Flugzeug-Absturz
«Das Flugzeug ist total zerstört – nichts ausser Trümmer und Leichen»

Kurz nach 10 Uhr am Dienstagmorgen hob der Airbus mit der Flugnummer 4U 9525 in Barcelona ab. Weniger als eine Stunde später stürzte das Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen ab.

Stefan Brändle, Christoph Reichmuth, Ralph Schulze
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Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.
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72 Deutsche waren an Bord der Maschine.
Aufgrund der hohen Geschwindigkeit beim Aufprall wurde das Flugzeug in unzählige kleine Teile zerrissen.
Die Absturzstelle liegt auf ungefähr 1600 Metern über dem Meer und ist nur zu Fuss zu erreichen.
Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt
Die Identifikation der Leichen per DNA-Analyse ist äusserst aufwendig.
Ermittler untersuchen Trümmerteile.
Das Trümmerfeld zeugt von der Wucht des Aufpralls.
Die Maschine wurde in unzählige Stücke zerfetzt.
Der 24. März wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Region eingehen.
Die Rettungskräfte konnten die Unglücksstelle nur mit Helikoptern erreichen.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Trümmerteile liegen in der Berglandschaft
Trümmerteile am Absturzort
Trümmerteile am Absturzort
Ein Hubschrauber über der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Ein Hubschrauber sucht das Gelände ab.
Die Rettungshelikopter stehen im Tal bereit
Blick aus dem Helikopter auf dem Weg zur Unglücksstelle
Frankreichs Staatspräsident François Hollande nimmt Stellung zum Flugzeugabsturz.
«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.
Germanwings-Manager Oliver Wagner vor dre Pressekonferenz in Köln
Der französiche Premierminister Manuel Valls bespricht sich mit dem spanischen Königspaar
Die Flugkurve auf Flightradar24 der abgestürzten Germanwings-Maschine.
Angehörige treffen am Flughafen Düsseldorf ein
Polizisten vor dem Germanwings-Schalter am Flughafen Düsseldorf
Betroffenheit am Swissport-Schalter in Barcelona
Angehörige des Careteams am Flughafen Düsseldorf
Flughafen-Personal in Düsseldorf.
Die Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf.
Violeta Bulc, die europäische Transportzuständige.
Der Airbus A320 der Germanwings, der abgestürzt sein soll.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.

Keystone

Trauer und Schock in Deutschland, Frankreich und Spanien. 150 Menschen starben beim Absturz des Airbus A320. Unter den 144 Fluggästen und sechs Besatzungsmitgliedern waren 67 deutsche und 45 spanische Passagiere. Zudem befanden sich französische und türkische Fluggäste an Bord. Unter den Opfern sind auch zwei Kleinkinder und eine Schülergruppe aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Der Flug 4U 9525 der Airline Germanwings, war um 10 Uhr in Barcelona gestartet. Sein Ziel Düsseldorf sollte er nie erreichen. Knapp eine Stunde später stürzte er über dem französischen Voralpengebiet ab. Das Wetter war gut, der Himmel nur leicht bewölkt. Hunderte von Gendarmen machten sich unter anderem mit zehn Helikoptern sofort auf die Suche zwischen den Orten Digne und Barcelonette. Bald wurden sie fündig: Über eine ganze Bergflanke verteilt leuchteten helle Trümmer. Hier ein Reifen, dort ein Teil des Seitenleitwerks, und irgendwo noch ein wenig Rauch. Ganze Motoren- oder Rumpfteile waren nicht erkennbar. Das Flugzeug muss mit voller Wucht in das steile und beschneite Bergmassiv Trois-Evêchés geprallt sein. «Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft», twitterte der französische Abgeordnete Christophe Castaner nach einem Helikopterüberflug. «Es bleibt nichts ausser Trümmern und Leichen.»

