Deutschland
Lockdown verlängert – Gastro-Branche wartet vergebens auf Perspektive

Frisöre dürfen wieder öffnen, die Schulen allmählich zurück in den Regelunterricht gehen. Doch grundsätzlich bleibt Deutschland vier weitere Wochen im Lockdown. Mindestens.

Christoph Reichmuth
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Hat strenge Regeln für Lockerungen festgelegt: Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend vor der Presse in Berlin.

Hat strenge Regeln für Lockerungen festgelegt: Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend vor der Presse in Berlin.

Markus Schreiber / AP

Der Inzidenzwert von 50 gilt seit Beginn der Pandemie als der Wert der Hoffnung in Deutschland. Ab diesem Wert - also ab 50 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohner - kann gelockert werden, können die Gesundheitsämter das Infektionsgeschehen nachverfolgen. So sagten es Merkel und Co. seit Monaten. Seit Mittwochabend hat die 50 ausgedient - jetzt gilt für Lockerungen plötzlich ein Inzidenzwert von 35. Kanzlerin Angela Merkel erklärte am Mittwochabend nach einer mehrstündigen Konferenz mit den 16 Regierungschefs der Bundesländer, warum Deutschland den seit Spätherbst geltenden Lockdown bis mindestens zum 7. März verlängern wird.

Merkel warnt vor Mutationen

Begründet wird dieser Schritt mit den sich auch in Deutschland ausbreitenden Coronamutationen. «Wir wissen, dass die Mutation jetzt eine Realität ist», sagte Kanzlerin Merkel am Abend in Berlin. Die Gefahr in den nächsten Wochen sei gross, dass sich die Mutationen ausbreiten. Die «Zeitspanne bis März», sagte Merkel, sei «existenziell». Zunächst soll ab März der Einzelhandel unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, sofern der Inzidenzwert im entsprechenden Landkreis während mindestens drei Tagen bei 35 oder darunter liegt. Auch Museen und Galerien könnten dann wieder Besucher empfangen. Keine Perspektive gibt es für Kinos, Theater, Amateursport und die Gastronomie. Eine Arbeitsgruppe soll sich mit Öffnungsschritten für diese Bereiche befassen.

Schulen und Kindertagesstätten dürfen allerdings bereits in den nächsten Wochen öffnen. Die Wiederaufnahme des Schulbetriebs ist Ländersache. Frisöre dürfen in Deutschland ebenfalls schon früher wieder Kundschaft empfangen, ab dem 1. März. Merkel konnte sich gegen die Länderchefs durchsetzen, die bereits im Februar die Frisörbetriebe wieder öffnen wollten.

«Es ist nicht so, dass ich den Menschen nicht den Frisör gönne – ich habe da selbst meine Probleme»

soll die Kanzlerin in der Sitzung gesagt haben. «Aber es geht um eine Woche».

Die «Bild»-Zeitung berichtete am Nachmittag von abgestuften Öffnungsschritten, die sich an Inzidenzwerten von 35, 20 und 10 orientieren. Kneipen oder Theater könnten demnach erst ab einer Inzidenz von 20 Neuinfektionen auf 100'000 Einwohner innerhalb von einer Woche wieder öffnen, auch Kontaktsport könnte erst dann wieder möglich sein, berichtete die Zeitung. Anfang März will sich die Bund-Länder-Runde abermals über das weitere Vorgehen beraten.