Frankreich
Die rechte Alternative? Der Mann, der Präsident Emmanuel Macron herausfordert

Laurent Wauquiez, neuer Konservativen-Chef, inszeniert sich als rechte Alternative. Der agile 42-jährige Regionalpolitiker aus Lyon war der Einzige, der die diesjährigen Präsidentschaftswahlen und das Desaster seines Parteikollegen François Fillon einigermassen unbeschadet überstanden hatte.

Stefan Brändle, Paris
Merken
Drucken
Teilen
Laurent Wauquiez übernimmt die Spitze der französischen Konservativen. Bob Edme/KEY

Laurent Wauquiez übernimmt die Spitze der französischen Konservativen. Bob Edme/KEY

KEYSTONE

Seine Haare sind schon grau — dabei ist Laurent Wauquiez nur zwei Jahre älter als Emmanuel Macron. Und voller Talent und Tatendrang. «Heute Abend können wir sagen: Die Rechte ist zurück!», rief er am Sonntagabend vor seinen Fans aus, als bekannt wurde, dass sie ihn mit 75,4 Prozent der Stimmen zum neuen Parteichef der Republikaner gewählt hatten. Seine beiden Widersacher Florence Portelli und Maël de Calan blieben mit 16,1 und 9,3 Prozent der Stimmen so weit zurück, dass ein zweiter Wahlgang in einer Woche gar nicht mehr nötig ist.

Wauquiez galt als klarer Favorit der ehemals gaullistischen Partei RPR, die Jacques Chirac gegründet und Nicolas Sarkozy in «Les Républicains» (LR) umbenannt hatte. Der agile 42-jährige Regionalpolitiker aus Lyon war der Einzige, der die diesjährigen Präsidentschaftswahlen und das Desaster seines Parteikollegen François Fillon einigermassen unbeschadet überstanden hatte. Seine Legitimität ist unbestreitbar: Entgegen den Befürchtungen gingen fast 100 000 Républicains – 42 Prozent der eingeschriebenen Parteimitglieder – an die Urnen.

Kein Chirac oder Sarkozy

Und doch vermochte Wauquiez keine Grundwelle der Begeisterung wie seinerzeit Chirac oder Sarkozy auszulösen. Laut Umfragen wünscht nur ein Drittel der Sympathisanten, dass ihr neuer Parteichef auch bei den Präsidentschaftswahlen 2022 antreten – und höchstwahrscheinlich Macron herausfordern – solle. Der ambitiöse Eliteschulabgänger, der als Markenzeichen einen roten Parka trägt, verströmt ebenso wenig menschliche Wärme wie der Staatspräsident. Stets in Eile und ohne falsche Rücksichten, ist er berüchtigt für wütende SMS-Kommentare – und dafür, dass er sie gerne an die falschen schickt.

Politisch gibt sich Wauquiez stramm rechts. Das war nicht immer so gewesen: Nach den Spitzenhochschulen Sciences Po und ENA hatte er sich zuerst den gemässigten und proeuropäischen Konservativen zugewandt und war deshalb 2010 auch Europaminister Sarkozys geworden. Heute verkörpert er den rechten Flügel der Republikaner.

Bewusst nimmt der neue Republikanerchef die Themen des Front National auf, auch wenn er betont, dass jede Allianz oder auch nur Absprache mit den Rechtsextremen von Marine Le Pen für ihn «ausgeschlossen» sei. Die Zeitung «Le Parisien» fand mehrere identische Zitate von Wauquiez und Le Pen – wie etwa über die «christlichen Wurzeln» Frankreichs oder das «Sieb der EU-Grenzen gegenüber den Migranten».

Macron lässt nicht viel Platz

Diese Stellungsbezüge beruhen wohl auf der zutreffenden Analyse, dass bei den kommenden Präsidentschaftswahlen einzig auf der Rechten neue Stimmen zu holen sind. Solange Macron politisch so breitflächig abräumt, haben die Republikaner wohl nur eine Chance, wenn sie sich – anders als der Staatschef – politisch eindeutig positionieren.

Die Gefahr für Wauquiez liegt darin, dass ihm der liberale und «europäische» Parteiflügel rund um Ex-Premier Alain Juppé den Rücken zukehren könnte. Diverse Minister – darunter Regierungschef Edouard Philippe – sind bereits zu Macron übergelaufen. In der Nationalversammlung bilden gemässigte Republikaner eine Fraktion der «Konstruktiven» hinter dem Staatschef.

Drohende politische Isolation

Jean-Christophe Lagarde, der Vorsteher der bürgerlichen Zentristenpartei UDI, schloss letzte Woche aus, die traditionelle Rolle eines Juniorpartners der Republikaner zu spielen, solange der «Hardliner» Wauquiez seinen Kurs durchziehe. Diesem droht damit die politische Isolation. Nach Fillon und Marine Le Pen, François Hollande und Jean-Luc Mélenchon muss auch er einsehen, dass gegen Macron derzeit kein Kraut gewachsen scheint.