Deutschland
Geschmacklos: AfD-Politiker beschimpft verstorbenen EU-Parlamentspräsidenten

Der deutsche EU-Abgeordnete Nicolaus Fest (AfD) beleidigt in einer Chatgruppe den verstorbenen Präsidenten des EU-Parlaments David Sassoli auf das Übelste.

Remo Hess, Brüssel
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Dass es in der deutschen Partei «Alternative für Deutschland» (AfD) Politiker gibt, die sich immer wieder Verbalentgleisungen leisten, ist hinlänglich bekannt. Aber was der EU-Abgeordnete Nicolaus Fest in einem internen Whats-App-Chat der AfD-Parlamentariergruppe im EU-Parlament nun schrieb, ist selbst für AfD-Massstäbe unter aller Kanone: «Endlich ist das Dreckschwein weg», kommentierte Fest den Tod des EU-Parlamentspräsidenten David Sassoli, der Anfang Woche an den Komplikationen einer durch Legionellen bedingten Lungenentzündung verstorben ist.

Nicolaus Fest.

Nicolaus Fest.

Getty

Sassoli sei ein «Antidemokrat» gewesen und «eine Schande für jede parlamentarische Idee», so Fest über den über Parteigrenzen hinweg respektierten italienischen Sozialdemokraten, wie die «ARD» gestützt auf Screenshots aus der Chatunterhaltung berichtet.

AfD-Chef Jörg Meuthen: «Abstossend und unentschuldbar»

AfD-Chef und Delegationsleiter im EU-Parlament Jörg Meuthen gab sich empört. «Eine solche Äusserung über einen nach schwerer Krankheit soeben verstorbenen Kollegen ist verstörend, tief abstossend und unentschuldbar», so Meuthen gegenüber der «ARD». Er habe umgehend interveniert und die Nachrichten löschen lassen. «Die Äusserungen von Herrn Fest sind bezeichnend für jene Menschenverachtung, gegen die David immer entschieden gestanden hat» schrieb Katarina Barley, SPD-EU-Abgeordnete und Vize-Präsidentin des EU-Parlaments auf Twitter.

Eine Frau trägt sich ins Kondolenzbuch für den verstorbenen Sassoli ein.

Eine Frau trägt sich ins Kondolenzbuch für den verstorbenen Sassoli ein.

Mourad Balti Touati / EPA

Fest, der 2019 ins EU-Parlament gewählt wurde und ehemals stellvertretender Chefredakteur der «Bild am Sonntag» war, wollte zunächst nicht zu seinen Äusserungen Stellung nehmen. Am Mittwochabend teilte er dann mit, seine Wortwahl zum Tod von David Sassoli sein «unangemessen» gewesen und er bedaure dies. Fest: «Würde er noch leben, würde ich mich bei ihm entschuldigen».

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