USA
Der Vorwahlkampf ist vorbei – das Duell Romney gegen Obama hat begonnen

Nach den Siegen in Wisconsin, Maryland und Washington DC ist Mitt Romney die Nomination nicht mehr zu nehmen. Romney gegen Obama, das Duell um das Präsidentenamt hat längst begonnen.

Renzo Ruf, Washington
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Wählt Romney – beendet Obamas Regierungszeit.MARIO TAMA/AFP PHOTO

Wählt Romney – beendet Obamas Regierungszeit.MARIO TAMA/AFP PHOTO

Barack Obama mag nicht mehr länger warten. Deshalb läutete der amerikanische Präsident am Dienstag eine neue Runde im Wahlkampf um das Weisse Haus ein – indem er seinen voraussichtlichen republikanischen Herausforderer Mitt Romney erstmals ins Zentrum einer angriffigen Rede stellte.

Obamas Attacke

Vor Journalisten und Verlegern in Washington kritisierte der Präsident die Haushaltspläne des 65-jährigen Ex-Gouverneurs, der Kürzungen bei den Sozialausgaben und Steuererleichterungen für Grossverdiener das Wort redet.

Romney unterstützt deshalb das Sparprogramm des Abgeordneten Paul Ryan, dem fiskalpolitischen Vordenker der Republikaner. Obama spöttelte, dass Romney den Ryan-Plan mit dem Wort «wunderbar» bezeichnet habe: «Das ist ein Wort, das Sie nicht oft hören, wenn Budgets beschrieben werden», sagte der Präsident.

«Das ist ein Wort, das Sie üblicherweise nicht hören» – ein Seitenhieb auf Romney, der recht häufig in (rhetorische) Fettnäpfchen tritt und weltfremd wirkt. Dann kritisierte Obama die Budget-Pläne der Republikaner Punkt für Punkt, sprach von «kaum verhülltem Sozialdarwinismus» und einem Angriff auf alle armen, kranken und alten Amerikaner.

Romneys Antwort

Romney liess sich nicht zweimal bitten. Einige Stunden später, als der wie immer tadellos frisierte Republikaner als Sieger der Vorwahlen in Wisconsin, Maryland und im Hauptstadtbezirk District of Columbia feststand, zahlte es der Herausforderer dem Amtsinhaber mit gleicher Münze zurück.

«Präsident Obama glaubt, dass er gute Arbeit leistet», sagte Romney in seiner Siegesrede, während das Publikum johlte. «Gemäss dem Präsidenten haben nur Lincoln, Roosevelt und Lyndon Johnson mehr erreicht. Und – nein, er sagte dies nicht in der Sendung Saturday Night Live» (einem beliebten Satireprogramm am Samstagabend), witzelte Romney. Dann verriss er das wirtschaftspolitische Programm des Präsidenten nach Strich und Faden.

Angesichts dieses Wortwechsels ist es nicht erstaunlich, dass Politbeobachter gestern fast einhellig das Ende des Vorwahlkampfs verkündeten und den Beginn des Duells zwischen Obama und Romney.

Der Fernsehsender NBC griff auf die Bibel zurück und sprach nach dem dreifachen Sieg Romneys von einem Menetekel. Mit Humor versuchte es derweil die Analystin Amy Walter auf dem Sender ABC. «Die fette Dame hat gesungen», sagte sie – eine geläufige amerikanische Redewendung, die auf klassische Opern anspielt, in denen der Auftritt der rundlichen Sopranistin jeweils das Ende bedeutet.

Santorum gibt noch nicht auf

Rick Santorum allerdings will von Aufhören nichts wissen. Romneys Hauptkontrahent in den republikanischen Vorwahlen verkündete am Dienstagabend erneut, dass er weiter an der Parteibasis um Stimmen werben werde.

Romney, sagte Santorum, vertrete im Kern eine ähnliche Politik wie der Präsident. Er eigne sich deshalb nicht als Aushängeschild der Republikaner. Mathematisch aber steht Santorum, Ex-Senator aus Pennsylvania, vor einem schier unlösbaren Problem: Dank seinen überzeugenden Siegen in Wisconsin, Maryland und dem District of Columbia baute Romney seinen Vorsprung auf Santorum weiter aus.

Gemäss einer Aufstellung der Nachrichtenagentur AP gewann Romney bisher 655 Delegierte, während es Santorum auf 278 Delegierte bringt. Am Parteitag der Republikaner im Spätsommer benötigt ein Anwärter im ersten Wahlgang die Stimmen von 1144 Delegierten, damit er zum Präsidentschaftskandidaten nominiert wird.

Das Santorum-Lager verweist auf den Vorwahl-Kalender. In drei Wochen wählt der Heimatstaat des Ex-Senators, und im Mai folgen Bundesstaaten wie North Carolina, West Virginia, Arkansas, Nebraska und Texas, in denen ein wertkonservativer Republikaner (Santorum) die besseren Karten als ein moderater Parteikollege (Romney) besitzt.

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