Handel
Der Trump-Boom: Warum die US-Aktienmärkte explodieren

Handelskriege und Protektionismus schrecken die Anleger nicht ab. Die US-Aktienmärkte eilen von Rekord zu Rekord.

Philipp Löpfe
Drucken
Teilen
Das Leben des Donald Trump
26 Bilder
Donald Trump hat es allen gezeigt - aber wirklich allen.
Donald Trump wird am 20. Januar 2017 als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seinem Leben erreichte der Unternehmer aber auch anderes. Hier einige Auszüge aus seinem Leben.
Donald Trumps Frisur ist vielleicht kein Prunkstück der Friseurskunst, aber immerhin ist sein Haar echt; das hat Talkmaster Jimmy Fallon am Donnerstag empirisch bewiesen. (Screenshot Youtube)
Typische Haltung 1.
Typische Haltung 2.
Typische Haltung 3.
Welche Rolle spielte Russland im Wahlkampf von Donald Trump? Dass es Kontakte gab, räumt die russische Regierung am Donnerstag, 10. November 2016, ein.
Gemeinsame Interessen: Russland Präsident Putin und der US-Präsidentschaftskandidat Trump haben etwa in der Aussenpolitik ähnliche Ansichten.
Ein Mischwesen genannt "Trumpusconi": Dieses Bild kursiert derzeit auf Twitter.
Eine schon fast gespenstisch: Im Jahr 2000 sahen die Simpsons-Macher die Wahl Trumps voraus.
Auftritt mit breiter Brust: Donald Trump im Jahr 1984 als Investor des USFL-Teams New Jersey Generals. Kurze Zeitspäter verabschiedete sich Trump mit einem Gerichtsentscheid vom Football-Business.Keystone
Summer Zervos (rechts) mit ihrer Anwältin ist eine der Frauen, die Donald Trump sexuelle Belästigung vorwerfen.
Was ist Realität, was Fiktion? Bei Trump sind die Übergänge fliessend.
Geboren wurde er 1946 in New York. Sein Vater war, wie Donald später auch, ein Immobilienunternehmer. Einer seiner Brüder, Fred, starb an Folgen einer Alkoholkrankheit, eine seiner Schwestern ist Bundesrichterin. Trump verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf Zigaretten und Alkohol.
Trump war drei Mal verheiratet. Hier eröffnen Vater und Tochter Ivanka einen Trump-Tower (2008).
Mit seiner aktuellen Frau, Melania Knauss, zeigte er sich schon 2004. Erst 2006 gaben sie sich das Ja-Wort. Der Partnerschaft entsprang Sohn Barron William.
Trump besitzt die Organisation der Miss Universe Wahlen. Hier im Bild: Der zukünftige Präsident mit Olivia Culpo.
Für die Frauen-Wahlen zog Trump auch kreative Kostüme an, wie hier 2012. Nebenbei trat Trump 2007 auch in den Wrestling-Ring um gegen den WWE-Besitzer Vince McMahon zu kämpfen. Bei seinem Einzug in den Ring liess er 100-Dollar-Scheine regnen.
Trump traf zahlreiche Prominente in seinem Leben: Hier Serena Williams, die bekannte Tennis-Spielerin. (2009)
Trump und die Stars: Mit Golf-Legende Tiger Woods (2013)
Den Boxern George Foreman (l.) und Shannon Biggs (r.) (1997)
Auch ein Stern auf dem bekannten Walk of Fame in Los Angeles wurde ihm verliehen. Der Stern wurde während des Wahlkampfs 2016 zerstört und wieder hergestellt. In mehreren Kinderfilmen hatte Trump einen Auftritt: So etwa in «Kevin – allein in New York», dem zweiten Teil des beliebten Kinderfilms «Kevin – allein zu Haus».
Im Juni 2015 trat Trump offiziell zu den Präsidentschaftswahlen an. Zuerst wurde er nur belächelt. Gerade auf Grund von rassistischen und beleidigenden Aussagen wurde er lange nicht als ernsthafter Anwärter angesehen.
Doch mit seinem Slogan «Make America great again» schlug er nicht nur jeden Republikaner, sondern am Ende die Demokratin Hillary Clinton im Rennen um das Präsidentenamt.
Trumps Büste im Wachsfigurenkabinett in Madrid.

Das Leben des Donald Trump

AP/Keystone

Kürzlich gaben die Analysten der UBS ihre Anlagetipps für das kommende Jahr bekannt. Als erstes rieten sie, amerikanische Aktien zu kaufen. «Wir glauben, dass amerikanische Aktien auch im kommenden Jahr noch viel Potenzial besitzen», erklärte dazu Mads Pedersen, Head of Global Asset Allocation bei der UBS. Er befindet sich in bester Gesellschaft: Die meisten Bankanalysten schwören derzeit auf US-Aktien.

Dabei hatte es vor den US-Wahlen noch ganz anders getönt. Trump wurde von Ökonomen und Bankanalysten misstrauisch, ja feindselig beurteilt. Seine Steuerpolitik sei masslos, seine Versprechen unrealistisch und sein offener Protektionismus gefährlich, warnten die meisten Finanzexperten und empfahlen, das kleinere Übel, Hillary Clinton, zu wählen.

