Er rettete einen Polizisten
«Der Attentäter hat direkt auf mich geschossen»: Osama Abu El Hosna ist der Held der Terrornacht in Wien

Der 23-jährige Osama Abu El Hosna hat am vergangenen Montag unter Einsatz seines Lebens einen Wiener Polizisten gerettet.

Rosa Schmitz
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Der gebürtiger Palästinenser, Osama Abu El Hosna, arbeitet direkt gegenüber vom Tatort als Manager des McDonalds.

Der gebürtiger Palästinenser, Osama Abu El Hosna, arbeitet direkt gegenüber vom Tatort als Manager des McDonalds.

Rosa Schmitz

Osama Abu El Hosna, ein 23-jähriger gebürtiger Palästinenser, ist von der Wiener Bevölkerung zum Helden erklärt worden. Er hat am Montag vor einer Woche einem lokalen Polizisten das Leben gerettet und wird seit dem in der ganzen Stadt gefeiert.

«Mein Kollege und ich sind aus der Garage am Schwedenplatz herausgekommen und sofort unter Beschuss geraten», erklärt Abu El Hosna am Tatort. Er arbeitet als Manager ganz in der Nähe, beim McDonald’s, direkt gegenüber der Stelle, an der sich wenig später die fünfte Bluttat des Abends zugetragen hat. Die Polizei war, als die beiden jungen Männer vor dem Attentäter flüchteten, noch nicht eingetroffen.

«Ich sagte ihm, ich sei ein Muslim»

«Ich habe mich hinter diesem Baum versteckt», so Abu El Hosna weiter und zeigt auf ein tiefes Einschussloch an der Rinde einer Birke am Strassenrand. Seine Stimme ist stark – standhaft. Aber immer wieder zittert er kurz, sein Kiefer knirscht zusammen, seine Zähne klappern. Der Schock macht sich wieder bemerkbar. Dann schüttelt er die Angst ab und redet weiter.

Der Attentäter stand nur einige Meter entfernt und schoss weiterhin direkt auf mich.

Auch die Vitrine hinter ihm, hat der Täter getroffen – das zerschmetterte Glas ist, als wir hier reden, bereits aufgekehrt und ersetzt worden. «Ich dachte, er stamme vielleicht aus dem Nahen Osten und versuchte, mit ihm auf Arabisch zu sprechen. Ich sagte ihm, ich sei ein Muslim. Aber er hörte nicht auf zu schiessen.»

Attentäter hat Polizisten getroffen

Als dann zwei Polizisten ankamen, versteckte sich der Täter hinter ein paar Büschen vor dem Ausgang der Tiefgarage. «Ich wollte ihnen zeigen, wo er ungefähr war, als er plötzlich herauskam und auf die Beamten schoss und einen der beiden traf», erklärt Abu El Hosna. Offenbar ein Schock für dessen Kollegen, der nicht wusste, was er machen sollte. Also sprang der junge Muslim ein.

Ich versichert ihm, dass ich mich um den Verletzten kümmere, damit er weiter vorpreschen könnte.

Er schleppte den Polizisten hinter eine Sitzbank – das Blut ist noch immer, eine Woche später, auf dem Boden zu sehen.

«Ich bin in Gaza aufgewachsen, wo ich regelmässig Zeuge von weitaus schlimmeren Ereignissen geworden bin», sagt er. Terror und Krieg hätten ihn von Kindheitstagen an begleitet. Hier – in seiner neuen Heimat – hätte er so etwas aber nie erwartet.

Zahlreiche Erste-Hilfe-Kurse absolviert

Weiter erzählt er: Er habe sein graues T-Shirt unter der Jacke ausgezogen und damit versucht, die Blutung zu stoppen. Gleichzeitig habe er den Polizisten leicht geschlagen, damit dieser nicht bewusstlos wird. «Ich wusste, was zu tun war – ich habe zahlreiche Erste-Hilfe-Kurse absolviert», sagt Abu El Hosna.

Danach versuchte der 23-Jährige den Polizisten zum Ring zu tragen. Dort stand bereits ein Rettungswagen. Die Sanitäter hätten aber laut Abu El Hosna zu sehr Angst gehabt, auszusteigen und auf ihn zuzukommen. Er war auf sich alleine gestellt.

«Plötzlich rannten zwei türkische Männer zu mir und halfen, den Verletzten zur Rettung zu bringen. Ich bin eingestiegen und habe den Sanitätern erzählt, was passiert ist», sagt er. Beim Aussteigen seien die zwei Helfer schon verschwunden gewesen. Er blieb im Schutz der Polizei, bis sich die Lage beruhigt hatte und sein Vater ihn abholen kam.

Die Polizisten waren mir sehr dankbar und haben mich gefeiert. Aber ich finde, ich bin kein Held. Ich habe das gemacht, weil ich ein Mensch bin.

Zur Person

Osama Abu El Hosna ist nicht zum ersten Mal in den Medien: Im Jahr 2019 verweigerte Johann Zimmermann (ÖVP), der Stadtpräsident von Weikendorf im Bezirk Gänserndorf, es seiner elfköpfigen Familie, dort ein Haus zu kaufen. Grund: die Religion. Zudem hat kein Familienmitglied die österreichische Staatsbürgerschaft. Doch im Februar 2020 fand das juristische Tauziehen um den Zuzug der Muslime dann ein Ende: Die Abu El Hosnas durften das Haus kaufen, dem Stadtpräsidenten blieb ob des Drucks von aussen kaum mehr eine andere Wahl als die Genehmigung. «Wir wohnen aber nicht dort, weil sich meine Mutter wegen den Nachbarn solche Sorgen macht. Ich hoffe, dass sich die Feindlichkeit uns gegenüber ändert, jetzt wo die Menschen gesehen haben, was wir für diese Land fühlen», sagt Osama Abu El Hosna. (rms)