Deutschland
Plagiatsaffäre: Annalena Baerbocks nächster Schnitzer

Die Kanzlerkandidatin der Grünen soll in ihrem Buch abgeschrieben haben. Ihre Partei spricht von «Rufmord».

Christoph Reichmuth, Berlin
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In der Kritik: Die Grüne Kandidatin Annalena Baerbock.

In der Kritik: Die Grüne Kandidatin Annalena Baerbock.

Bild: EPA

Annalena Baerbock ist abermals in die Defensive geraten. Ein österreichischer Plagiatsjäger wirft der Kanzlerkandidatin der Grünen vor, Passagen in ihrem erst kürzlich veröffentlichten Buch «Jetzt. Wie wir unser Land erneuern» wortgleich oder mit auffällig ähnlichen Formulierungen aus verschiedenen Quellen übernommen zu haben, ohne diese zu deklarieren.

Baerbock soll Textstellen einerseits von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» wortgleich oder ähnlich formuliert übernommen haben. Die Quellen, bei denen sich die 40-Jährige bedient haben soll, sind allerdings im Internet frei zugänglich und beinhalten keine überraschenden Fakten.

Ökopartei wittert eine «Schmutzkampagne»

Die Grünen gehen in die Offensive und sprechen von einem «versuchten Rufmord» und einer «Schmutzkampagne» gegenüber ihrer Kanzlerkandidatin, der Verdacht wird gestreut, die Kampagne werde initiiert von den politischen Gegnern. Baerbock selbst hat einen bekannten Medienanwalt eingeschaltet, um auch den juristisch relevanten Vorwurf der Urheberrechtsverletzung aus dem Weg zu räumen.

Die grüne Kanzlerkandidatin könnte im Kanzlerrennen durch die jüngsten Vorwürfe abermals zurückgeworfen werden. Baerbock sieht sich seit der Kandidatur immer wieder Kritik und Angriffen ausgesetzt, allerdings hat sie sich das teilweise auch selbst zuzuschreiben, da sie ihren Gegnern Angriffsfläche bietet. Zuletzt musste sich Baerbock für ungenaue Angaben in ihrem Lebenslauf und nicht deklarierte Sonderzahlungen der Partei, die sie nachmelden musste, erklären, ausserdem musste sie Präzisierungen zu Angaben zu ihrem Studium vornehmen.

Grünen sacken ab

In der Gunst der Wählerinnen und Wähler ist die Grüne zuletzt zurückgefallen, da durch die negative Berichterstattung das Gesamtbild der Kandidatin gelitten hat und Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufgekommen waren. Ob Baerbock die wenigen von dem Plagiatsjäger bemängelten Passagen in ihrem Buch tatsächlich aus fremden Quellen direkt übernommen hat, lässt sich schwer nachweisen, doch die jüngste Kritik gibt der politischen Konkurrenz im Wahlkampf neues Futter.

Die Chancen auf das Kanzleramt sind für die Grünen in den letzten Wochen gesunken. Die Ökopartei liegt drei Monate vor den Wahlen im September etwa acht Prozentpunkte hinter der Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet. SPD und FDP haben zuletzt zugelegt.

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