Suche eingestellt

Beim Eindunkeln mussten die Sucharbeiten in 1500 Metern Höhe eingestellt werden, zumal sich Wind erhob und Schnee fiel. Ein paar Soldaten blieben aus Sicherheitsgründen über Nacht in dem gespenstischen Gebiet – allein schon, um allfällige Boulevardjournalisten abzuhalten. Bevor die Rettungsmannschaften abzogen, fanden sie einen den beiden Flugschreiber. Bis zu seiner Auswertung bleibt die Absturzursache aber unklar. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, man könne «keine Hypothese ausschliessen».

Der Airbus hatte eine halbe Stunde nach dem Start die Reiseflughöhe von 10 000 Metern erreicht. Nur eine Minute später muss mit der Maschine etwas passiert sein. Denn jetzt neigte sie ihre Nase bereits wieder nach unten. Es begann ein «linearer» Sinkflug, wie sich die französische Luftraumkontrolle ausdrückte: Binnen acht Minuten verringerte der A320 die Flughöhe um gut 8000 Meter. Damit verlor er dreimal schneller an Höhe, als dies bei einem normalen Landeanflug der Fall ist. Dann schoss die Germanwings-Maschine mit mehr als 700 Stundenkilometern in die Bergwand.

Warum dieser rasante, aber gleichmässige Sinkflug? Und warum unternahmen die beiden Piloten nichts dagegen? Sie nahmen keinen Funkverkehr auf; nicht einmal ein Notsignal sendeten sie aus. Eine Hypothese besteht darin, dass der automatische Pilot aktiviert war. Spezialisten stellen allerdings eher Parallelen zu anderen Flügen her, bei denen Messgeräte vereist waren oder aus anderen Gründen falsche Angaben an das Cockpit weiterleiteten.

«Sehr traurig in Düsseldorf»

Flugunfälle in Europa

- 4. September 1963: Eine Caravelle der Swissair stürzt über Dürrenäsch ab. 80 Menschen sterben.
- 3. März 1974: Eine DC-10 der Turkish Airline verliert kurz nach dem Start in Paris die hintere Frachttür. 346 Tote.
- 27. März 1977: Auf der Startbahn des Flughafens von Teneriffa prallen ein niederländischer und ein amerikanischer Jumbo zusammen. 583 Menschen sterben.
- 25. Juli 2000: Eine Concorde der Air France verunglückt kurz nach dem Start in Paris. 113 Tote.
- 24. November 2001: Eine Crossair-Maschine stürzt kurz vor der Landung in Zürich in Bassersdorf ab. 71 Tote.
- 1. Juli 2002: Eine Tupolew der Bashkirian Airlines kollidiert wegen eines Fluglotsenfehlers über Überlingen mit einer Boeing 757 der DHL. 71 Menschen sterben.

Bereits am Dienstag reisten der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sowie Verkehrsminister Alexander Dobrindt an die Unfallstelle. Am Mittwoch wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Region aufbrechen. «Meine Gedanken und meine Anteilnahme, auch die der ganzen Bundesregierung, sind jetzt bei den Menschen, die so jäh ihr Leben verloren haben. Das Leid ihrer Familie ist jetzt unermesslich», sagte die Kanzlerin vor Journalisten. Sie habe sowohl mit dem französischen Präsidenten François Hollande als auch mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy telefoniert. «Wir haben vereinbart, dass unsere Länder einander in jeder erdenklichen Form helfen werden, um die Ursache dieser Katastrophe zu ergründen und die Kräfte am Absturzort wie auch an den Flughäfen zu unterstützen.»

Rajoy verspricht Hilfe

Entsetzte Mienen, blasse Gesichter, und Tränen auch im Terminal 2 des internationalen Flughafens in Barcelona. «Wir tun alles, um den Familien der Opfer zu helfen», versprach Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy in einer Ansprache, die auch über die TV-Monitore im Flughafen flimmerte. König Felipe sprach sichtlich bewegt und mit gebrochener Stimme von «einer furchtbaren Katastrophe», übermittelte den Hinterbliebenen sein Beileid.

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