Kenia
Barack Obama: (k)ein afrikanischer Präsident

Der US-Präsident Barack Obama beschwört derzeit seine afrikanischen Wurzeln. In seiner Politik spielt Afrika jedoch eine untergeordnete Rolle.

Renzo Ruf, Washington
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Barack Obama und der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta.

Barack Obama und der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta.

Keystone

Die Welt ist klein. Als sich am Samstag, beim feierlichen Abendessen in Nairobi, der amerikanische Präsident Barack Obama und der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta zuprosteten, standen sich zwei Männer gegenüber, deren Väter vor mehr als vier Jahrzehnten als Todfeinde galten. Barack Hussein Obama stand damals im Dienste der neu geschaffenen Tourismusbehörde Kenias, die von Jomo Kenyatta, dem ersten Präsidenten des unabhängigen Staates Kenia, ins Leben gerufen worden war.

Obama senior, der dem Stamm der Luo angehörte, behauptete, Kenyatta – ein Kikuyu – habe einen engen Freund, den Gewerkschafter Tom Mboya, umbringen lassen. Kenyatta, genannt «Big Man», kam dieser Anwurf des recht einflussreichen Ökonomen zu Ohren und er sei darüber «sehr wütend» gewesen, erinnerten sich später Zeitgenossen. 1970, ein knappes Jahr nach der Ermordung Mboyas, wurde Obama von seinem Staatsposten gefeuert – worauf er noch stärker dem Alkohol zusprach und seinem Groll gegenüber Kenyattas Regime freien Lauf liess.

Offen sagte sein Sohn deshalb am Wochenende: Es stimme, dass es seinem Vater «schwer gefallen» wäre, sich vorzustellen, dass er nun einen Trinkspruch auf den Sohn des ehemaligen Widersachers ausspreche. Dann witzelte er, er habe Kenia in seinem vorletzten Amtsjahr besucht, weil er im Rest des Kontinents nicht habe den Eindruck erwecken wollen, er bevorzuge den Staat.

Späte Spurensuche

Diese Anekdote zeigt mit aller Deutlichkeit, dass Obama junior mittlerweile recht entspannt mit der besonderen Rolle umgeht, der erste US-Präsident mit afrikanischen Wurzeln zu sein. Das war lange nicht so. Obama tat sich als junger Erwachsener schwer damit, dass sein kenianischer Vater – mit dem Klein-Barry zeit seines Lebens nur rund 30 Tage verbracht hatte – ihn und seine (weisse) Mutter verlassen hatte.

Als er sich daran machte, mehr über seine afrikanischen Vorfahren zu erfahren, war Barack Hussein Obama bereits tot, gestorben nach einem schrecklichen Autounfall im Jahr 1982. Später, im Jahr 1995, schrieb Jung-Politiker Obama über dieses Kapitel in seinem Leben das unsentimentale Buch «Ein amerikanischer Traum: Die Geschichte meiner Familie», das auch heute noch lesenswert ist.

Andererseits hat diese Abgeklärtheit des Präsidenten auch zur Folge, dass der afrikanische Kontinent im politischen Alltag Washingtons weiterhin bloss die zweite Geige spielt – und die (allzu) hohen Erwartungen an Obama gerade in der Heimat seines Vaters schwer enttäuscht wurden. In der amerikanischen Hauptstadt gibt es gar einige Stimmen, die sagen, dass George W. Bush, republikanischer Vorgänger des Demokraten im Weissen Haus, mehr für Afrika getan habe – weil er den Kampf gegen die Immunschwäche Aids zur Priorität erklärte.

Am Samstag ging Obama auch auf diese Kritik ein, und er verkündete, dass er mit Bush nicht in einem «Schönheitswettbewerb zwischen Präsidenten» stehe. Vielmehr baue er, Obama, auf den politischen Erfolgen seines Vorgängers auf – auch wenn er in den vergangenen sieben Jahren oft keine Zeit für den afrikanischen Kontinent hatte.

Vermittlungsversuch für Südsudan

Obama ist im Herkunftsland seines Vaters – das er nun zum vierten Mal besucht hat – immer noch äusserst populär und er betonte während seines kurzen Aufenthalts in Nairobi, wie verbunden er sich mit dem Land fühle. Der Präsident nutzt dieses Prestige, um Afrika im Allgemeinen und Kenia im Besonderen ins Gewissen zu reden. «Ich bin hier als Freund, der Kenia Erfolg wünscht», sagte er beispielsweise am Wochenende. Und in Äthiopien, der letzten Station seiner Reise, mahnte er gestern die regierende Partei an, mehr politische Freiheiten zu gewähren. Dann warf er sein ganzes Gewicht in die Waagschale, um im Ringen um Südsudan zu vermitteln. «Wir hoffen, dass wir eine Friedenslösung ermöglichen, wie sie die Bevölkerung von Südsudan so dringend benötigt», sagte Obama zu Beginn einer Unterredung der Regionalmächte Äthiopien, Uganda, Kenia und Sudan mit der Afrikanischen Union. Ein Treffen mit Vertretern des jungen Staates, der 2011 auch dank der Regierung Obama unabhängig wurde, stand hingegen nicht auf dem Terminkalender des US-Präsidenten.

Am Dienstag hält Obama am Hauptsitz der Afrikanischen Union eine Rede. Danach gehts wieder heim nach Washington.

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