USA
Donald Trump will nun Nägel mit Köpfen machen

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat erneut eine Vorwahl gewonnen – und seine Gegner zerfleischen sich. Nächsten Dienstag wird sich zeigen, ob es sich dabei bloss um eine Momentaufnahme handelt.

Renzo Ruf, Washington
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Wer kann ihm Paroli bieten? Donald Trump.

Wer kann ihm Paroli bieten? Donald Trump.

Keystone

Texas, Oklahoma, Arkansas, Tennessee, Alabama und Georgia: Das sind die sechs Staaten, die Donald Trump in den nächsten Tagen mit einem Besuch beehrt. Die Reisepläne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten zeigen mit aller Deutlichkeit, dass er am kommenden Dienstag – wenn die Republikaner in 13 Bundesstaaten zur Urne schreiten oder an Wahlversammlungen (Caucuses) einen Möchtegern-Präsidenten küren – Tatsachen schaffen will.

Mit einem Sieg in den Südstaaten Arkansas, Alabama und Georgia, dem Stammland der modernen Republikanischen Partei, würde Trump auch dem letzten Skeptiker beweisen, dass er das Rennen der Republikaner mit grossem Vorsprung anführt.

Im Rückenwind

So geht das Kalkül des 69-jährigen Neo-Politikers, der mit seinem Mundwerk und einer unorthodoxen Wahlstrategie die Republikanische Partei auf den Kopf stellt. Zuletzt bewies Trump am Dienstag im Kleinstaat Nevada, dass seine Kampagne nach Siegen in New Hampshire und South Carolina viel Rückenwind besitzt.

An den Wahlversammlungen (Caucuses) gewann der New Yorker Multi-Milliardär fast 46 Prozent der Stimmen, sein bisher bestes Ergebnis. Marco Rubio, Senator aus Florida, brachte es auf 24 Prozent, und der texanische Senator Ted Cruz auf 21 Prozent.

Rubio hatte wohl bereits damit gerechnet, dass er Trump in Nevada – einem Staat notabene, in dem er einst lebte – nicht mehr einholen würde. Der 44-Jährige, der nun als Favorit der Parteigranden in Washington gilt, verbrachte die Nacht in einem Hotel in Michigan.

Cruz hingegen machte gute Miene zum bösen Spiel. Der 45-Jährige sagte während eines kurzen Auftritts vor Anhängern, er sei der einzige Politiker, der Trump stoppen könne, weil er ihn bei den Caucuses in Iowa besiegt habe.

Der einzige Sieger

Das stimmt natürlich: Cruz, Bannerträger des konservativen, religiösen Flügels der Republikaner, ist nebst Trump der einzige Sieger im Kandidatenriegen der Republikaner. Sein Wahlkampf wirkt aber angeschlagen, auch weil seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen einige handwerkliche Fehler begingen.

So wurde sein Sprecher Rick Tyler dabei erwischt, wie er ein unwahres Video über Marco Rubio verbreitete – in dem sich Rubio, ein Katholik, angeblich abfällig über die Bibel äusserte. (Cruz entschuldigte sich, und entliess Tyler.)

Aber auch Rubio, der andere Kandidat, der behauptet, er könne Trump aufhalten, wirkt angeschlagen. Denn nach wie vor ist es dem smarten Senator nicht gelungen, in einem Staat eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler von sich zu überzeugen. Das Parteiestablishment scheint sich daran nicht zu stören: es sieht in Rubio einen konservativen Kandidaten, der auch für viele parteiunabhängige Wählerinnen und Wähler akzeptabel ist. «Wir werden die verschiedenen Strömungen der Partei wieder zusammenführen», pflegt Rubio zu sagen.

Zwischen Cruz und Rubio fliegen deshalb seit Tagen die Ellbogen, nicht nur wegen des Zwischenfalls um das Bibel-Video. Bisher ist es keinem der beiden jungen Senatoren gelungen, sich als Nummer zwei im Feld zu etablieren.

Die wütenden im Fokus

Letztlich profitiert davon Donald Trump. Während seine Gegner sich zerfleischen, gewinnt er Vorwahlen. Ausserdem scheinen die reichen Gönner der Republikanischen Partei kein Interesse daran zu haben, sich in den Kampf gegen Trump einzumischen. So liess der Kasino-Milliardär Sheldon Adelson, der 2012 mindestens 98 Millionen Dollar in den Wahlkampf pumpte, ausrichten, er habe kein Interesse daran, einen Kandidaten zu unterstützen. Weil Trump seinen Wahlkampf mehrheitlich aus seiner eigenen Kasse finanziert, ist er nicht auf Spendengelder angewiesen. Er kann sich deshalb darauf fokussieren, um die Stimmen der aufgebrachten Wählerinnen und Wähler zu kämpfen – seine Basis.

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