowers ins Wanken. In einem Exklusiv-Interview mit CNN im Facebook-Hauptsitz gibt sich Mark Zuckerberg reumütig. Doch zahlreiche Politiker kritisieren seinen Auftritt.

Philipp Gian Fontana
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«Das gesamte Unternehmen ist entsetzt»: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (Archivbild)

«Das gesamte Unternehmen ist entsetzt»: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/JEFF ROBERSON

Trotz der Entschuldigung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Datenskandal wächst der Druck auf das Unternehmen weiter. Politiker bezeichneten am Donnerstag Zuckerbergs Entschuldigung als unzureichend und unglaubwürdig. Es mehrten sich auch die Aufrufe, Facebook den Rücken zu kehren und die eigenen Profile zu löschen. Zuvor war bereits der Aktienkurs des Unternehmens auf Talfahrt gegangen.

Zuckerberg hatte sich am Mittwochabend nach tagelangem Schweigen bei den mehr als zwei Milliarden Nutzern seines Netzwerks für den mutmasslich gigantischen Datenmissbrauch entschuldigt. Nachdem er zunächst seine persönliche Verantwortung und «Fehler» des Unternehmens einräumte, entschuldigte er sich in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN und sprach von einem «grossen Vertrauensbruch».

Das Interview in voller Länge können Sie hier nachschauen:

Auf seiner eigenen Facebook-Seite schrieb Zuckerberg, die Firma wolle «aus dieser Erfahrung lernen» und das Online-Netzwerk sicherer für die Nutzer machen. In einem Interview mit der «New York Times» schloss der Facebook-Chef zugleich nicht aus, dass über bestimmte Apps in der Vergangenheit möglicherweise ebenfalls grosse Datenmengen abgerufen und «ohne unser Wissen» verkauft worden seien.

Vor Zuckerbergs persönlicher Erklärung hatte Facebook eine Stellungnahme veröffentlicht, in der das Unternehmen die Schuld an dem Datenmissbrauch vor allem der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica sowie dem App-Entwickler Aleksandr Kogan zuwies. Facebook sei «entrüstet», das Unternehmen sei «betrogen» worden, hiess es darin.

Massnahmen unzureichend

Zeitungen hatten am Wochenende berichtet, Cambridge Analytica habe mittels einer App die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern abgefischt und daraus ohne Wissen der Nutzer Persönlichkeitsprofile für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump erstellt.

Der britische Kulturminister Matt Hancock etwa bezeichnete Zuckerbergs Ankündigungen zum besseren Datenschutz als unzureichend. «Ich glaube nicht, dass diese Änderungen weit genug gehen», sagte er der BBC. «Es sollte nicht einem Unternehmen überlassen werden, zu entscheiden, was die richtige Balance zwischen Privatsphäre, Innovation und Datennutzung ist», sagte Hancock. Diese Regeln müssten von der Gesellschaft als Ganzes bestimmt und von Parlamenten festgelegt werden.

Facebook sieht sich wegen des Datenskandals mit Untersuchungen von Aufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien konfrontiert. Zudem wollen Parlamente in mehreren Ländern Zuckerberg befragen. Er erklärte sich bereit, vor Mitgliedern des US-Senats auszusagen.

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