Der Crash, der nie stattfand

Als sich in der Wahlnacht der Trump-Triumph abzuzeichnen begann, zeichnete sich denn auch zunächst ein Börsencrash ab. Er fand nie statt. Stattdessen begannen die Kurse der US-Aktien zu steigen und haben bis heut nicht damit aufgehört. Ob S&P 500 oder Dow Jones, beide haben Rekordwerte erreicht. Bereits wird spekuliert, wann der Dow die magische Grenze von 20'000 Punkten überschreiten wird. Weshalb?

Während des Wahlkampfes hat Trump ein umfangreiches Steuersenkungsprogramm in der Höhe von gegen sieben Billionen Dollar innerhalb von zehn Jahren angekündigt. Gleichzeitig hat er versprochen, eine Billion Dollar in Infrastrukturprojekte zu investieren.

Diese Absicht hat sein Chefstratege Steve Bannon nach den Wahlen bekräftigt. «Dank negativen Zinsen rund um die Welt haben die nun die besten Voraussetzungen, um alles neu zu bauen: Häfen, Stahlwerke, alles wird auf den neuesten Stand gebracht. Wir schmeissen jetzt alles an die Wand und schauen, was kleben bleibt.» Als ob dies nicht genug wäre, hat Trump auch geschworen, die Armee massiv aufzurüsten.

Ökonomisch gesehen hat Trump ein gewaltiges Ankurbelungs-Programm im Sinne von John Maynard Keynes in Aussicht gestellt. Bereits wird auch von einem zweiten New Deal gesprochen. In der Depression der Dreissigerjahre hat der damalige Präsident Franklin Roosevelt mit dem Bau von Strassen und Staudämmen den totalen Absturz der Wirtschaft verhindert.

Keynsianismus ist eigentlich eine Sache der Linken, aber das kümmert den Pragmatiker Trump nicht. Genauso lassen ihn Schulden, härtere Regulierung der Banken und Umweltschutz kalt. Er will Wachstum um jeden Preis, und das wird er kurzfristig wahrscheinlich auch erhalten. Das haben die Investoren realisiert und greifen zu.

Warum die Aktien profitieren

Sie können gar nicht anders, wie etwa Vinny Catalano von Blue Marble Research in der «Financial Times» erklärt: «Rein technisch gesehen spielt die Musik wieder, es gibt keine negativen Signale und die Leute tanzen. Wer jetzt nicht investiert, begeht einen Karriere-Selbstmord.»

Vor allem die Aktien profitieren vom Trump-Boom, denn der zu erwartende Aufschwung wird auch die Inflation wiederbeleben. Die US-Notenbank, die Fed, hat bereits angetönt, dass sie die Leitzinsen erhöhen will. Höhere Zinsen auf Staatsanleihen bedeutet, dass die alten an Wert verlieren. Deshalb ist derzeit eine wilde Flucht aus den Obligationen in die Aktien zu beobachten. Allein in den letzten Tagen sind rund 20 Milliarden Dollar vom Obligationen- in den Aktienmarkt geflossen.

Schliesslich hat bei den Investoren ein Mentalitätswechsel stattgefunden. Jahrelang haben sie nach der Pfeife der Notenbanken getanzt und ihr Verhalten auf Zinssenkungen und das Quantitative Easing ausgerichtet. Gleichzeitig scheint die Ära der Austerität vorbei zu sein. Beides zusammen hat die «animal spirits», die Bereitschaft der Investoren, wieder Risiken einzugehen, geweckt.

Allerdings ist es alles andere als sicher, dass der Boom von Dauer sein wird. Der «Economist» nennt drei Gründe, weshalb es auch schief gehen könnte:

Der Kongress leistet Widerstand

Trump ist zwar als Republikaner gewählt worden, seine Wirtschaftspolitik steht jedoch im krassen Widerspruch zu dem, was die Konservativen vertreten. Seine Versprechen würden noch einmal eine massive Erhöhung der eh schon hohen US-Staatsschulden bedeuten. Es wäre daher möglich, dass die Republikaner im Kongress ihm die Mittel verweigern.

Der Zeitpunkt ist falsch

Zu Beginn der Achtzigerjahre hat Ronald Reagan mit einer massiven Steuersenkung die Wirtschaft ebenfalls angekurbelt. Nur waren die Umstände damals völlig anders. Die US-Wirtschaft befand sich damals in einer Rezession, Aktien waren billig. Heute brummt der Arbeitsmarkt und die Aktien weisen ein rekordhohes Kurs/Gewinn-Verhältnis auf. Ein Boom wird die Fed veranlassen, die Leitzinsen rasch und massiv zu erhöhen und so Wasser auf das Strohfeuer giessen.

Die Finanzierung ist abenteuerlich

Trump will eine Billion Dollar in die Infrastruktur investieren, er will dies jedoch mit Hilfe von privaten Investoren tun. Deshalb lockt er mit gewaltigen Steuergeschenken. Wer einen Dollar investiert, erhält 80 Cents in Form von Steuervergütungen wieder zurück. Dieses Vorgehen ist moralisch fragwürdig und ökonomisch unsinnig. Weil es in den US verboten ist, auf bestehenden Autobahnen rückwirkend eine Maut einzuführen, besteht beispielsweise die Gefahr, dass neue Autobahnen und Brücken dort gebaut werden, wo sie gar nicht benötigt werden, während die bestehenden weiter verlottern.

Aktuelle Nachrichten