Deutschlandwahl
Absturz der deutschen Kanzlerpartei: Vom Giganten zum Zwerg - Wie Laschet trotzdem Kanzler werden kann

Die CDU erlebt ein historisches Debakel. Verantwortlich ist der Kandidat Armin Laschet, aber auch Angela Merkel hat einen Anteil. Woran die Partei jetzt ihre Hoffnungen klammert.

Fabian Hock, Berlin
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Inhaltsverzeichnis

    Verantwortlich für den CDU-Absturz: Armin Laschet.

    Verantwortlich für den CDU-Absturz: Armin Laschet.

    Die gute Nachricht für Armin Laschet vorweg: Aller Voraussicht nach reicht es nicht für ein linkes Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei. Das wäre der Super-Gau für Deutschlands Konservative gewesen. Das war’s aber auch schon an Erbaulichem, was der Wahlabend am Sonntag für die CDU und ihren Chef mit sich brachte.

    1. So heftig ist der Schlag für die CDU

    Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik machten so wenige Menschen ihr Kreuzchen bei der Union. Laut letzter Hochrechnung vor Redaktionsschluss waren es 24,7 Prozent. Rund neun Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Vor acht Jahren kam die Union sogar noch auf über 40 Prozent.

    Das Ergebnis ist ein Desaster für die Union, die Deutschland ohne Unterbruch seit 16 Jahren regiert. Die mit Angela Merkel eine Kanzlerin stellt, die bis heute mit Abstand die beliebteste Politikerin im Land ist und die international hoch angesehen und respektiert wird. Als «letzte Volkspartei Europas» wurde die Partei regelmässig bezeichnet. Seit Sonntag ist das nun endgültig vorbei.

    2. So geht es nun weiter

    Laschet selbst räumte am Sonntag ein, mit dem Ergebnis «nicht zufrieden» zu sein. Er machte aber auch klar, dass er gar nicht daran denkt, zur Seite zu treten. Im Gegenteil: Als erster der Kanzlerkandidaten trat er am Wahlabend vor die Öffentlichkeit und erklärte, er wolle dafür kämpfen, das Kanzleramt für die Union zu halten. Dazu müsste Laschet ein Bündnis mit der erstarkten FDP und den Grünen schmieden.

    Ob die CDU am Ende die SPD noch überholt, oder ob sie knapp hinter den Sozialdemokraten landet, ist gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, wie geschickt die jeweiligen Parteispitzen mit den umworbenen Liberalen und den Grünen verhandeln, um sie auf ihre jeweilige Seite zu ziehen.

    Die Ausgangslage dafür sieht so aus: Die FDP will mit der CDU, die Grünen wollen mit der SPD. Gelingt es Laschet, die Grünen für sich zu gewinnen, kann er tatsächlich Kanzler werden. Gelingt es indes Olaf Scholz, die FDP von einer «Ampel-Koalition» gemeinsam mit den Grünen zu überzeugen, ist der nächste Kanzler ein Sozialdemokrat. Das Tauziehen um die ideologisch weit voneinander entfernt stehenden Liberalen und Grünen dürfte Deutschland eine ganze Zeit lang beschäftigen. Viel Zeit, um Ursachenforschung zu betreiben. Das wird auch Laschet nicht erspart bleiben. Und seine Bilanz fällt verheerend aus.

    3. Die Gründe für den Absturz

    Eine letzte Panne hatte sich Laschet für den Wahltag aufgehoben. Er faltete seinen Stimmzettel so, dass alle Welt die beiden Kreuzchen sehen konnte. Immerhin setzte er Erst- und Zweitstimme bei der CDU. Doch der Wahlleiter hätte ihn eigentlich zurückweisen müssen. Gültig ist die Stimme zwar, wie der Wahlleiter später erklärte. Aber das Bild rundet den verpatzten Wahlkampf ab. Unvergessen bleibt Laschets Lachen vor laufenden Kameras, während der Bundespräsident zu den Opfern der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sprach.

    Für viele war Laschet ohnehin der falsche Kandidat. Anders als etwa bei den Grünen, wo sich Annalena Baerbock erst im Laufe der Zeit als schwache Bewerberin entpuppte, waren die Vorbehalte gegen Laschet von Anfang an riesig. Das hat auch mit der Art und Weise zu tun, wie er zum Kandidaten wurde: Gleich zwei Mal boxten Partei-Eliten Laschet gegen den Willen der Basis durch. Zuerst wählten ihn handverlesene Delegierte am CDU-Parteitag zum Vorsitzenden – statt Friedrich Merz, der einen Entscheid unter allen Parteimitgliedern wohl haushoch gewonnen hätte. Es folgte ein denkbar ungünstiger Start in den Wahlkampf: Statt geschlossen aufzutreten, lieferte sich Laschet mit CSU-Chef Markus Söder einen erbitterten Machtkampf um die Kanzlerkandidatur. Die Parteispitze entschied sich für Laschet und gegen den beim Volk wesentlich beliebteren Söder.

    Am Absturz der Partei ist aber auch Angela Merkel nicht schuldlos. Sie verpasste es, rechtzeitig eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger aufzubauen. Sie selbst wird so wenig mit ihrer Partei identifiziert, dass nicht wenige ehrlich überrascht waren, als sich die Kanzlerin ganz am Ende des Wahlkampfs doch noch öffentlich hinter Laschet stellte. Es war zu wenig. Und zu spät.

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